HSH Nordbank Vom Bankchef beauftragte Firma soll in Kinderporno-Skandal verwickelt sein

Die Ermittlungen gegen Verantwortliche der HSH Nordbank haben einen neuen Höhepunkt erreicht. Hundert Polizisten durchsuchten nach SPIEGEL-Informationen die Büros einer Sicherheitsfirma, die im Auftrag des Instituts missliebigen Managern belastende Dokumente untergeschoben haben soll.

HSH-Chef Nonnenmacher: Verträge mit der Sicherheitsfirma alleine unterzeichnet
ddp

HSH-Chef Nonnenmacher: Verträge mit der Sicherheitsfirma alleine unterzeichnet


Hamburg - Von rund hundert Polizisten ließ die Staatsanwaltschaft Kiel am vergangenen Mittwoch in Hamburg, München und Frankfurt die Büros der Sicherheitsfirma Prevent AG durchsuchen. Sie hatte allein 2009 Aufträge für mehr als sieben Millionen Euro von der Bank erhalten. Die Fahnder gehen dem Verdacht nach, die Bank könnte im Frühjahr 2009 eine falsche Spur gelegt haben, um ihr Vorstandsmitglied Frank Roth als angeblichen Informanten der Presse zu belasten.

Roth hatte kurz danach die fristlose Kündigung erhalten. In Kiel wird die Prevent zurzeit als Zeugin geführt. In einem weiteren Ermittlungsverfahren, bei dem die New Yorker Staatsanwaltschaft dubiose Umstände beim Rauswurf des dortigen HSH-Chefs untersucht, gehört hingegen offenbar ein hochrangiger Prevent-Manager zu den Beschuldigten.

Hier lautet der Vorwurf, dass dem Filialleiter Kinderporno-Fotos untergeschoben wurden, um ihn entlassen zu können. Prevent bestreitet in beiden Fällen nachdrücklich jedes ungesetzliche Handeln. Mit der Razzia rückt auch HSH-Vorstandschef Dirk Jens Nonnenmacher weiter ins Visier der Fahnder. Aus dem SPIEGEL vorliegenden Papieren geht hervor, dass Nonnenmacher einen Vertrag mit Prevent im Alleingang abgeschlossen und damit allem Anschein nach gegen die Vorschriften der Bank verstoßen hat.

Geschlossen wurde der Vertrag am 14. August 2009, und zwar von der "HSH Nordbank AG, vertreten durch die Vorstände Prof. Dr. Dirk Jens Nonnenmacher, Peter Rieck, Jochen Friedrich, Bernhard Visker" - also dem gesamten Vorstand. Doch unterschrieben ist der achtseitige "Leistungsschein" über Konzepte zur Konzern- und IT-Sicherheit, sowie Schulungen allein von Nonnenmacher und zwei Prevent-Managern.

Die Zeichnungsvorschriften der Bank sehen dagegen vor, dass immer mindestens zwei berechtigte Personen einen Vertrag unterschreiben müssen. Das gilt auch für Nonnenmacher, der lediglich "berechtigt ist, die Gesellschaft gemeinsam mit einem anderen Vorstandsmitglied oder Prokuristen zu vertreten", wie es in einem "streng vertraulich" gekennzeichneten Papier des Aufsichtsrats heißt.

Nach SPIEGEL-Informationen war der Inhalt dieses und zweier weiterer Prevent-Verträge anderen HSH-Vorständen nicht bekannt. Ein Banksprecher sagte dazu, die Kontrakte seien "entsprechend der Ressortverantwortlichkeiten von zeichnungsberechtigten Mitarbeitern der Bank unterschrieben" worden.

hil

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