Ifo-Index Stimmung in der deutschen Wirtschaft leicht eingetrübt

Der Konjunkturindex des Ifo-Instituts ist im Juli erneut gefallen, aber nicht so stark, wie erwartet. Dafür bewerten deutsche Unternehmen die aktuelle Lage besser als noch im Vormonat.

Bau eines Einfamilienhauses (Archiv)
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Bau eines Einfamilienhauses (Archiv)


Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft ist im Juli nicht so schlecht wie erwartet. Der Ifo-Geschäftsklimaindex nahm leicht von 101,8 Punkten auf 101,7 Punkte ab, teilte das Münchner Wirtschaftsforschungsinstitut mit. Analysten hatten im Schnitt mit einem etwas stärkeren Rückgang auf 101,5 Punkte gerechnet.

Demnach bewerten die befragten Unternehmer ihre aktuelle Lage etwas optimistischer als im Juni. Dafür zeigten sie sich aber pessimistischer zur Entwicklung ihrer Geschäfte im kommenden Halbjahr. Das Ifo-Geschäftsklima gilt als der wichtigste Frühindikator für die deutsche Wirtschaft.

"Die deutsche Wirtschaft setzt ihre Expansion in verlangsamter Gangart fort", sagte Ifo -Präsident Clemens Fuest. Viele Experten gehen davon aus, dass der Aufschwung in Deutschland seinen Höhepunkt bereits hinter sich hat. Deshalb haben viele Volkswirte und Forschungsinstitute zuletzt ihre Konjunkturprognosen für Deutschland gesenkt und dies vor allem mit der Unsicherheit durch den Handelskonflikt mit den USA begründet.

Boom im Baugewerbe

Im Verarbeitenden Gewerbe ging der Index aufgrund verschlechterter Lageeinschätzungen zum sechsten Mal in Folge zurück. Im Dienstleistungssektor hat sich das Geschäftsklima dagegen verbessert. Ein neuer Rekordwert wurde dagegen im Bauhauptgewerbe verzeichnet. Fuest spricht hier von einem "Boom". Deutlich verschlechtert haben sich dagegen die Erwartungen im Einzelhandel.

Fachleute reagierten positiv auf den unerwartet geringen Rückgang des Indexes. "Der Abschwung ist abgesagt", sagte Chefökonom Uwe Burkert von der Landesbank LBBW. "Die Chancen für ein wieder kräftigeres Wachstum im zweiten Halbjahr stehen gut, auch wenn es mit dem Handelsstreit zwischen den USA und dem 'Rest der Welt' sowie dem näher rückenden Brexit zwei gewichtige Risiken gibt."

US-Präsident Donald Trump hat den Zollstreit angezettelt, weil er sich an den riesigen Defiziten seines Landes im Handel mit China und der Europäischen Union stört. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker will noch am Abend in Washington mit Trump über das Thema reden, hat aber wohl keine konkreten Verhandlungsangebote im Gepäck. Vielmehr geht es darum, die Situation zu entspannen. Allerdings dürfte Juncker auch bemüht sein, die Amerikaner von den angedrohten höheren Zöllen auf Autos aus der EU abzubringen.

Entwicklung des Geschäftsklimas

Hinweis: Seit April 2018 gilt ein neues Grundniveau beim ifo-Index, das ifo Geschäftsklima Deutschland löst den bisherigen Index für die Gewerbliche Wirtschaft ab. Die wichtigste Änderung: Neben dem Verarbeitenden Gewerbe, dem Bauhauptgewerbe und den beiden Handelsstufen ist nun auch der Dienstleistungssektor integriert.
In unserer Grafik sehen Sie die die an das neue Grundniveau angepassten Werte umgerechnet bis zurück zum Dezember 2016 und die alten, vorigen Werte zunächst weiterhin zum Vergleich in einem zweiten Graphen.

brt/Reuters/AFP/dpa-AFX

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