Konjunktur Ifo-Geschäftsklima steigt auf Rekordhoch

Die deutsche Wirtschaft boomt. Die Führungskräfte deutscher Unternehmen beurteilen die aktuelle Geschäftssituation und die Aussichten so gut wie noch nie - der Geschäftsklima-Index steigt auf ein neues Hoch.

Gerüstbauer (in Hamburg)
DPA

Gerüstbauer (in Hamburg)


Die Stimmung in den Chefetagen deutscher Unternehmen ist im Juli erneut auf einen Rekordwert gestiegen. Der Geschäftsklimaindex kletterte auf 116,0 Punkte, nachdem er im Juni bei 115,2 Zählern gelegen hatte, wie das Münchner Ifo-Institut mitteilte. Volkswirte hatten dagegen mit einem leichten Rückgang gerechnet.

Das Institut sprach von einer "euphorischen" Stimmung in den deutschen Chefetagen. "Die deutsche Wirtschaft steht unter Volldampf", sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Das Ifo-Institut befragt jeden Monat 7000 Führungskräfte deutscher Unternehmen nach der aktuellen Geschäftslage und den Aussichten für die kommenden sechs Monate.

Die Unternehmen waren besonders zufrieden mit ihrer aktuellen Lage - der entsprechende Index stieg von 124,2 Punkten im Vormonat auf 125,4 im Juli. Auch die Erwartungen an das Geschäft der kommenden Monate verbesserte sich von 106,8 auf 107,3 Punkte. Im Bauhauptgewerbe ist der Index auf ein neues Rekordniveau gestiegen.

Entwicklung des Geschäftsklimas

Der Euro legte nach den Daten zu und auch der Aktienindex Dax weitete seine Gewinne aus. Bankenvolkswirte zeigten sich überrascht. So sagte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank: "In den deutschen Unternehmen herrscht ausgelassene Partystimmung. Die Unternehmen blicken optimistischer denn je in die Zukunft." Gitzel warnte allerdings vor einem Einbruch: "Die Nachrichtenlage hat sich in den vergangenen Tagen deutlich verändert. Vermutlich könnte es im kommenden Monat zu einem stärkeren Rückgang des Ifo-Geschäftsklimaindex kommen."

So hätten die Kartellermittlungen gegen die deutsche Autoindustrie das Potenzial, die Stimmung in der gesamten deutschen Industrie zu wenden. Denn wenn die Hersteller sparen, sind davon auch die Zuliefererbetriebe und in der Folge die kleineren Mittelständler betroffen.

Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der staatlichen KfW-Bankengruppe sieht die Stimmung in den harten Daten wie der Industrieproduktion widergespiegelt. "Deutschland profitiert dabei nicht zuletzt von der wirtschaftlichen Aufhellung bei unseren europäischen Partnern." Skepsis äußerte LBBW-Chefvolkswirt Uwe Burkert: "So langsam fragt man sich, ob der Ifo-Index die tatsächliche Konjunkturlage noch so exakt widerspiegelt wie in der Vergangenheit."

nck/Reuters

insgesamt 5 Beiträge
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klyton68 25.07.2017
1. War nicht gestern noch zu lesen
Wirtschaft in D wächst langsam er? Heute hüh, morgen hott. Das fällt öfter auf. Vielleicht mal die Frequenz erhöhen? Statt 24 h Takt, vielleicht nun alle 2 h sich widersprechende Nachrichten.
Thomas Schröter 25.07.2017
2. staatliche Interventionen vor der Wahl.
nachdem Merkel so ziemlich alles vergeigt hat bleibt nur die Wirtschaft ein wenig mit den über Jahrzehnte verschleppten Infrastrukturinvestitionen aufzupumpen und die seit Jahren fälligen Sanktionen gegen die Autoindustrie zu verzögern. Bis zur Wahl sollte das reichen.
joomee 25.07.2017
3. Medienkompetenz
Zitat von klyton68Wirtschaft in D wächst langsam er? Heute hüh, morgen hott. Das fällt öfter auf. Vielleicht mal die Frequenz erhöhen? Statt 24 h Takt, vielleicht nun alle 2 h sich widersprechende Nachrichten.
Also ein bisschen Medienkompetenz kann und sollte man den Lesern in der heutigen Zeit schon zutrauen können. Gestern wurde die Prognose vom IWF für das weltweite Wachstum vorhergesagt. Demnach soll Deutschland etwas langsamer wachsen als die Eurozone insgesamt. Heute wird der Ifo Geschäftsklima-Index veröffentlicht. Dabei werden deutsche Führungskräfte befragt, wie sie die aktuelle Situation und mittleren Aussichten einschätzen. Das sind zwei komplett voneinander unabhängigen Institute, Untersuchungen und Ansätze (die sich zudem noch irren können). Und SPON berichtet darüber wie es sich gehört. Was hat das mit hüh und hott zu tun und was wollen Sie denn unterstellen mit Ihrem "Das fällt öfter auf"? Mir fällt öfter auf, dass manche Leute zwar lesen können, die Zusammenhänge aber nicht verstehen und deshalb gleich wieder Verschwörungen und Schiebung vermuten...
hansriedl 25.07.2017
4. Die Kunst des unfairen Deals
Was der Freihandel Afrika brachte sieht man an den Flüchtlingszahlen, die nur in der EU ihr Recht "Asyl" einfordern. Die EU hat aufgrund der politischen Krise nach den Wahlen 2015 die Entwicklungshilfe in Burundi eingestellt. Das Land hat deshalb kein Interesse, der EU entgegenzukommen. Sorge vor der Konkurrenz Sie sollen in Zukunft zollfrei ihre Waren in die EU exportieren können: Lebensmittel wie Fisch oder Mango oder Rohstoffe wie Öl, Mineralien oder Baumwolle. Dies soll die Wirtschaft fördern und Jobs schaffen, um langfristig auch die Fluchtursachen zu bekämpfen, warum Afrikaner nach Europa migrieren, so die hehre Idee. Umgekehrt haben die Entwicklungsländer das Recht, ihre Märkte für EU-Produkte nur schrittweise zu öffnen, um die heimische Produktion nicht zu gefährden. Wie soll ein Entwicklungsland, das die Standards der EU nicht erreicht, jemals ein gleichberechtigter Handelspartner der EU werden? Merkels Liberalisierungs Wahn wird uns noch viel Freude bereiten, was Flüchtlinge anbelangt.
Andreas1979 25.07.2017
5. Da sieht man, dass nicht alles Gold ist was glänzt.
Wir haben die höchste Auftragslage seid Ewigkeiten. Trotzdem noch 2,4 Millionen Arbeitslose, bzw. 3,4 Millionen Erwerbslose und Millionen in der Arbeitnehmerüberlassung. Na da fragt man sich, wie es sein wird, wenn sich alles normalisiert?
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