Textilindustrie Hugo Boss soll in der Türkei und in Kroatien Armutslöhne zahlen

Billig produzieren, teuer verkaufen: Der Mode-Hersteller Hugo Boss steht nach SPIEGEL-Informationen in der Kritik. Sowohl in der Türkei als auch in Kroatien sollen die Löhne des Mode-Konzerns weit unter dem Existenzminimum liegen.

Boss-Jeans: Gewinnmaximierung auf Kosten der Arbeiter
DPA

Boss-Jeans: Gewinnmaximierung auf Kosten der Arbeiter


Der Modekonzern Hugo Boss sieht sich mit unangenehmen Recherchen konfrontiert: Das internationale Netzwerk Clean Clothes Campaign hat die Löhne untersucht, die 50 führende europäische Bekleidungsmarken und Firmen den Mitarbeitern ihrer Zulieferer bezahlen. Dabei kam heraus, dass das Luxus-Label aus dem schwäbischen Metzingen in der Türkei und in Kroatien durchschnittlich monatliche Nettolöhne von gerade mal 308 bis 440 Euro zahlt - womit das Unternehmen weit hinter seine eigenen Sozialstandards zurückfällt.

Darin heißt es, die Vergütung müsse "für den Lebensunterhalt der Beschäftigten und ihrer Familien ausreichend sein". Das festgelegte Existenzminimum pro Familie liegt in der Türkei allerdings bei 1002 Euro, die offizielle EU-Armutsuntergrenze in Kroatien bei 554 Euro.

Die untersuchten Löhne lägen damit weit unterhalb dessen, was die Arbeiter zum Leben bräuchten, kritisiert Bettina Musiolek, Mitautorin der Studie über Armutslöhne in der Textilbranche. Auf einen Fragebogen der Kampagne reagierte das Unternehmen nicht, ließ aber in der vergangenen Woche seine Anwälte dafür sorgen, dass der Name Hugo Boss aus einer Pressemitteilung getilgt wurde. Das Unternehmen selbst äußerte sich auf Anfrage nicht.

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insgesamt 96 Beiträge
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klaus47112 15.06.2014
1. soviel...
zur immer wider gerne geäußerten "Geiz ist geil" Kritik. Muss wohl eher lauten "Gier ist geil" !
zucker-schnute 15.06.2014
2. Wen wundert's??
Tja, da kriegt wohl jemand den Hals nicht voll!! Wenn wir hier in Outlets einen Hugo Boss-Anzug für 150,- Euro kaufen wollen, dann muss ja irgendwer in der Welt auf einen gerechten Lohn verzichten. Irgendwann wird man uns das Brot aus dem Mund nehmen, wenn wir nicht lernen zu teilen. Und dass die Menschen aus europ. Armutsregionen in unser reiches Deutschland kommen, in der Hoffnung wenigstens hier gerechte Löhne für ihre Arbeit zu bekommen, wundert mich dann auch nicht mehr.
niwocreme 15.06.2014
3. heuchlerisch
Als wäre Hugo Boss das einzige Unternehmen, welches in Billiglohnländern produzieren lässt. Das einzige Argument, was hier nicht wikt ist: "Geiz ist geil" denn HB Kunden, kaufen bewusst Luxusartikel.
alpha0711 15.06.2014
4. Ganz peinlich Hugo Boss
Zitat von sysopDPATeuer verkaufen, billig produzieren: Der Mode-Hersteller Hugo Boss steht nach SPIEGEL-Informationen in der Kritik. Sowohl in der Türkei als auch in Kroatien sollen die Löhne des Mode-Konzerns weit unter dem Existenzminimum liegen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/hugo-boss-modekonzern-zahlt-in-der-tuerkei-und-in-kroatien-hungerloehne-a-975293.html
Faire Labels gibt es viel zu selten.Soll keiner behaupten das es nicht möglich wäre bei den Preisen auch in Deutschland zu produzieren ! Die Gewinnmarge ist enorm und ich warte darauf das sich wie Trigema auch andere Textilfirmen wieder zum Standort Deutschland bekennen und hier fair produzieren.Wer 140 Euro für eine Jeans verlangt kann das mühelos machen wenn er nicht gerade gierig ist ! Hat Hugo Boss nicht mal in Metzingen produziert ? Das Management gehört in die Wüste geschickt , ganz ohne goldenen Fallschirm.Ganz peinliche Vorstellung Hugo Boss ! Wenn schon in Europa produzieren dann auch mit fairer Bezahlung. Aber so ein Sticker "Made in Europe" macht sich immer gut , auch wenn dieser bei Hugo Boss nur ein Schein ist wenn Ausbeuterlöhne bezahlt werden.
no-panic 15.06.2014
5.
Zitat von sysopDPATeuer verkaufen, billig produzieren: Der Mode-Hersteller Hugo Boss steht nach SPIEGEL-Informationen in der Kritik. Sowohl in der Türkei als auch in Kroatien sollen die Löhne des Mode-Konzerns weit unter dem Existenzminimum liegen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/hugo-boss-modekonzern-zahlt-in-der-tuerkei-und-in-kroatien-hungerloehne-a-975293.html
Immer wieder wird im Zusammenhang mit im Ausland zum billigsten Lohn produzierten Textilien mit dem Finger auf die Kunden von KiK und Co. gezeigt. Das Prekariat kauft dort ein und trägt die Schuld an den Lebensbedingungen der verarmten und ausgebeuteten Menschen in den Textilfabriken der Welt. Aufgeklärte Menschen wissen schon lange, dass auch Premiummarken und Sportausrüster ihre hier in Deutschland zu horrenden Preisen verhökerten Waren dort und unter solchen Bedingungen produzieren lassen. Diesmal ist es halt das geistige Prekariat, das die Waren einkauft. Schön, dass wir das nun auch offiziell haben.
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