Sinkender Ifo-Index "Die deutsche Wirtschaft nimmt Tempo raus"

Die Hochstimmung in den deutschen Firmen scheint zu Ende zu gehen. Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist zum fünften Mal in Folge rückläufig. Die befragten Manager blicken skeptischer auf die kommenden Monate.

DPA


Die Stimmung bei den deutschen Unternehmen hat sich im April erneut eingetrübt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex fiel auf 102,1 Punkte. "Die deutsche Wirtschaft nimmt Tempo raus", sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Die befragten Manager beurteilten ihre Geschäftslage und auch die Aussichten für die kommenden sechs Monate weniger optimistisch als zuletzt.

Die aktuellen Indexwerte weichen wegen einer Überarbeitung der Umfrage stark von den Werten ab, die in den Monaten zuvor gemeldet worden waren. Nach der alten Berechnungsmethode hatte der Indexwert für März noch deutlich höher bei 114,7 Punkten gelegen. Nach der neuen Berechnung waren es im März 103,3 Punkte. Im April gab es den fünften Rückgang in Folge. Trotz des erneuten Rücksetzers bleibt das Ifo-Geschäftsklima aber weiter auf einem vergleichsweise hohen Niveau.

"Das Ifo-Geschäftsklima befindet sich formal auf einem Abwärtstrend, doch damit ist weder klar, wie lange dieser anhält noch wie tief es bergab geht", sagte der Ökonom Andreas Scheuerle von der Dekabank. "Zwar ging jeder Rezession ein Abwärtstrend des Ifo-Geschäftsklimas voraus, aber nicht jeder Abwärtstrend endete in einer Rezession." Viele Ökonomen erwarten eine leichte Abkühlung des zuletzt kräftigen Aufschwungs.

Der Ifo-Index gilt als der wichtigste Frühindikator der deutschen Wirtschaft. Er wird monatlich durch die Befragung von rund 9000 Managern ermittelt. In der Vergangenheit ließ sich die künftige Entwicklung der deutschen Wirtschaft mit dem Index relativ zuverlässig prognostizieren.

Neue Berechnung soll genauere Ergebnisse bringen

Im Zuge der Neuberechnung umfasst der Frühindikator für Europas größte Volkswirtschaft nun neben dem verarbeitenden Gewerbe, Handel und Bauwirtschaft auch den Dienstleistungssektor. Als Vergleichsjahr wird zudem 2015 statt wie bisher 2005 zugrunde gelegt. Ferner werden die Antworten der befragten Unternehmen anders zusammengerechnet. Die Änderungen sollen genauere Ergebnisse ergeben. Laut Fachleuten führen sie auch dazu, dass der Indikator weniger schwanken wird. An seiner Prognosekraft dürfte sich dagegen nicht besonders viel ändern.

Durch die neue Berechnung fällt der Index vom Zahlenwert her deutlich niedriger aus als bisher. Durch die Überarbeitung änderte sich auch das Rekordhoch beim Ifo-Geschäftsklima, das im November erreicht worden war. Nach den überarbeiteten Daten liegt das Hoch bei 105,1 Punkten und nicht wie zuvor gemeldet bei über 117 Punkten.

mmq/Reuters/dpa-AFX



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Seite 1
willibaldus 24.04.2018
1.
Vielleicht eine Reaktion auf den gefallenen Dollar. Ob das wirklich zu einer Abkühlung führt? Noch ist es die Binnennachfrage, die den Aufschwung trägt. Wenn der Export schwächelt und Arbeitsplätze verlorengehen, dann dreht sich die Situation, aber davon ist noch nichts zu bemerken.
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