Probleme bei der Steuerung: Siemens verschiebt ICE-Lieferung an Bahn erneut

Seit mehr als einem Jahr wartet die Bahn auf neue ICE-Züge von Siemens - und wird nun erneut vertröstet. Wegen Problemen bei der Steuerung verschiebt Siemens die Übergabe. Die Bahn wollte die Züge ab Dezember einsetzen und hatte auf das Versprechen von Siemens-Chef Löscher gesetzt.

Montage eines ICE 3 bei Siemens: Erneut Verzögerungen für die Bahn Zur Großansicht
dapd

Montage eines ICE 3 bei Siemens: Erneut Verzögerungen für die Bahn

München - Rechtzeitig zum Fahrplanwechsel am 9. Dezember wollte die Deutsche Bahn ihren Fahrgästen neue Hochgeschwindigkeitszüge präsentieren. Doch die Kunden und der Konzern müssen warten, denn Siemens hat die Auslieferung der ICE 3-Züge (Velaro D) erneut verschoben. "Ursache dafür sind Probleme mit der Zugsteuerung, die in den vergangenen Wochen bei Testfahrten aufgetreten sind", teilte Siemens mit. Die Übergabe der Züge für den Inlandsverkehr verzögere sich über Anfang Dezember hinaus.

Die Bahn hatte schon für Ende 2011 insgesamt 16 Züge bestellt. Wegen erster Lieferverzögerungen verpflichtete sich Siemens im Januar, der Bahn einen ICE-Zug umsonst zu liefern. Im September versicherte Siemens, rechtzeitig zum Start des neuen Winterfahrplans stünden der Bahn zumindest acht voll einsatzfähige Züge zur Verfügung.

Noch im Oktober hatte Bahn-Chef Rüdiger Grube verkündet, er gehe davon aus, dass die acht Züge vom Typ Velaro D bis Ende dieses Jahres auf den Gleisen sind. "Da setze ich auf das Wort von Siemens-Chef Peter Löscher", hatte Grube erklärt. Für die Bahn sind neue Züge enorm wichtig. Der Konzern hat mehr Zuverlässigkeit im Winterbetrieb versprochen, die unter anderem durch eine Reserveflotte gewährleistet werden soll.

Siemens gab sich nun zerknirscht und bedauerte die erneute Verzögerung. "Alle Beteiligten arbeiten mit Nachdruck daran, die aufgetretenen Probleme zu beheben", teilte der Konzern mit. Siemens habe der Bahn drei ICE-Züge für Schulungszwecke und zur Vorbereitung des Betriebseinsatzes zur Verfügung gestellt. Die bestellten Züge würden nach den erforderlichen Abnahmen nach und nach geliefert.

Die erneute Verzögerung dürfte Siemens Chart zeigen Ärger mit der Bahn einbringen. Bahn-Chef Grube hatte öffentlich die Unzuverlässigkeit des Lieferanten kritisiert und erklärt, man könne auch bei Konkurrenten in Asien bestellen. Grube räumte aber auch ein, die Zulassung neuer Züge sei in Deutschland langwierig. Nicht nur Siemens bringt die Bahn mit Verzögerungen in Probleme. Auch auf Regionalzüge vom Typ Talent 2 von Bombardier musste der Konzern lange warten.

mmq/Reuters/dapd

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insgesamt 95 Beiträge
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1. Konzentration auf das Wesentliche
nicolo1782 21.11.2012
war für Siemens das Gebot der Stunde. Und das Wesentlichste war halt den Abschluß eines neuen Vertrages über 700 Loks für Rußland. Merke(l): Mit der Erfüllung eines alten Vertages kann man keinen Aktionär beeindrucken, nur das Neugeschäft zählt (nicht nur bei Versicherungen).
2. wenn die Techniker könnten wie sie wollten
eigutewie 21.11.2012
Es gibt in einer Firma immer welche die Aufträge reinbringen, sich feiern lassen, wahrscheinlich noch eine dicke Erfolgsbeteiligung erhalten, die jeder gerne kennt und dummerweise keine Ahnung davon haben was für eine Arbeit dahinter steckt den Vertrag zu erfüllen. Oftmals haben die ein unwahrscheinliches Talent, sich abzuseilen bevor die Abwicklungsschwierigkeiten zu Tage kommen - und machen an anderer Stelle meist in der gleichen Firma genau den selben Quatsch nochmal. Ich bin dafür mal einen großen lauten Wecker aufzustellen der diesen Misstand deutlich macht und die ganzen Dummschätzer als Fahrbahnkontrolleure in die S-Bahn hieft, den da gehören Sie hin. PUNKT. Aus meiner Sicht ist es ein generelles Problem das in Deutschland die Buchhalter irgendwann die Hoheit erlangt haben - wohlgemerkt weil die Techniker soviel Geld gesammelt hat. Es gibt schlaue Köpfe in Deutschland, nur die werden mehr oder weniger generell nicht gehört. BWLer lasst es einfach sein, die Welt ist komplizierter als es Zahlen ausdrücken können.
3. Gut so
Smith 21.11.2012
Der Wegfall von Abteilen und verringerter Sitzabstand sind nur ein Argument der Gewinnmaximierung. Alles über 185cm kann in den Zügen nicht bequem reisen...
4. Ein Fall für die Regierung
DianaSimon 21.11.2012
Es geht um die Deutsche Bahn und es geht um deutsche Arbeitsplätze. Wenn wir einen richtigen Wirtschaftsminister hätten, einen, der Respekt genießt, dann würde der sich mal mit dem obersten Siemens-Boss unterhalten und sich genau berichten lassen, was falsch gelaufen ist. Und vom Bahnchef sollte er sich berichten lassen, ob die Verträge realisitisch waren mit drastischen Konventionalstrafen und ob er mit Siemens laufend im Gespräch war über den Fortgang des Projekts. Und dann sollte er sehr deutlich machen, daß es noch eine Chance auf Bestellungen bei Siemens gibt, aber nur dann, wenn alle Verantwortlichen ohne Abfindung geschaßt werden. Ansonsten würden die Züge bei zuverlässigen Lieferanten bestellt. Klar hat der Minister formal nicht die Befugnis. aber die Bahn gehört dem Bund und ist für die Bevölkerung notwendig. Und wer Respekt genießt und eine klare Linie fährt und auf Großaufträge zumindest informell Einfluß nehmen kann, den wird auch ein Konzernchef ernst nehmen müssen.
5. Bahn
ASDFZUIOP 21.11.2012
Mit Grauen erinnere ich mich an meine letzte Bahnfahrt in der Weihnachtszeit. Züge an bestimmten "Nadelöhr"-Strecken teilweise so voll, dass Passagiere draußen bleiben mussten. Reservierung war sinnlos, da es im Gedränge gar nicht möglich war, zum reservierten Platz vorzudringen. Beim Schnäppchenpreis von 29,90 wollte ich mich zwar nicht beschweren, aber es gibt sicher Passagiere, die für die gleiche Strecke wesentlich mehr bezahlt haben für so eine Leistung unter aller.... War jedoch nicht im ICE-Bereich. Die Lieferverzögerung durch Siemens wird bestimmt dieses Jahr die Ausrede der Bahn sein, wenn es mal wieder zum Chaos kommt.
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Der Konzern
dpa
Mit einem Umsatz von 39,3 Milliarden Euro und weltweit 285.000 Mitarbeitern ist die Deutsche Bahn einer der größten Konzerne des Landes. 2012 machte die Bahn einen Gewinn von 1,5 Milliarden Euro. Jedes Jahr transportiert die Bahn weltweit fast zwei Milliarden Reisende im Fern- und Nahverkehr.
Die Geschäftsfelder
Die Deutsche Bahn bietet neben dem Personenverkehr auch andere Transport- und Logistikdienstleistungen (DB Schenker) an. Gut ein Drittel des Umsatzes erzielt das Unternehmen mit dem Fern- und Nahverkehr und dem Betrieb von Bussen im Stadtverkehr. Der Bereich DB Schenker, in dem unter anderem der Schiengüterverkehr gebündelt ist, trägt rund die Hälfte zum Gesamtumsatz bei.
Der Chef
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Rüdiger Grube ist seit Mai 2009 Chef der Deutschen Bahn. Der Top-Manager hat sich von der Hauptschule über eine Berufsausbildung und ein Studium bis an die Spitze des Logistikkonzerns hochgearbeitet. Vor seinem Wechsel zum Staatsunternehmen war er im Vorstand des Autobauers Daimler für die Konzernentwicklung zuständig. Davor arbeitete Grube mehrere Jahre bei der Daimler-Benz Aerospace (DASA), die später im Luft- und Raumfahrtkonzern EADS aufging.

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