München - Ein erneuter Einbruch beim Ifo-Geschäftsklimaindex war erwartet worden, allerdings nicht so deutlich: Das wichtigste Konjunkturbarometer der deutschen Wirtschaft ist im April zum zweiten Mal in Folge gesunken - von 106,7 auf 104,4 Punkte. Das teilte das Münchner Ifo-Institut am Mittwoch mit.
Damit hat sich die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft überraschend deutlich abgekühlt. Fachleute hatten angesichts des Ärgers rund um die Rettung von Zypern, der Regierungskrise in Italien und weiterer ungelöster Probleme in der Euro-Zone mit einem leichten Rückgang bei dem wichtigsten Stimmungsbarometer der deutschen Wirtschaft gerechnet. "Die deutsche Konjunktur legt eine Verschnaufpause ein", sagte Ifo-Chefvolkswirt Kai Carstensen.
Die rund 7000 befragten Manager bewerteten die Aussichten für die kommenden sechs Monate schlechter: Das Barometer sank auf 101,6 Punkte von 103,6 Zählern. Die Lage wurde ebenfalls deutlich schlechter bewertet. Dieser Teil-Index sank auf 107,2 Punkte von 109,9 Zählern.
Im März war der Index überraschend gefallen, nachdem er seit November unablässig gestiegen war. Erst bei drei Veränderungen in die gleiche Richtung nacheinander sprechen Fachleute von einer Trendwende. Noch hält sich der Ifo-Index auf einem vergleichsweise hohen Niveau.
"Der Rückgang ist überraschend deutlich", sagte Ulrike Rondorf von der Commerzbank. "Es besteht das Risiko, dass das Wachstum geringer ausfällt als zuletzt erwartet. Viele Probleme im Euro-Raum sind nach wie vor ungelöst, Reformen stehen noch aus. Zudem kommen weltweit schwächere Wachstumsimpulse."
Senkt die EZB den Leitzins?
Mit der getrübten Stimmung in den Chefetagen kommt rund eine Woche vor der nächsten Zinssetzung der Europäischen Zentralbank (EZB) eine weitere schlechte Nachricht aus Deutschland: Bereits zuvor hatte eine Umfrage unter Einkaufsmanagern ergeben, dass die deutsche Konjunktur zum Start des zweiten Quartals überraschend an Fahrt verloren hat. Der Schwächeanfall könnte den Währungshütern in Frankfurt weitere Argumente liefern, den Leitzins um 25 Basispunkte auf 0,5 Prozent zu senken und damit die Rezession in vielen Euro-Ländern noch stärker anzugehen.
Das Ifo-Institut rechnet jedoch nicht damit, dass die Zinsen sinken werden: Das hätte keine größeren Effekte für die deutsche Wirtschaft, und auch für die anderen Euro-Länder wären sie nur marginal, hieß es.
yes/Reuters/dpa
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte | RSS |
| alles zum Thema Ifo-Index | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH