Metall- und Elektroindustrie Arbeitgeber klagen gegen Tages-Warnstreiks

Mehr als 80 Betrieben mit rund 68.000 Beschäftigten hat die IG Metall mit ihrem Warnstreik über 24 Stunden lahmgelegt. Viele Arbeitgeber wollen sich das nicht bieten lassen und ziehen vor Gericht.

IG-Metall-Logo vor der MV-Werft (Archivbild)
DPA

IG-Metall-Logo vor der MV-Werft (Archivbild)


Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie gehen juristisch gegen die ersten 24-Stunden-Warnstreiks in der Geschichte der Branche vor. Eine Reihe regionaler Arbeitgeberverbände reichten am Mittwoch Klagen ein, um die Arbeitsniederlegungen abzuwenden.

Südwestmetall schaltete das Arbeitsgericht Stuttgart ein, Bayern wandte sich an die Münchner Justiz und auch die Arbeitgeber in Berlin, Brandenburg und Sachsen sowie im Saarland zogen vor Gericht. IG-Metall-Chef Jörg Hofmann warf den Arbeitgebern vor, mit den Klagen "Öl ins Feuer zu gießen". Die Gewerkschaft lasse sich davon "nicht abschrecken".

Die Fronten im Tarifstreit sind verhärtet, Knackpunkt ist vor allem die Gewerkschaftsforderung nach einem Teillohnausgleich für bestimmte Beschäftigte. Am Samstag war ein erneuter Versuch der Einigung gescheitert, daraufhinrief die IG Metall zu 24-Stunden-Warnstreiks auf.

"Für eine derartige Eskalation habe ich kein Verständnis", sagte der Hauptgeschäftsführer des Metall-Verbands in NRW, Luitwin Mallmann. Die Streiks seien "scheinbar von langer Hand vorbereitet" gewesen, warf er der Gewerkschaft vor. Mit dem Lohnausgleich würden Mitarbeiter für gleiche Arbeitsleistung unterschiedlich vergütet, und das sei eine "im Kern rechtswidrige Forderung, für die nicht gestreikt werden darf".

Südwestmetall machte die IG Metall für die Eskalation verantwortlich. Eine Ausweitung auf Ganztagesstreiks sei "unverhältnismäßig und verantwortungslos", sagte Hauptgeschäftsführer Peer-Michael Dick. Die Arbeitgeber fordern mit ihren Klagen, dass die Justiz den Arbeitskampf als rechtswidrig einstuft. Außerdem wollen sie eine Unterlassung der Streiks und Schadenersatz für den Ausfall der Produktion.

"Angriff auf die Grundrechte aller Beschäftigten"

Zugleich signalisierten die Arbeitgeber aber auch weiterhin Gesprächsbereitschaft, Gesamtmetallpräsident Rainer Dulger hofft auf eine Einigung: "Unser Einigungswille ist nach wie vor gegeben, und wir werden auch so schnell wie möglich wieder an den Verhandlungstisch zurückkehren", sagte Dulger im Bayerischen Rundfunk. Auch er warf der IG Metall vor, der "Wille" zum Streik sei größer gewesen als der zur "Einigung".

IG-Metall-Chef Hofmann zeigte sich gelassen. "Die Rechtmäßigkeit unserer Forderung ist zweifellos gegeben", sagte er. Sollten die Arbeitgeber trotzdem das Streikrecht in Frage stellen, betrachte die Gewerkschaft dies als "Angriff auf die Grundrechte aller Beschäftigten in Deutschland".

Die IG Metall zog eine zufriedene Bilanz der ersten Streiks. Die Produktion habe bundesweit in mehr als 80 Betrieben mit rund 68.000 Beschäftigten still gestanden, erklärte die Gewerkschaft. Die ganztägigen Arbeitsniederlegungen sollen in den kommenden Tagen fortgesetzt werden. Außerdem könnten schon in der kommenden Woche Urabstimmungen zu flächendeckenden Streiks folgen.

dab/AFP



insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
aktiverbeobachter 31.01.2018
1. Befremdlich
Da fordern die Streikenden also von dem AG dem sie gerade massivem Schaden zugefügt haben eine im Gegenzug um 6 Prozentige Gehaltserhöhung. Diese Logik ist mir fremd. Dieses Verhalten entspricht nicht meinen ethischen Vorstellungen. Diese ewige Geschrei der IG Metall nach einem Arbeitskampf ist wirklich nicht mehr zeitgemäß und wird dieses mal leider entsprechende Schäden nach sich ziehen, die dann alle Arbeitnehmer/innen zu zahlen haben. Ich hoffe nur die Gewerkschaft kommt noch rechtzeitig zur Vernunft, bevor es zu spät ist und kehrt zu zielführenden Gesprächen über die Erhöhung der Entgelte an den Verhandlungstisch zurück. Sonst könnte es spätestens mittelfristig ernsthaft bedrohlich für alle Angestellten/innen werden.
Stäffelesrutscher 31.01.2018
2.
Da gehen also die Unternehmer gerichtlich gegen die vor, die ihren Reichtum erarbeiten. Diese Logik ist wiederum mir fremd. Würden die Arbeit»nehmer« (also diejenigen, die sich das Produkt der Arbeit der Beschäftigten aneignen) denen, die ihre Arbeitskraft geben, freiwillig den höheren Lohn zahlen und den Freizeitausgleich gewähren, bräuchte niemand zu streiken.
Mach999 31.01.2018
3.
Zitat von aktiverbeobachterDa fordern die Streikenden also von dem AG dem sie gerade massivem Schaden zugefügt haben eine im Gegenzug um 6 Prozentige Gehaltserhöhung. Diese Logik ist mir fremd. Dieses Verhalten entspricht nicht meinen ethischen Vorstellungen. Diese ewige Geschrei der IG Metall nach einem Arbeitskampf ist wirklich nicht mehr zeitgemäß und wird dieses mal leider entsprechende Schäden nach sich ziehen, die dann alle Arbeitnehmer/innen zu zahlen haben. Ich hoffe nur die Gewerkschaft kommt noch rechtzeitig zur Vernunft, bevor es zu spät ist und kehrt zu zielführenden Gesprächen über die Erhöhung der Entgelte an den Verhandlungstisch zurück. Sonst könnte es spätestens mittelfristig ernsthaft bedrohlich für alle Angestellten/innen werden.
Der Arbeitgeber muss für die Dauer des Streiks die Streikenden nicht bezahlen. Keine Leistung, keine Bezahlung. Wo ist denn dann der Schaden für den Arbeitgeber? Entgangener Gewinn? Wenn ein Schaden entstehen sollte, zeigt das doch nur, dass die Arbeitskraft der Streikenden einiges mehr wert ist, als die Arbeitgeber bezahlen. Also scheint die Forderung nach mehr Lohn berechtigt zu sein. Die Arbeitgeber werden im übrigen ja nicht dazu gezwungen, auf die Forderung der Arbeitnehmer einzugehen. Sie können ja auch andere Arbeitskräfte einstellen, wenn jemand streikt. Es gibt keine? Hm, dumme Sache. Angebot und Nachfrage regulieren den Preis, und wenn nicht genügend Arbeitskräfteangebot existiert, muss eben der Preis hoch. Nennt man Marktwirtschaft. Falls Sie sich Sozialismus und Arbeitspflicht wünschen, nennen Sie es bitte auch so. Sie malen hier im übrigen den Teufel an die Wand. Die deutschen Gewerkschaften gehen sehr verantwortungsvoll mit dem Streikrecht um. Vergleichen Sie das mal mit anderen Ländern.
Rainer Heidelberg 31.01.2018
4. ich hoffe sie wissen was sie tun
unsere Industrie steht im globalen Wettbewerb. Die Mitarbeiter der Konkurrenz verdienen nur einen Bruchteil dessen was unsere deutschen Kollegen verdienen. Sozialleistungen gibt es woanders oft gar nicht. Die Mitarbeiter, die sich an den Streiks beteiligen, sollten sich schämen und stolz sein auf das, was in unserer Gesellschaft erreicht wurde. Soziale Sicherheit ist nur ein Beispiel dessen. Ein ausgewogenes Miteinander ist angesagt und nicht die veraltete Konfrontation. Wir leben nicht mehr im Beginnenden 20. Jahrhundert. Besinnt Euch mal Gewerkschaftler!
klauspeterstuder 01.02.2018
5. Weltfremd
Zitat von aktiverbeobachterDa fordern die Streikenden also von dem AG dem sie gerade massivem Schaden zugefügt haben eine im Gegenzug um 6 Prozentige Gehaltserhöhung. Diese Logik ist mir fremd. Dieses Verhalten entspricht nicht meinen ethischen Vorstellungen. Diese ewige Geschrei der IG Metall nach einem Arbeitskampf ist wirklich nicht mehr zeitgemäß und wird dieses mal leider entsprechende Schäden nach sich ziehen, die dann alle Arbeitnehmer/innen zu zahlen haben. Ich hoffe nur die Gewerkschaft kommt noch rechtzeitig zur Vernunft, bevor es zu spät ist und kehrt zu zielführenden Gesprächen über die Erhöhung der Entgelte an den Verhandlungstisch zurück. Sonst könnte es spätestens mittelfristig ernsthaft bedrohlich für alle Angestellten/innen werden.
Streiks sind ein Grundrecht der Arbeitnehmer. Wie sollten sie sonst ihre Forderungen durchsetzen. Wenn die Arbeitnehmer auf den guten Willen der Arbeitgeber angewiesen wären, dann würden die meisten Arbeiter in diesem Staat hungern. Zeitgemäß ist es nicht, dass die Arbeitgeber eine vernünftige Erhöhung ablehnen. 2% Erhöhung ist eine Frechheit. Die Wirtschaft brummt. Die Gewinne und Vermögen steigen seit Jahrzehnten während der Reallohn stagniert. Die Arbeitgeber lehnen es ab ihre Angebote zu erhöhen. Eine andere Möglichkeit als zu streiken gibt es nicht. Wer 3% Erhöhung anstrebt der muss 6% fordern, sonst bekommt er nur 1,5%. Der Erfolg unserer Wirtschaft ist vor allem dem Fleiß und dem Können der Arbeitnehmer zu verdanken. Das alles zeigt, dass das Gerede vom Facharbeitermangel nur Lügerei ist. Sollen die Facharbeiter für ein Handgeld arbeiten? Selbst die sonst so Arbeitgeber freundlichen Wirtschaftsforscher fordern eine deutliche Erhöhung um das Ungleichgewicht zu reduzieren
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