Nach Warnstreiks Metaller raufen sich zu neuen Verhandlungen zusammen

Die vergangene Runde wurde bereits wegen der Gehaltsforderung abgebrochen. Nun wollen sich die Verhandlungsführer in der Metallbranche wieder treffen - dabei will die Gewerkschaft viel mehr als bloß Geld.

Feuertonne der Protestierenden
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Feuertonne der Protestierenden


Im zuletzt festgefahrenen Tarifkonflikt der Metall- und Elektroindustrie könnte es nach mehreren Tagen mit umfassenden Warnstreiks Fortschritte geben. Im Pilotbezirk Baden-Württemberg sollen Verhandlungen mit den Arbeitgebern fortgesetzt werden, kündigte die IG Metall am späten Sonntagabend an. Vertreter der Tarifparteien wollen sich um 11 Uhr in der Stuttgarter Liederhalle zu Gesprächen treffen.

Den Metallern in Baden-Württemberg war schon oft eine Tarifeinigung gelungen, die dann als Pilotabschluss von allen anderen Bezirken übernommen wurde. Damit würde in Stuttgart faktisch für alle 3,9 Millionen Beschäftigten der deutschen Schlüsselindustrie verhandelt. In dem Land selbst geht es um mehr als 900.000 Metaller.

Die Gewerkschaft verlangt zum einen sechs Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Zum anderen kämpft sie auch für eine Regel, wonach jeder Beschäftigte seine Stundenzahl befristet für einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren auf 28 reduzieren darf. Schichtarbeiter, Eltern kleiner Kinder sowie Beschäftigte, die zu Hause Angehörige pflegen, sollen ihren Lohn zum Teil weiterbekommen. Um die Forderungen durchzusetzen griff die Gewerkschaft bereits zu einer neuen Waffe: 24-Stunden-Streiks.

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Vor mehr als einer Woche war die fünfte Verhandlungsrunde bereits wegen der Entgeltforderung ergebnislos abgebrochen worden. Nach eigenen Angaben hatten die Arbeitgeber ein Plus von 6,8 Prozent angeboten - allerdings gestreckt auf 27 Monate. IG-Metall-Chef Hofmann bemängelte, dass nur ein kleiner Teil dauerhaft in die Lohntabellen einfließen sollte und nicht einmal die Inflation ausgleiche.

Die Arbeitgeber schimpfen über eine "Stilllegeprämie für Fachkräfte" - und zeigen sich wenig kompromissbereit. Vor dem Frankfurter Arbeitsgericht klagen sie gegen die Streiks, da sie die Forderung für rechtswidrig halten. Arbeitsmarktforschern zufolge entspricht sie allerdings dem Zeitgeist - auch eine Reihe von Ökonomen stellte sich am Wochenende hinter die Forderung.

Seit Mittwoch beteiligten sich laut IG Metall bundesweit rund 500.000 Beschäftigte an ganztägigen Warnstreiks. Der IG-Metall-Vorsitzende Jörg Hofmann erklärte, dass die Verhandlungen am Montag fortgesetzt werden könnten, wenn die Arbeitgeber bereit seien, "eine deutliche Schippe draufzulegen".

insgesamt 6 Beiträge
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C-Hochwald 05.02.2018
1. Grenzen setzen
Mehr Geld für weniger Arbeit, das ist doch der Kern der IG-Metall Forderung. Sorry, aber für ein bedingungsloses Grundgehalt oder subventionierte Auszeiten für Familienangelegenheiten ist die Gesellschaft bzw. der Staat zuständig, nicht aber ein produzierender Betrieb, der die vertraglichen Verpflichtungen gegenüber seiner Kunden erfüllen muß. Als KFZ-Zulieferer sind die Preise fix, da interessieren Kostensteigerungen durch Lohnzuwächse nicht. Diese Kosten muß jeder Betrieb versuchen zu kompensieren. Da bleibt als Lösung oft nur eine höhere Automation und der damit verbundene Wegfall von Arbeitsplätzen. Im günstigsten Fall werden Stellen nicht mehr neu besetzt, wenn jemand in Rente geht oder freiwillig kündigt. Was also ist der Gewinn für die IG-Metall und deren Mitglieder? Die Gewerkschaft hat sich hier mit ihren Forderungen zu weit aus dem Fenster gelehnt, und kämpft nur noch deswegen weiter für diese aberwitzigen Forderungen, weil es um die Machtfrage geht. Wenn wenigstens kein Lohnausgleich für die 28h-Woche verlangt würde, oder man die 13%-Grenze für 40h-Verträge im Gegenzug bereit wäre zu streichen, könnte eine tragbare Einigung erzielt werden. Ein Industrieland wie Deutschland kann es sich nicht mehr leisten, daß die Spezialisten nur 35h/Woche arbeiten dürfen. Wir sind keine Insel der Glcükseeligkeit in der globalen Wirtschaft.
lübeckerjung 05.02.2018
2. C-Hochwald hat Recht, ...
... denn diese absurde Forderung verstärkt den Druck in den Unternehmen. Wenn auf einmal ein relevanter Anteil der Belegschaft (bezahlt!!) die Arbeitszeit reduziert, zieht das unweigerlich eine Arbeitsverdichtung beim Rest der Belegschaft nach sich. Ob es das ist, was die Gewerkschaft bezweckt? Es geht allein um die Macht der Gewerkschaftsführung und um Mitgliederwerbung, nicht mehr und nicht weniger.
Revolutscher 05.02.2018
3.
Ich habe jahrelang bei einem kleinen Unternehmen gearbeitet und hatte die Chance in die Automobilindustrie zu wechseln. Ich hatte keine Ahnung, was dort verdient wird. Nachdem ich die Konditionen erfuhr hab ich zugesagt! Sofort 25% mehr Monatsgehalt und 45 Tage Urlaub bei einer 37,5 Stunden-Woche, anstandslos bezahlte Überstunden, Urlaubs- und Weihnachtsgeld und betriebliche Altersversorgung! Die Forderung nach 6% kann ich noch nachvollziehen, aber bei der 28-Stunden-Woche mit Lohnausgleich hört es bei mir auf. Mir will einfach nicht einleuchten, warum die Arbeitgeber für Kinder und kranke Eltern haften sollen, das ist eindeutig eine Aufgabe des Staates, der die Lohnlücke über Steuerverzicht füllen könnte. Genug Geld ist ja da. Natürlich werden ich die Lohnerhöhung annehmen, egal wie hoch sie ausfällt, aber dafür streiken werde ich nicht. Wenn ich dafür streiken würde dann käme ich mir genauso abgehoben und abgezockt vor wie die Lufthansapiloten die vor 2 Jahren alles wegen der Rente mit 55 lahmgelegt haben.
hotgorn 05.02.2018
4.
Warum wird hier nicht über das Angebot der Arbeitgeber berichtet das einen Lohnanstieg unterhalb der Inflation vorsieht und Schichtzulagen streichen will. Für mich ist eine 20 h Woche von der ich sehr gut Leben kann ganz normal, wieso sollte man eine solche Selbstverständlichkeit wie Zeitweise 28 h Woche den Arbeitnehmer vorenthalten?
hotgorn 05.02.2018
5.
Zitat von C-HochwaldMehr Geld für weniger Arbeit, das ist doch der Kern der IG-Metall Forderung. Sorry, aber für ein bedingungsloses Grundgehalt oder subventionierte Auszeiten für Familienangelegenheiten ist die Gesellschaft bzw. der Staat zuständig, nicht aber ein produzierender Betrieb, der die vertraglichen Verpflichtungen gegenüber seiner Kunden erfüllen muß. Als KFZ-Zulieferer sind die Preise fix, da interessieren Kostensteigerungen durch Lohnzuwächse nicht. Diese Kosten muß jeder Betrieb versuchen zu kompensieren. Da bleibt als Lösung oft nur eine höhere Automation und der damit verbundene Wegfall von Arbeitsplätzen. Im günstigsten Fall werden Stellen nicht mehr neu besetzt, wenn jemand in Rente geht oder freiwillig kündigt. Was also ist der Gewinn für die IG-Metall und deren Mitglieder? Die Gewerkschaft hat sich hier mit ihren Forderungen zu weit aus dem Fenster gelehnt, und kämpft nur noch deswegen weiter für diese aberwitzigen Forderungen, weil es um die Machtfrage geht. Wenn wenigstens kein Lohnausgleich für die 28h-Woche verlangt würde, oder man die 13%-Grenze für 40h-Verträge im Gegenzug bereit wäre zu streichen, könnte eine tragbare Einigung erzielt werden. Ein Industrieland wie Deutschland kann es sich nicht mehr leisten, daß die Spezialisten nur 35h/Woche arbeiten dürfen. Wir sind keine Insel der Glcükseeligkeit in der globalen Wirtschaft.
Wieso soll der Staat für alles zuständig sein der Staat hat schlechte Finanzprodukte wie die gesetzliche Rente oder Riester. Wenn der Vater schon im Betrieb gearbeitet hat und an einer Berufskrankheit leidet ist auch die Berufsgenossenschaft verantwortlich und nicht der unfähige Staat.
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