Tarifkonflikt: IG Metall droht mit unbefristeten Streiks
Der Tarifkonflikt in der Metall- und Elektroindustrie eskaliert: Schon in der kommenden Woche werden die ersten Beschäftigten die Arbeit niederlegen. IG-Metall-Chef Huber schließt selbst unbefristete Streiks nicht aus. Besonders hart könnte es die Autoindustrie treffen.
Berlin - Am Samstag endet die Friedenspflicht, und direkt nach dem Tag der Arbeit am 1. Mai könnten die ersten Warnstreiks in der Metall- und Elektroindustrie beginnen. "Ich gehe fest von Warnstreiks Anfang des nächsten Monats aus", sagte IG-Metall-Chef Berthold Huber. Auch unbefristete Streiks schloss er nicht aus. Die Gewerkschaft fordert 6,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt, die Arbeitgeber haben bisher nur 3 Prozent angeboten.
Die IG Metall werde nur einen Tarifvertrag eingehen, sagte Huber, "der bei der Lohnzahl fair ist". Das Arbeitgeberangebot, die Einkommen bei einer Laufzeit des Tarifvertrags von 14 Monaten zu erhöhen, bedeute real nur 2,57 Prozent mehr. Dem werde die Gewerkschaft keinesfalls zustimmen. Huber zeigte sich pessimistisch, in den kommenden dreieinhalb Wochen noch eine Verhandlungslösung erreichen zu können. "Die Arbeitgeber scheinen sich eingemauert zu haben."
Streiks treffen Porsche und Daimler
Besonders hart könnte der Arbeitskampf die Autohersteller treffen, deren Geschäfte derzeit besonders gut laufen. So hat Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück die ersten Arbeitsniederlegungen angekündigt: "Am 2. Mai wird es mit massiven Warnstreiks in der Automobilindustrie losgehen. Auf jeden Fall bei Porsche und Daimler wird es Proteste geben. Die Arbeitgeber müssen spüren, dass wir es ernst meinen." Die Friedenspflicht im Westen endet am 28. April. Die Tarifgespräche für die 800.000 Beschäftigten in Baden-Württemberg werden am 8. Mai fortgesetzt.
"Wir brauchen bis Mitte Mai eine Lösung, sonst ist der Zug abgefahren und der Himmel wird rabenschwarz. Unser Tannenbaum brennt im Mai", sagte Hück. Die Gewerkschaft verlangt neben der Gehaltserhöhung die unbefristete Übernahme aller Lehrlinge und mehr Mitsprache beim Einsatz von Leiharbeitern. Den Arbeitgeber-Vorschlag lehnte auch Hück ab. "Es darf kein Kompromiss herauskommen, bei dem die Jugend der Verlierer ist", sagte der Gewerkschafter.
Das Hauptproblem bei den Gesprächen sei nicht die Lohnfrage, sondern die Themen Übernahme und Leiharbeit. "Wir dürfen die Zukunft unserer Jugend nicht gegen Lohnerhöhungen eintauschen", sagte Hück. Die Einschaltung eines Vermittlers zur Lösung des Tarifkonflikts lehnte der Porsche-Betriebsratschef kategorisch ab und drohte mit einer weiteren Zuspitzung des Konflikts: "Ich bin kein Freund eines Streiks, weil nicht absehbar ist, was passiert." Ein Arbeitskampf aber werde beiden Seiten wehtun.
nck/dpa/Reuters
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