Verlustgeschäft IBM verschenkt Chip-Sparte - und legt 1,5 Milliarden drauf

IBM zahlt lieber drauf, als weiter Verluste zu schreiben: Der US-Konzern verscherbelt seine Halbleitersparte. Der Käufer bekommt sogar noch 1,5 Milliarden Dollar dazu.

IBM-Firmenschild: Trennung vom Chipgeschäft
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IBM-Firmenschild: Trennung vom Chipgeschäft


New York - Der IT-Konzern IBM will seine verlustbringende Halbleitersparte schon seit Monaten veräußern. Doch der Deal ist nicht ganz einfach. Der Chiphersteller Globalfoundries will das IBM-Geschäft zwar übernehmen. Doch dafür muss IBM draufzahlen: 1,5 Milliarden Dollar.

IBM bestätigte am Montag entsprechende Medienberichte. Globalfoundries erhalte in den kommenden drei Jahren 1,5 Milliarden Dollar. Das Unternehmen werde zudem in den kommenden zehn Jahren der exklusive IBM-Lieferant von verschiedenen Chips.

In den Chipfabriken von IBM steht eine teure Modernisierung an, damit Prozessoren neuer Generationen produziert werden können. IBM sei laut Bloomberg ursprünglich bereit gewesen, eine Milliarde Dollar zu bezahlen, um die Sparte loszuwerden. Globalfoundries habe zwei Milliarden gefordert. Nach dem Deal werde Globalfoundries IBM nun zehn Jahre lang mit Chips versorgen und dafür Zugang zu IBM-Technologien bekommen. Rund 5000 IBM-Mitarbeiter sollen zu Globalfoundries wechseln, berichtet die "FT".

Der Chiphersteller Globalfoundries ist in Besitz eines staatlichen Investmentfonds aus Abu Dhabi. Das Unternehmen entstand, als der Chipkonzern AMD im Jahr 2009 beschloss, die Chip-Fertigung abzuspalten. Globalfoundries gilt als zweitgrößter Auftragsfertiger im Chip-Bereich nach TSMC aus Taiwan.

Die Trennung vom Halbleitergeschäft führt zu einer Belastung des Vorsteuerergebnisses bei IBM. Im dritten Quartal fiel der Umsatz um vier Prozent zum Vorjahreszeitraum auf 22,4 Milliarden Dollar. Der Nettogewinn brach von 4 Milliarden auf 18 Millionen Dollar ein. Allerdings ergab sich durch die Abgabe der Sparte kurzfristig ein hoher Sonderaufwand, so dass die Zahlen schwer vergleichbar sind.

bos/dpa/Reuters



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insgesamt 15 Beiträge
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peeka(neu) 20.10.2014
1. Da fehlt das Warum
Vielleicht werden wir ja einmal aufgeklärt, welche Gründe IBM hat, den beschriebenen Weg zu gehen. Irgendwie fehlt im Artikel nämlich die Frage, von welchen Forderungen sich der Konzern hier freikaufen möchte.
frenchcurry 20.10.2014
2. schön
wie Chinesen und Araber sich überall einkaufen. So werden sie ihr grünes Klopapier los und bekommen was "In Echt" dafür. Geschäftssinn muss sich lohnen.
socketuning 20.10.2014
3.
Zitat von peeka(neu)Vielleicht werden wir ja einmal aufgeklärt, welche Gründe IBM hat, den beschriebenen Weg zu gehen. Irgendwie fehlt im Artikel nämlich die Frage, von welchen Forderungen sich der Konzern hier freikaufen möchte.
Die Forderung selbst weiter noch Systeme mit Power Architektur anbieten zu können und ältere Systeme weiter warten und ausbauen zu können. Mainframes müssen auch noch gewartet werden. Davon stehen eine ganze Menge rum und meistens mit sehr langfristigen Wartungsverträgen aus denen sie nicht so einfach raus kommen.
der_rookie 20.10.2014
4. Hm
Vermutlich die üblichen: - Gehaltsforderungen der Mitarbeiter - Zahlungsforderungen der Lieferanten - Lieferverpflichtungen an die Kunden Was wären denn Alternativen? - Weiterbetreiben? Scheint aus IBM Sicht noch teurer, also unattraktiver, zu sein - Geordnet abwickeln? Üblicherwise de facto unmöglich: Da explodieren sofort die Kosten (Lieferanten müssen sich schützen) während gleichzeitig Umsätze sofort einbrechen - Pleite gehen lassen? Vermutlich würde dies zu negativ auf den Rest des Konzerns ausstrahlen
Muhli9 20.10.2014
5. Power-Architektur
Zitat von socketuningDie Forderung selbst weiter noch Systeme mit Power Architektur anbieten zu können und ältere Systeme weiter warten und ausbauen zu können. Mainframes müssen auch noch gewartet werden. Davon stehen eine ganze Menge rum und meistens mit sehr langfristigen Wartungsverträgen aus denen sie nicht so einfach raus kommen.
Aus Verträgen, was Mainframes angeht (das sind wahre cash cows) und vor allem der Power-Architektur wird sich IBM auch nicht zurückziehen wollen. Power ist mit die einzige ernstzunehmende Alternative, vor allem hundermal eleganter, als das, was der Massenmarkt heute sonst so bietet -- obendrein weit performanter. Zudem, legendäre Hersteller wie MIPS (ein Beispiel) haben auch prima beim Auftragsfertiger (u.a. NEC) bauen lassen. Sich seine eigenen Fabs zu halten, um homogen eine Linie zu bauen (was selbst Intel nicht [mehr!] macht), ist kostenintensivst. Der Weg, den IBM da geht, sehe ich ausnahmsweise mal als eine BWLer-seitig zurechnungsfähige Entscheidung. Normalerweise denkt Management ja maximal kurzfristig, und das ist in dieser Entscheidung nicht zu sehen.
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