HSH Nordbank Neuer Wirbel um Millionenzahlung an Goldman Sachs

Hat die HSH Nordbank zu Unrecht 45 Millionen Dollar an die Investmentbank Goldman Sachs bezahlt? In dieser Frage ermittelt inzwischen auch die Staatsanwaltschaft gegen Manager der Landesbank. Nach SPIEGEL-Informationen gab es intern früh Bedenken gegen die Überweisung.

HSH-Nordbank-Chef Dirk Jens Nonnenmacher: Ebenfalls Kenntnis von dem Vorgang
ddp

HSH-Nordbank-Chef Dirk Jens Nonnenmacher: Ebenfalls Kenntnis von dem Vorgang


Hamburg - Im Streit um die Frage, ob die schwer angeschlagene HSH Nordbank im November 2008 ohne rechtliche Verpflichtung 45 Millionen Dollar an die Investmentbank Goldman Sachs gezahlt hat, sind interne Mails aus der HSH-Rechtsabteilung aufgetaucht.

Darin hatte der stellvertretende Justitiar im Oktober 2008 durchgängig die Position vertreten, dass Goldman Sachs keinen Anspruch habe, weil das Unternehmen die Frist dafür verpasst habe. "Goldman Sachs kann uns rechtlich nicht zu einem Ausgleich zwingen", heißt es dort etwa in einer E-Mail des Hausjuristen, in einer anderen: "Rechtlich sind wir uns sicher." Eine E-Mail gleichen Inhalts ging auch an den damaligen Vorstandschef Hans Berger und den Vorstand Jochen Friedrich, die mit dem Thema befasst waren.

Bank schwenkte erst Ende Oktober 2008 um

Die Unterschrift des damaligen Finanzvorstands Dirk Jens Nonnenmacher auf einem Protokoll deutet zudem darauf hin, dass auch der heutige Vorstandschef Kenntnis von dem Vorgang hatte; nach Angaben der Bank war Nonnenmacher damit aber nicht befasst. Gegen Nonnenmacher, Berger, Friedrich und einen weiteren Vorstand ermittelt die Staatsanwaltschaft Hamburg wegen des Verdachts der Untreue in dieser Angelegenheit.

Aus dem Mailverkehr und einem internen Revisionsbericht geht hervor, dass Berger und Friedrich zunächst ebenfalls eine Zahlung abgelehnt hatten, erst am 30. Oktober schwenkte die Bank um. Berger will mit der Entscheidung selbst nichts mehr zu tun gehabt haben; er schied kurz danach aus der Bank aus.

Wirtschaftsprüfer: Bank wusste nicht, wie viel Geld sie hatte

Eine mögliche Beteiligung anderer Vorstände wollte die HSH nicht kommentieren. Nach Angaben der Bank hatte sie kurz vor dem Schwenk doch noch rechtliche Bedenken bekommen; einen schriftlichen Beleg konnte sie dafür bisher allerdings nicht vorlegen. Außerdem habe sie vor dem Hintergrund der dramatischen Lage auf dem Finanzmarkt nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers keine unkalkulierbaren Risiken eingehen wollen.

Ein unter Verschluss gehaltenes Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG aus dem April 2009 stellt fest, dass die Bank durch zahlreiche Versäumnisse im Risikomanagement zu dieser Zeit nicht mehr wusste, wie viel Geld sie noch hatte.

"Der Vorstand war im Geschäftsjahr 2008 nicht zur jederzeitigen Bestimmung der Vermögens- und Ertragslage der Bank imstande", heißt es in dem Papier, "dies hat sich von September bis Mitte November 2008 ausgewirkt." Verlustrisiken in dreistelliger Millionenhöhe seien "für mehrere Wochen unerkannt" geblieben. Noch Ende 2008 habe die Bank Papiere in ihren Büchern im Vergleich zum Marktwert mit gut 2,2 Milliarden Euro zu hoch angesetzt.

böl

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.