Ermisch löst von Oesterreich ab HSH Nordbank bekommt neuen Chef

Nach drei Jahren an der Spitze verlässt Constantin von Oesterreich die HSH Nordbank in einer entscheidenden Phase. Durch die bald anstehende Privatisierung soll nun sein bisheriger Stellvertreter lenken.

Stefan Ermisch (l.) und Constantin von Oesterreich
DPA

Stefan Ermisch (l.) und Constantin von Oesterreich

Von manager-magazin-Redakteur Sven Clausen


Der Vorstandsvorsitzende der sorgengeplagten Landesbank HSH Nordbank, Constantin von Oesterreich, verlässt das Geldhaus. Dazu hat der 62-Jährige den Aufsichtsratsvorsitzenden, Ex-Finanzstaatssekretär Thomas Mirow (SPD), nach Informationen von manager-magazin.de um Aufhebung seines noch bis Oktober 2017 laufenden Vertrags gebeten. Oesterreichs Nachfolger soll Stefan Ermisch werden, sein bisheriger Stellvertreter und Finanzvorstand. Die HSH Nordbank ist damit nach Helaba, LBBW und NordLB die vierte Landesbank innerhalb weniger Monate, die den Chef wechselt.

Von Oesterreichs Entschluss fällt zwischen zwei entscheidende Phasen für den einst weltgrößten Finanzierer von Schiffsneubauten, der sich für den Steuerzahler nach der Hypo Real Estate und der WestLB zur größten Einzellast aus der Finanzkrise entwickelt hat. Erst vor wenigen Tagen hat die EU-Kommission dem finalen Stabilisierungsplan der Bank zugestimmt - dafür aber die anschließende Privatisierung verlangt.

Das Geldhaus drücken immer noch Finanzierungen in Höhe von rund 25 Milliarden Euro, die von den Gläubigern nicht vertragsgemäß bedient werden und deswegen für die Bank voraussichtlich Verluste einfahren werden. Mit Brüssel ist nun verabredet, Papiere im Wert von rund fünf Milliarden Euro kapitalschonend in eine Holding einzulagern, die außerhalb des operativen Geschäfts der HSH Nordbank laufen soll.

Zudem will die Bank Portfolien im Wert von derzeit 3,2 Milliarden Euro selbst möglichst ergebnisschonend über den Markt verkaufen. Weil die Länder die auflaufenden Verluste der Aktion mit bis zu zehn Milliarden Euro abpuffern, verlangt die EU-Kommission im Gegenzug einen Verkauf der Bank bis spätestens Ende 2018.

Seinen Entschluss zum Rückzug legte von Oesterreich in der Woche vor Ostern jeweils den Kapital- und Arbeitnehmervertreter des Aufsichtsrats dar, als die sich vor der Sitzung des Aufsichtsrats trafen, um über die Ergebnisse der Verhandlungen mit der EU-Kommission zu beraten.

"Ein exzellenter neuer Lenker"

Nach Informationen von manager-magazin.de begründete der Risiko-Spezialist seinen Schritt damit, dass er die Bank durch EZB-Stresstest und EU-Verfahren gelotst habe, er demnächst 63 Jahre alt werde und für die Phase der Privatisierung nun mit Ermisch ein exzellenter neuer Lenker bereit stehe. Zudem kritisierte er, sich durch die Eigentümer der Bank nicht immer fair behandelt gefühlt zu haben. Bis zuletzt haben sowohl Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD), sowie der in Landesbank-Dingen reichlich uninspirierte Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) von Oesterreich sogar die Ausstellung eines formalen Vertrags als Vorstandsvorsitzender verweigert.

Zudem soll sich nach Informationen von manager-magazin.de aus dem Aufsichtsrat vor allem Hamburgs Finanzsenator Peter Tschentscher (SPD) wiederholt dagegen gewehrt haben, von Oesterreichs Gehalt von 500.000 Euro pro Jahr anzuheben - obwohl zuletzt sogar die EU-Wettbewerbskommission dies ausdrücklich erlaubt hatte.

Von Oesterreich ist seit November 2012 Chef der Bank. Zuvor war er Risikovorstand unter Dirk Jens Nonnenmacher, der sein Amt Ende März 2011 aufgeben musste. Als auch Nonnenmachers Nachfolger im Amt, Paul Lerbinger, nach 19 Monaten gescheitert war, wurde von Oesterreich zum Feuerwehrmann an der Spitze der skandalgeschüttelten Landesbank.

Gleiches Gehalt für Ermisch

Auch sein Nachfolger Ermisch wird sich nach Informationen aus dem Aufsichtsrat voraussichtlich mit einem Gehalt von 500.000 Euro pro Jahr und unterdurchschnittlichen Pensionszahlungen bescheiden müssen. Allerdings ist wohl ein Bonus für den Fall einer erfolgreichen Privatisierung im Gespräch. In den kommenden Tagen wollen die Länder entscheiden, wer sie dabei berät. Die Privatisierung der Landesbank gilt neben der Sanierung der Deutschen Bank derzeit als kniffligster Job in der deutschen Finanzbranche.

Formal soll Ermisch voraussichtlich auf einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung Anfang Mai zum neuen CEO bestimmt werden. Von Oesterreichs letzter Auftritt wäre dann möglicherweise schon die Bilanzpressekonferenz der Bank, die für den 9. Juni terminiert ist. Ein Sprecher der Bank wollte die Informationen nicht kommentieren.



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 1 Beitrag
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
halitd 30.03.2016
1. Wieder einer aus dem Top der Nichtswisser
Diese Figuren sind auswechselbar wie Socken. Bei jedem fließt Geld ohne Leistung aus den Steuerkassen ab. Jedes Foto zeigt die gleichen uniformierten Pinguine. Davon hat Deutschland viele. Diese bereiten die nächste Pleite vor an der sie reich werden. Meine voll Missachtung haben sie.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.