Prozess gegen Ex-HSH-Chef: Nonnenmacher rechnet mit Staatsanwälten ab

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Ex-HSH-Chef Nonnenmacher: "In Planung von Omega 55 nicht eingebunden"

Dr. No schlägt zurück: Der Ex-Chef der HSH Nordbank, Dirk Jens Nonnenmacher, hat die Hamburger Staatsanwaltschaft scharf kritisiert. Vor Gericht sagte der Banker, die Vorwürfe gegen ihn seien "absurd und lebensfremd". Er werde die Fragen der Ermittler nicht beantworten.

Hamburg - Das Gel im Haar lässt Dirk Jens Nonnenmacher inzwischen weg. Das lässt ihn etwas seriöser erscheinen - doch bescheidener ist er nicht geworden: Seinen Auftritt vor dem Hamburger Landgericht nutzte Nonnenmacher am Montag für eine Abrechnung mit der Staatsanwaltschaft. Der Ex-Chef der HSH Nordbank warf den Ermittlern vor, sie hätten ihn zunächst gar nicht vernehmen wollen. Sein Anwalt habe "rechtliches Gehör" einfordern müssen. "Wegen ihrer Voreingenommenheit werde ich die Fragen der Staatsanwälte nicht beantworten", sagte Nonnenmacher am Ende seiner 45-minütigen Erklärung. Er sei lediglich bereit, Fragen der Richter zu beantworten.

Mit seinen Attacken machte der Ex-Bankchef seinem Ruf alle Ehre. In der Finanzkrise war Nonnenmacher, Spitzname Dr. No, einer der umstrittensten Banker Deutschlands. Seit Juli steht er mit fünf weiteren Ex-Managern der HSH Nordbank vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen Untreue vor. Die Manager seien wissentlich zu hohe Risiken eingegangen und hätten Risiken ins Haus geholt, die die Bank beinahe in die Pleite getrieben hätten. Hamburg und Schleswig-Holstein mussten die HSH mit einem 13 Milliarden Euro schweren Rettungspaket vor dem Aus bewahren.

Es ist der erste Prozess, in dem ein kompletter Bankvorstand wegen Ereignissen während der Finanzkrise auf der Anklagebank sitzt. Konkret geht es um ein Geschäft namens Omega 55 aus dem Dezember 2007. Die HSH Nordbank wollte damit ihre Bilanz entlasten, verbuchte am Ende aber einen hohen Verlust. Nonnenmacher sagte, er sei als Finanzchef nicht für Omega 55 zuständig gewesen: "In die Planung, Vorbereitung, Ausgestaltung, Umsetzung und Überwachung der Transaktion war ich persönlich zu keinem Zeitpunkt eingebunden." Nonnenmacher wird außerdem vorgeworfen, die Quartalsbilanz im März 2008 vorsätzlich verfälscht zu haben. Das sei "mehr als lebensfremd", kontert er.

Insgesamt seien die Vorwürfe der Ermittler "absurd" und "abwegig". Mit Omega 55 hätten sich mehrfach Rechnungsprüfer, Juristen und Aufsichtsbehörden befasst. Es gebe wohl keinen Sachverhalt im deutschen Bankenbereich, der von so vielen Institutionen untersucht worden sei - von Wirtschaftsprüfern, Anwaltskanzleien und der Finanzaufsicht BaFin. "Sämtliche Untersuchungen sind zu dem Ergebnis gelangt, dass mir aktien- und zivilrechtlich keine Pflichtverletzungen vorzuwerfen sind", sagte Nonnenmacher.

"Es gibt einigen Klärungsbedarf"

Nonnenmacher zeigte bei seinem Auftritt, warum er bei Politikern der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein den Ruf des arroganten Finanz-Ekels hatte, der alle um sich herum für unfähig hält. So sagte er zur Einschätzung der Staatsanwaltschaft, bereits Laien hätten die Probleme bei Omega 55 erkennen können: "So etwas kann nur jemand behaupten, der sich noch nie mit Basel I beschäftigt hat." Unter Basel I versteht man internationale Regeln zum Eigenkapitalanteil von Banken. Ziel ist die Risikokontrolle bei der Kreditvergabe.

Staatsanwalt Karsten Wegerich gab sich nach der Verhandlung gelassen. Man habe mit der Kritik gerechnet: "Nonnenmacher hatte Gelegenheit, sich zu äußern." Auch Richter Marc Tully reagierte entspannt auf die Attacken des Bankers. Lakonisch sagte er zu Nonnenmachers Ankündigung, er werde Fragen des Gerichts beantworten, man werde sicherlich auf das Angebot zurückkommen. Allein hinsichtlich der Stellungnahme gebe es "einigen Klärungsbedarf".

Mit Material von dpa und Reuters

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insgesamt 49 Beiträge
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1. voellig unrichtig...
marty_gi 02.09.2013
ist die Sichtweise des Herrn nicht. Ich bin auch der Ansicht, dass ebenso die "Rechnungsprüfer, Juristen und Aufsichtsbehörden" mit auf die Anklagebank gehoeren. Die haben sehenden Auges mitgespielt....
2. Der lernt es nicht mehr...
deglaboy 02.09.2013
Dieser geschniegelte und geschmierte Herr ist absolut lernresistent. Solche Leute führen die Gesellschaft an den Abgrund. Eigentlich gehören sie ins Gefängnis, aber da kosten sie den Steuerzahler auch noch Geld. Und Strassen fegen können diese "besseren Leute" leider auch nicht. Weg mit dieser Schande, er hat genug Geld, soll er sich in einer dieser Oasen für Superreiche nützlich machen. In Deutschland braucht den kein Mensch. Da sind mir Krankenschwestern, Pfleger, Feuerwehrleute, Polizisten allemal lieber.
3. Siet wann rechnen Angeklagte ab?
kurswechsler 02.09.2013
Zitat von sysopDr. No schlägt zurück: Der Ex-Chef der HSH Nordbank, Dirk Jens Nonnenmacher, hat die Hamburger Staatsanwaltschaft scharf kritisiert. Vor Gericht sagte der Banker, die Vorwürfe gegen ihn seien "absurd und lebensfremd". Er werde die Fragen der Ermittler nicht beantworten. HSH-Prozess: Nonnenmacher rechnet mit Staatsanwälten ab - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/hsh-prozess-nonnenmacher-rechnet-mit-staatsanwaelten-ab-a-919890.html)
Lol .. na und. Er kann sich aufregen so viel er will und mit der StA rechnet man gleich gar nicht ab. Entscheiden wird das Gericht und dann wird der Armleuchter sehen, wo er steht.
4. Da treffen die Richtigen aufeinander
Stauss2 02.09.2013
Die Selbstgerechten gegen einen m.E. Paranoiker im Wahn. Wer als Vorstandchef 13 Mrd. € Verlust zu verantworten hat und sich selbst als völlig davon unbeleckt hält, lebt in einem Wahn der Unverletzlichkeit und des Götterglaubens. Wobei der Gott er selbst ist.
5. Die Staatsanwälte sind schlichtweg zu naiv
mischpot 02.09.2013
die Fakten klar und deutlich zu bearbeiten und zu begreifen. Es dürfte doch wohl klar sein dass sich die Bankster absichern und Ihnen nach Möglichkeit nichts nachzuweisen gibt. Hier geht es schlicht um Steuergelder die verpulvert wurden und ein paar haben sich dabei die Taschen vollgemacht oder meinen Sie Nonnenmacher bekommt seine Abfindung für umsonst. Hier treffen sich 2 die im Grunde vom Steuerzahler ausgehalten werden. Der eine ein Bankster und die anderen Staatsbeamte die auch vom Steuerzahler durchgefüttert werden. So what? Was soll da rauskommen?
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