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Ifo-Index: Deutsche Firmen fürchten den Ölpreisschock

Turbinenherstellung: Maschinenbauer fürchten sinkende Nachfrage aus dem Ausland Zur Großansicht
DPA

Turbinenherstellung: Maschinenbauer fürchten sinkende Nachfrage aus dem Ausland

Die Sorge um die wirtschaftliche Stabilität der Schwellenländer treibt die deutschen Unternehmen um. Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist im Januar überraschend deutlich gefallen. Die Firmen sehen pessimistischer auf die kommenden Monate.

Die Stimmung in den deutschen Unternehmen hat sich im Januar deutlich verschlechtert. Der Ifo-Geschäftsklimaindex fiel im Vergleich zum Vormonat um 1,3 Punkte auf 107,3 Zähler, wie das Münchner Wirtschaftsforschungsinstitut mitteilte. Das ist der tiefste Stand seit Februar 2015. Experten hatten nicht mit einem so starken Rückgang gerechnet. Die Geschäftslage verschlechterte sich nur leicht, die Aussichten für das kommende halbe Jahr trübten sich dagegen deutlich ein.

"Die deutsche Wirtschaft blickt erschrocken ins neue Jahr", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Im verarbeitenden Gewerbe, im Dienstleistungssektor und im Baugewerbe verschlechterte sich das Geschäftsklima. Im Großhandel verbesserte es sich dagegen, im Einzelhandel blieb die Stimmung nahezu unverändert.

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Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe machte den niedrigen Ölpreis für den Pessimismus der Unternehmen verantwortlich. "Wir haben eine schizophrene Situation", sagte Wohlrabe. "Die dunkle Seite des niedrigen Ölpreises ist, dass viele Abnehmerländer auf wackligen Beinen stehen", sagte er mit Blick auf die Importeure deutscher Waren. Dieser negative Effekt vor allem für die Exporteure lasse die für Deutschland positiven Seiten des billigen Öls in den Hintergrund rücken. "Deutschland kann sich nicht vollends von der Abwärtsdynamik der Schwellenländer abkoppeln", sagte Wohlrabe.

Analysten sehen trotz des gesunkenen Ifo-Index keinen Grund zur Panik. "Der Rückgang war lange überfällig, auch in der Größenordnung", sagte Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe. "Aber wir sollten daraus keine Sorgen um einen Absturz der deutschen Wirtschaft ableiten. Der Rückenwind von der Industrie für das Bruttoinlandsprodukt wird in den nächsten Monaten relativ gering bleiben." Das deutsche Wachstum werde bis auf Weiteres vor allem von der Kauflaune der Verbraucher getrieben.

Bundesbank sieht positive Folgen des Ölpreis-Absturzes

Mit Blick auf den Konsum sieht die Bundesbank den anhaltenden Ölpreis-Verfall sogar eher als Chance für die deutsche Wirtschaft. Sie verwies in ihrem Monatsbericht darauf, dass die Verbraucher durch niedrigere Tank- und Heizkosten mehr Geld für den Konsum in der Tasche haben. Die gestärkte Kaufkraft bedeute Rückenwind für die Binnenwirtschaft.

Die Volkswirte der Bundesbank schätzen auch die Aussichten für die Firmen weit optimistischer ein als die Unternehmen selbst. Die Auftragseingänge vom Jahresende signalisierten, dass die Industriekonjunktur bald anziehen dürfte. "Damit bestehen zum Jahresanfang Chancen für ein wieder stärkeres Wachstum der Wirtschaftsleistung", heißt es im Bundesbank-Bericht.

mmq/dpa/Reuters

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insgesamt 16 Beiträge
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1. Ich verstehe das Geschrei um den Ölpreis nicht mehr
Schiläufer 25.01.2016
Niedriger Ölpreis: Schlecht für Wirtschaft Hoher Ölpreis: auch schlecht für Wirtschaft Daraus schließe ich: egal wie der Ölpreis ist: alles ist schlecht. Vielleicht kann einer mal erklären, wann das gut ist!
2. Schlecht
taylor26 25.01.2016
Ist wohl alles schlecht für die wirtschaft schätze ich, oder ist es so das der kapitalismus sich selber auffrisst?
3. Schwankungen im Promillebereich
tchantchès 25.01.2016
Überraschend deutlich gefallen, soso. Um 0,7 Prozent. Ein "Stimmungsindex", der sich mit einer Genauigkeit im Promillebereich ermitteln lässt... Alle Achtung!
4. Permanent die freie Marktwirtschaft
Baal 25.01.2016
als Nonplusultra darstellen und dann rumjammern. Kann ich echt nicht mehr hören!
5. Beides richtig
bansky 25.01.2016
Zitat von SchiläuferNiedriger Ölpreis: Schlecht für Wirtschaft Hoher Ölpreis: auch schlecht für Wirtschaft Daraus schließe ich: egal wie der Ölpreis ist: alles ist schlecht. Vielleicht kann einer mal erklären, wann das gut ist!
Das kommt immer auf den Standpunkt an. Je nachdem, welchen Aspekt wir betrachten, stimmt beides. Wenn Abnehmerländer, die ihre Einnahmen zu 50%+ aus Erdöl beziehen, die Exporte aus Deutschland nicht zahlen können, dann ist das schlecht. Wenn die Industrie hierzulande aufgrund des niedrigen Ölpreises günstig produziert, ist das gut. Allgemein gesagt ist Öl als endliche Ressource im Augenblick viel zu günstig...der Preis ist politisch bestimmt, nicht wirtschaftlich.
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Der Ifo-Index
Das Ifo-Institut bittet monatlich rund 7000 Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes, des Bauhauptgewerbes, des Großhandels und des Einzelhandels, ihre gegenwärtige Geschäftslage zu beurteilen und ihre Erwartungen für die kommenden sechs Monate mitzuteilen. Die Unternehmen können ihre Lage mit "gut", "befriedigend" oder "schlecht" und ihre Geschäftserwartungen für die kommenden sechs Monate als "günstiger", "gleichbleibend" oder "ungünstiger" kennzeichnen.

Der Saldowert der gegenwärtigen Geschäftslage ist die Differenz der Prozentanteile der Antworten "gut" und "schlecht", der Saldowert der Erwartungen ist die Differenz der Prozentanteile der Antworten "günstiger" und "ungünstiger".

Das Geschäftsklima errechnet sich aus dem Mittelwert der Umfrageergebnisse zur Geschäftslage und zu den Erwartungen. Zur Berechnung der Indexwerte werden diese transformierten Salden jeweils auf den Durchschnitt des Jahres 2000 bezogen.


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