Früheres Landesinstitut Gläubiger verklagen HSH Nordbank auf eine Milliarde Euro

Nur wenige Wochen nach ihrer Privatisierung wird die HSH verklagt. Investoren fordern eine Milliarde Euro - die frühere Landesbank habe den Wert eigener Anleihen unzulässig niedrig bewertet.

HSH Nordbank in Hamburg (Archiv)
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HSH Nordbank in Hamburg (Archiv)


Eine Gruppe von Gläubigern fordert im Streit um die Bewertung von Anleihen von der HSH Nordbank eine Milliarde Euro. Eine entsprechende Klage von 18 Investoren aus den USA, Deutschland und anderen europäischen Ländern sei am 28. Dezember beim Landgericht Kiel eingereicht worden, teilte die Investorengruppe mit. Addiere man indirekt begebene Anleihen hinzu, erhöhe sich die Gesamtforderung auf 1,4 Milliarden Euro.

Die Gläubiger von Hybridinstrumenten werfen den neuen HSH-Eigentümern um die Finanzinvestoren Cerberus und J.C. Flowers vor, sich auf ihre Kosten zu bereichern. Die frühere Landesbank habe den Wert der Papiere unzulässig heruntergeschrieben. Die HSH lehnte eine Stellungnahme ab.

Bei Hybridkapital handelt es sich um eine Mischform aus Eigen- und Fremdkapital. Deshalb haften Gläubiger solcher Anleihen oft für Verluste mit. Die HSH hat insgesamt mehr als zwei Milliarden Euro an Hybridinstrumenten ausgegeben. Hamburg und Schleswig-Holstein hatten ihre Landesbank auf Druck der EU-Kommission Ende Februar 2018 für rund eine Milliarde Euro an das Konsortium um Cerberus und J.C. Flowers verkauft Wirksam wurde die Übernahme Ende November.

Faktisch umsonst erworben

Wenige Tage nach der Übernahme hatte die HSH am 30. November mitgeteilt, die Hybridinstrumente zu kündigen. Die maßgeblichen Buchwerte der Papiere dürften Ende 2020 nur um die 15 Prozent des Nominalwerts betragen, erklärte das Institut damals.

Die Gläubiger argumentieren nun dagegen: Sollte die HSH die sogenannten Tier-1-Anleihen tatsächlich zu 15 Prozent ihres Nennwerts zurückkaufen, bedeute dies demnach einen Profit in Höhe von 1,6 Milliarden Euro auf Kosten der Anleihegläubiger, der ausschließlich den neuen Eigentümern zugute kommen würde. Sie hätten die Bank dann faktisch umsonst erworben, so die Sicht der Kläger.

Die Kläger fordern eine Hochschreibung der Papiere auf deren Nennwert sowie Schadensersatz "für unrechtmäßig entgangene Zinszahlungen". Trotz der Klage seien sie nach wie vor bereit, mit der HSH eine einvernehmliche Lösung zu finden, teilten die Gläubiger mit.

fdi/Reuters

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Emderfriese 07.01.2019
1. Show-Biz
"...Trotz der Klage seien sie nach wie vor bereit, mit der HSH eine einvernehmliche Lösung zu finden, teilten die Gläubiger mit." Natürlich, wird schon für alle Beteiligten etwas herausspringen. Verantwortlich "Schuldige" gibt's ja wohl keine. Nur die Länder Hamburg und SH - und damit deren Bürger - verlieren Milliarden. Business as usual eben...
Rüdiger IHLE, Dresden 07.01.2019
2. DAS wird ne große Gutachtenschlacht ...
.. und in Ansehung des zur Verteilung anstehenden Honorarkuchens wird der Fall mindestens bis zum BGH hochgetragen .. , .. und die hochqualifizierten Herren .. und Damen RAe und RAinnen ... finden sicher auch nen Weg, um das BVerfG zu bemühen .. ..und dann gibt es ja auch noch den EUGH ...
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