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HSH-Nordbank-Affäre: Fahnder durchsuchen Büros von Sicherheitsfirma Prevent

Von Andreas Ulrich

Der Druck auf HSH-Chef Dirk Jens Nonnenmacher wächst: Ermittler haben nun eine Razzia bei der Sicherheitsfirma des Geldkonzerns durchgeführt. Es geht um den Verdacht, das Unternehmen Prevent habe einem Mitarbeiter der Bank Kinderpornos untergeschoben.

Hamburg - Mitarbeiter des Hamburger Landeskriminalamts haben am Mittwochmorgen die Büros der Sicherheitsfirma Prevent durchsucht. Rund hundert Beamte nahmen seit 6 Uhr morgens an dem Einsatz teil, dessen Ziel Prevent-Standorte in München, Hamburg, Mainz, Berlin und Potsdam waren. Auch Wohnungen von Führungskräften waren Teil der Razzia.

Der Vorwurf: Prevent-Gründer Thorsten Mehles und Vorstand Peter Wiedemann stehen unter Verdacht, daran beteiligt gewesen zu sein, dass einem Mitarbeiter der HSH Nordbank in New York Kinderpornos untergeschoben wurden - damit das Institut ihn fristlos entlassen kann. Bankchef Dirk Jens Nonnenmacher steht deswegen und wegen weiterer Vorwürfe unter starkem Druck. Die Regierungschefs von Hamburg und Schleswig-Holstein drohen bereits offen damit, ihm das Vertrauen zu entziehen. Laut "Süddeutscher Zeitung" wird hinter den Kulissen bereits ein Nachfolger für Nonnenmacher gesucht.

"Wir ermitteln wegen des Verdachts der Anstiftung zum Besitz von Kinderpornos und falscher Verdächtigungen", sagte der Hamburger Oberstaatsanwalt Wilhelm Möllers. Anfang Oktober hatten bereits die Kieler Ermittler Prevent-Büros durchsucht.

Für die Hamburger Polizisten ist es ein Besuch bei ehemaligen Kollegen. Prevent-Gründer Thorsten Mehles war einst Chef der Abteilung Interne Ermittlungen in der Hamburger Innenbehörde und später Leiter der Abteilung zur Bekämpfung der Organisierten Kriminalität.

Nach einem abrupten Wechsel zum Bundesnachrichtendienst, den er angeblich aus gesundheitlichen Gründen nach wenigen Monaten wieder verließ, gründete er mit dem ehemaligen nordrhein-westfälischen SPD-Politiker Jürgen Gramke die Prevent AG.

Ehemaliger Hamburger Senator arbeitet für Prevent

Um diese Gründung ranken sich zahlreiche Gerüchte. Führende SPD-Politiker sollen dabei die Strippen gezogen haben. Das Ziel: Eine Organisation, die Firmen in juristisch heiklen Bereichen hilft. Eine Firma also für Dinge, die besser nicht ans Tageslicht kommen sollen. Dafür holte Mehles sich ein paar Vertraute aus der Polizei ins Haus.

Seine Biografie weist nicht nur eine Station beim deutschen Geheimdienst auf, auch bei der CIA soll er Gelegenheit gehabt haben, Verbindungen zu knüpfen, als er sie nach seinem Wechsel von der Polizei zum Nachrichtendienst häufiger besucht hatte. In Deutschland setzten sich namhafte Politiker in den Vorstandsetagen bedeutender Unternehmen für die bis dahin unbekannte Firma ein.

Dabei soll es schon früh Beschwerden über überhöhte Rechnungen gegeben haben, ohne dass dies zu polizeilichen Ermittlungen führte. Zur Überraschung der Hamburger Polizei wechselte der ehemalige Hamburger Innensenator Udo Nagel zu Prevent, selbst der ehemalige BND-Chef und Staatssekretär im Bundesinnenministerium, August Hanning, trat in die Dienste der Prevent AG.

Welche Rolle spielt Nonnenmacher?

Ihr Engagement für "Die Firma", wie die "Financial Times Deutschland" Prevent nennt, könnte sich indes angesichts des Skandals um die HSH Nordbank als Fehler erweisen. Bei der HSH Nordbank geht es nicht nur um ungewöhnlich hohe Abrechnungen. Prevent hatte allein von Februar 2008 bis Oktober 2009 von der HSH mehr als sieben Millionen Euro für Schulung, Sicherheitsberatung und Personenschutz erhalten. Im Fall der HSH besteht nun auch der Verdacht, dass die Prevent AG, laut Eigenwerbung "Exzellenz in Prävention und Intervention", oder freie Mitarbeiter Bankangestellte ausspioniert und mit kriminellen Methoden Kündigungsgründe für unliebsame Führungskräfte kreiert haben.

So wurde HSH-Vorstand Frank Roth angeblich nachgewiesen, er habe Firmengeheimnisse an die Presse weitergegeben, beim New Yorker Bürochef Roland K. fanden Prevent-Mitarbeiter auf verblüffende Weise Kinderpornos auf seinem Rechner. Ein Ermittlungsverfahren gegen Roth hat die Kieler Staatsanwaltschaft bereits eingestellt, weil sie die Vorwürfe für falsch hält. Und die Causa Roland K. ist mittlerweile zum Fall für die New Yorker Polizei geworden.

Doch dabei geht es weniger um den geschassten Büroleiter als vielmehr um die Rolle, die Prevent-Gründer Mehles dabei spielt, und letztlich auch um die Frage, ob auch HSH-Vorstandschef Nonnenmacher dabei eine Rolle gespielt hat. Ist Roland K., wie die New Yorker Polizei glaubt, Opfer eine Intrige geworden? Zumindest waren Mehles und sein Kollege Wiedemann in New York, als die Pornos gefunden wurden. Sowohl die Prevent-Mitarbeiter als auch Nonnenmacher bestreiten vehement jede Beteiligung.

Als der SPIEGEL die Vorwürfe Ende August veröffentlichte, teilte Prevent mit, Mehles sei am 31. Juli von seinem Posten als Prevent-Vorstandschef zurückgetreten. Er fungiere jetzt nur noch als Berater. Mehles selbst gab gesundheitliche Gründe an, wie schon beim Abschied aus dem BND.

Anmerkung der Redaktion: Das Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Hamburg gegen Thorsten Mehles ist im April 2014 nach § 170 Abs. 2 StPO eingestellt worden.

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1. ...
Schalke 03.11.2010
Da sollte Der Spiegel mal schön dranbleiben und zu alter journalistischer Stärke zurückfinden. Klassisch recherchierte, lückenlos nachvollziehbar Stories, die den "Großkopferten" ans Bein pinkeln. Mein ganz subjektiver Eindruck: Der Laden stinkt zum Himmel, denn wenn die Staatsanwaltschaft schon mit einer Hundertschaft einem "Anfangsverdacht" nachgeht, dann könnte das die Spitze eines Eisberges sein. Die Tatsache, daß in dieser Firma Personen miteinander zu tun haben, die in höheren Positionen von Exekutive und Legislative saßen (wobei letztere wohl Verbindungen zur (Hoch-)Finanz und freien Wirtschaft zu haben scheinen), läßt nichts gutes erahnen vor dem Hintergrund der Tätigkeiten dieser Firma. Da könnte sich ein Sumpf aus Korruption, Intrigen und Verbrechen drin verbergen, die man sonst eigentlich nur den klassischen Verschwörungstheorien zuordnet. Bitte mehr Informationen zu diesem Thema.
2. ...
tristar73, 03.11.2010
Auch ne Supersache... Willst du Unliebsame Gegener loswerden, kopierst du ihnen heimlich Kinderpornos auf den Rechner. Der Menschliche Einfallsreichtum kennt mal wieder keine Grenzen.
3. Klar, so macht man das:
sic tacuisses 03.11.2010
Zitat von sysopDer Druck auf HSH-Chef Dirk Jens Nonnenmacher wächst: Ermittler haben nun eine Razzia bei der Sicherheitsfirma des Geldkonzerns durchgeführt. Es geht um den Verdacht, das Unternehmen Prevent habe einem Mitarbeiter der Bank Kinderpornos untergeschoben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,726953,00.html
Monate nach Bekanntwerden der Sauerei wird durchsucht. Natürlich wurde in der Zwischenzeit nichts beiseite geschafft. Sind doch alles honorge Gestalten dort in de Sumpf...........
4. .
frubi 03.11.2010
Zitat von sic tacuissesMonate nach Bekanntwerden der Sauerei wird durchsucht. Natürlich wurde in der Zwischenzeit nichts beiseite geschafft. Sind doch alles honorge Gestalten dort in de Sumpf...........
Banken haben diesbezüglich sowieso nichts zu befürchten. Das System ist sauber. Wenn dann sind das nur Einzelfälle. Aber ein großes Lob an den Spiegel und die beteiligten Journalisten. Solche Artikelreihen wünscht man sich öfter. Es macht richtig freude den Spiegel von vor ein paar Wochen wieder rauszukramen und mehrere Artikel zu einem Thema noch einmal durchzulesen.
5. Alter Hut
quadraginti, 03.11.2010
Zitat von tristar73Auch ne Supersache... Willst du Unliebsame Gegener loswerden, kopierst du ihnen heimlich Kinderpornos auf den Rechner. Der Menschliche Einfallsreichtum kennt mal wieder keine Grenzen.
Das hat die *FDP-Thüringen *schon makl vor ca. 8 Jahren auch versucht, denn da sollte einer rausgeekelt werden.
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