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Hype um IT-Aktien: Insider bewerten Facebook mit 100 Milliarden Dollar

Hype oder Hysterie? Zwei US-Medien zitieren Insider, denen zufolge Facebook bei einem Börsengang alle Rekorde brechen würde: 100 Milliarden Dollar soll das Online-Netzwerk wert sein - mehr als Deutsche Bank, Deutsche Post und Lufthansa zusammen.

Angesagte Tech-Firmen: Was zieht wirklich? Fotos
AFP

New York - Kaum ein Börsengang wird mit so viel Spannung erwartet wie der von Facebook - und die Erwartungen an das soziale Netzwerk werden immer größer. Neuester Höhepunkt sind Spekulationen, Facebook könne bei einem Börsengang mehr als 100 Milliarden Dollar wert sein. Das berichtete der US-Fernsehsender CNBC unter Berufung auf Insider. Das "Wall Street Journal" hatte Anfang Mai Kenner mit ähnlichen Schätzungen zitiert. Facebook selbst kommentiert die Berichte nicht.

100 Milliarden Dollar - eine kaum vorstellbare Summe für einen Börsenstart. Das soziale Netzwerk wäre damit schlagartig höher bewertet als Deutsche Bank Chart zeigen, Deutsche Post Chart zeigen und Lufthansa Chart zeigen zusammen. Mehr noch: Es wäre fortan eines der am höchsten bewerteten IT-Unternehmen überhaupt. Apple Chart zeigen ist an der Börse rund 300 Milliarden Dollar wert, Microsoft Chart zeigen und IBM Chart zeigen bringen es auf gut 200 Milliarden Dollar, Google Chart zeigen auf rund 170 Milliarden.

Die Erwartungen an Facebook sind zudem im Rekordtempo gestiegen: Zu Jahresbeginn wurde der Wert des sozialen Netzwerks noch auf 50 Milliarden Euro geschätzt, im Juni 2010 gar erst auf 23 Milliarden. So stark ist die Bewertung seitdem nach oben geschraubt worden, dass erste Investoren bereits vor einer Facebook-Blase warnen und erste Anleger versuchen, ihre Anteile an dem Unternehmen zu verkaufen.

Die enormen Schätzungen über den Börsenwert von Facebook sind also vor allem eine Wette auf die Zukunft des Unternehmens. Das "Wall Street Journal" berichtet, die Hoffnungen an der Börse stiegen parallel zu den Gewinnerwartungen. Demnach könnte Facebook im laufenden Jahr mehr als zwei Milliarden Dollar vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) einnehmen. Das Unternehmen würde seine Rentabilität stark steigern. Bankenkreisen zufolge lag sein Gewinn zwischen Januar und September 2010 erst bei 355 Millionen Dollar, der Umsatz soll 1,2 Milliarden Dollar betragen haben.

Trotzdem halten viele Börsenkenner eine Bewertung von 100 Milliarden Dollar nicht für realistisch. David Dietze von der Investmentfirma Point View Financial etwa schätzt den Wert des sozialen Netzwerks eher auf 40 Milliarden Dollar. Zitiert wird er auf der Web-Seite von CNBC - begleitend zur 100-Milliarden-Dollar-Meldung.

Neuer Hype um Internetaktien

Die immer höheren Erwartungen an den Börsengang, der im ersten Quartal 2012 stattfinden soll, könnten also enttäuscht werden. Und die immer höheren Zahlen könnten ein gezielter Versuch gewisser Interessengruppen sein, den Hype zu vergrößern - und abzukassieren.

Generell gibt es einen neuen Hype um Internetaktien. Mitte Mai hatte er seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht - beim Börsengang des Online-Karrierenetzwerks LinkedIn. Dessen Aktien waren am ersten Handelstag zeitweise um fast 120 Prozent gestiegen. Vor dem Börsengang hatte die Firma selbst einen Wert von rund drei Milliarden Dollar angepeilt; dann war das Netzwerk plötzlich zehn Milliarden Dollar wert.

Auch andere Internetfirmen werden derzeit sehr hoch bewertet - egal, ob sie an der Börse notiert sind oder nicht. Das Rabattnetzwerk Groupon etwa wird auf 5,3 Milliarden Dollar geschätzt, der Kurznachrichtendienst Twitter auf zehn Milliarden.

Der neue Hype in der IT-Branche erinnert an die Zeit des Dotcom-Boom in den späten neunziger Jahren. Damals endete die Immer-mehr-und-immer-größer-Wette im Desaster. Schätzungen zufolge hat der Crash vom 10. März 2000 die Welt fünf Billionen Dollar gekostet - so viel Aktienkapital und Unternehmenswerte sollen in den folgenden eineinhalb Jahren verbrannt worden sein.

ssu

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insgesamt 162 Beiträge
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1. Schreibfehler?
Rainer Daeschler, 14.06.2011
"Insider bewerten Facebook mit 100 Millionen Dollar", das wäre ein mittelständisches Unternehmen.
2. Hype um Soziales Netzwerk: Insider bewerten Facebook mit 100 Millionen Dollar
jörg wartenberg 14.06.2011
Meinten sie wirklich "100 Millionen Dollar"? Das ist ja nichts! Aber irgendwo haben sie schon Recht, hinter Facebook stecken keine echten Werte, es ist ja alles nur virtuell.
3. Peinlich
vw71, 14.06.2011
Zitat von sysopHype oder Hysterie? Zwei US-Medien zitieren*Insider, denen zufolge Facebook bei einem Börsengang alle Rekorde brechen würde: 100 Millionen Dollar*soll das Online-Netzwerk wert sein - mehr als Deutsche Bank, Deutsche Post und Lufthansa zusammen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,768233,00.html
Kann es sein, dass es 100 Milliarden DOllar hätte heißen müssen? 100 Millionen ist ein bißchen wenig...
4. 100 Millionen?
pixmax 14.06.2011
Ich dachte da wär mehr drin. Ich hätte auch gedacht, dass die Deutsche Bank mehr wert ist, wo sie doch Milliarden Gewinne macht. Übersetzungsfehler?
5. Mio -> Mrd
_gimli_ 14.06.2011
Welcher Praktikant durfte denn diesen Artikel verfassen? "100 Mio. Dollar", und das gleich in Überschrift und Text :-) Vielleicht einfach mal Mio. durch Mrd. ersetzen.
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Soziale Netzwerke
Facebook
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Facebook ging Anfang 2004 als soziales Netzwerk für Harvard-Studenten online. Zunächst konnten nur Menschen mit E-Mail-Adressen ausgewählter US-Hochschulen Mitglieder werden, seit 2006 ist die Seite für alle Über-13-Jährigen offen. Nach eigenen Angaben hat Facebook 845 Millionen aktive Mitglieder weltweit (Dezember 2011). Mehr zu Facebook auf der Themenseite.
Google+
Google+ ist der Versuch, den sozialen Funktionen von Facebook und Twitter etwas entgegenzusetzen. Das soziale Netzwerk wurde im Juni 2011 gestartet und hat nach Firmenangaben rund 170 Millionen Nutzer (April 2012). Der Funktionsumfang ist rein aus Nutzersicht vergleichbar mit Facebook, Schnittstellen für externe Entwickler sind allerdings eingeschränkt. Google animiert seine Nutzer, das Netzwerk als zentralen Hub für seine Dienste zu nutzen. Mehr zu Google+ auf der Themenseite.
Twitter
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Der auf kurze Textnachrichten spezilalisierte Dienst Twitter wurde im Juli 2006 gegründet. Populär wurde der Dienst als Verteilnetzwerk für Links, Fotos und Videos. Twitter zählt nach eigenen Angaben mehr als 140 Millionen Nutzer (März 2012). Mehr zu Twitter auf der Themenseite.
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Xing (früher OpenBC) wurde 2003 von Lars Hinrichs gegründet. Nach eigenen Angaben hat Xing über 11,7 Millionen Mitglieder (Stand: Dezember 2011), etwa acht Prozent haben einen kostenpflichtigen Premium Account. Bei Xing geht es vor allem um berufliche Kontaktaufnahme. Mehr zu Xing auf der Themenseite...
StudiVZ
Ehssan Dariani hat die Studenten-Community StudiVZ 2005 gegründet. Zuerst investierten Lukasz Gadowski und Matthias Spiess in StudiVZ, später finanzierten es vor allem die Gebrüder Samwer - bekannt für die Klingeltonfirma Jamba - und der Venture-Capital-Arm des Holtzbrinck-Verlags ("Die Zeit", "Handelsblatt"). Im Januar 2007 übernahm Holtzbrinck StudiVZ. Derzeit haben die Plattformen studiVZ.net, schuelerVZ.net und meinVZ.net nach eigenen Angaben rund 17,4 Millionen Nutzer (Stand: Januar 2011). Mehr zu StudiVZ auf der Themenseite...
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Im Mai 2005 gegründet, hat das Netzwerk Lokalisten nach eigenen Angaben (Stand Juli 2010) inzwischen 3,6 Millionen Nutzer. Mehr zu Lokalisten bei Wikipedia...
Spin.de
Das 1996 in Regensburg gegründete Unternehmen Spin betreibt ein eigenes soziales Netzwerk, aber auch integrierte Unter-Communitys mit regionalem Fokus, die mit Partnern vor Ort (Lokalradios vor allem) betrieben werden. Nach eigenen Angaben (Stand Februar 2011) hat Spin.de eine Million aktive Mitglieder. Mehr zu Spin.de bei Wikipedia...
Wer kennt wen
Wer-kennt-wen wurde von den beiden Studenten Fabian Jager und Patrick Ohler gegründet. Seit Februar 2009 gehört das Netzwerk vollständig RTL Interactiv, die Gründer schieden Ende August 2010 aus. Das Netzwerk hat laut Betreiber über 9,5 Millionen Nutzer (Stand: Januar 2012). Mehr zu Wer-kennt-wen bei Wikipedia...
MySpace
MySpace war 2006 das populärste soziale Netzwerk in den USA. Ein Jahr zuvor war es von Rupert Murdochs News Corporation gekauft worden. Bekannt wurde es durch die Möglichkeit, Musik einzubinden. Künstler und Bands nutzten die Plattform als Marketingplattform. Zeitweise hatte MySpace mehr als 220 Millionen Nutzer, nach Berechnungen von Google rund 30 Millionen Nutzer (Dezember 2011). Mehr zu MySpace auf der Themenseite...


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