Kriselndes Geldinstitut US-Finanzinvestoren sollen HSH Nordbank übernehmen

Zwei amerikanische Finanzinvestoren wollen das Geschäft der HSH Nordbank übernehmen. Die Bank steht vor einem umfassenden Stellenabbau. Vorstandschef Stefan Ermisch will das Unternehmen weiter stutzen.

Zentrale der HSH Nordbank in Hamburg.
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Zentrale der HSH Nordbank in Hamburg.

Von manager-magazin-Redakteur Sven Clausen


Die Finanzinvestoren Cerberus und J. C. Flowers stehen unmittelbar vor dem Kauf der HSH Nordbank. Eine entsprechende informelle Einigung mit den Mehrheitseignern, den Ländern Hamburg und Schleswig-Holstein, habe es bereits vor Wochen gegeben, berichtet das manager magazin in seiner am Freitag erscheinenden Ausgabe.

Der Vorstandschef der Staatsbank, Stefan Ermisch, will das Geldhaus auch nach dessen Verkauf führen. Entsprechende Ambitionen habe er intern schon deutlich gemacht.

Die Bank war mit milliardenschweren Staatshilfen gerettet worden und muss nun auf Geheiß der EU-Kommission privatisiert werden. Als Kaufpreis soll kurz vor Abschluss der Endverhandlungen rund eine Milliarde Euro für die komplette Bank samt sämtlicher noch ausfallgefährdeter Kredite in der Diskussion gewesen sein.

Eine erfolgreiche Privatisierung könnte den Druck auch auf andere Länder erhöhen, ihre staatseigenen Banken zu verkaufen. Als mögliche Kandidaten gelten dafür etwa die NordLB aus Hannover und die BayernLB.

HSH-Vorstandschef Stefan Ermisch hatte seine Bank in den vergangenen Wochen bereits auf den Umbau nach der Privatisierung vorbereitet. Bereits im Dezember stellte er Führungskräften Planzahlen für die Zeit bis in das Jahr 2022 vor.

Der Vorsteuergewinn soll von rund 300 Millionen Euro im gerade abgelaufenen Jahr auf rund 446 Millionen Euro im Jahr 2022 steigen, die Bilanzsumme dagegen von derzeit gut 74 Milliarden Euro auf nur noch gut 55 Milliarden Euro sinken.

Auch für die Zahl der Beschäftigten gibt es nach Informationen des manager magazins bereits Planungen: Sie soll von derzeit noch rund 1900 auf nur noch rund 1300 sinken. Das wäre ein Abbau von mehr als 30 Prozent.

Stefan Ermisch
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Stefan Ermisch

Die HSH Nordbank war 2003 durch eine Fusion der beiden früheren Landesbanken von Hamburg und Schleswig-Holstein entstanden. Sie entwickelte sich unter anderem zu einem der bedeutendsten Schiffsfinanzierer der Welt - und geriet später wegen fauler Schiffskredite in eine tiefe Krise.

J.C. Flowers stieg bereits 2006, also vor der globalen Finanzkrise, mit mehreren von ihm initiierten Konsortien bei der HSH ein. Damals erwarb der Investor die Anteile von der nordrhein-westfälischen Landesbank WestLB.



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diorder 16.02.2018
1. Gewinne privatiisieren Verluste sozialisieren
So verschwerbelt man öffentliches Eigentum an einen selbst im Spiegel als dubiosen Finanzjongleur bezeichneten Absahner. Die Zeche zahlen mal wieder die Steuerzahler also wir alle und vor allem die Beschäftigten. Die herrschende Ideologie des Marktes fordert wieder einmal ihre Opfer: Die deutschen Parteien bis auf die LINKE in einem Boot mit der unsozialen EU. Also liebe SPD-Mitglieder: Raus aus der Abzockerei und die Wende zum Sozialen. Der Weg dahin will gur geplant sein. Ob Scholz dafür der Richtige ist ???
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