ThyssenKrupp: IG Metall stützt Aufsichtsratschef Cromme

Die IG Metall hat vor der Hauptversammlung des Stahlkonzerns ThyssenKrupp dem Aufsichtsratschef Cromme das Vertrauen ausgesprochen - während Aktionärsvertreter dessen Rücktritt forderten. Der Gewerkschaftsvertreter im Aufsichtsrat verteidigte seine umstrittenen Luxusreisen auf Firmenkosten.

ThyssenKrupp-Stahlarbeiter: Arbeitnehmer stellen sich hinter Aufsichtsratschef Cromme Zur Großansicht
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ThyssenKrupp-Stahlarbeiter: Arbeitnehmer stellen sich hinter Aufsichtsratschef Cromme

München - Kurz vor der Hauptversammlung des krisengeschüttelten Stahlkonzerns ThyssenKrupp hat die Arbeitnehmerseite dem umstrittenen Aufsichtsratschef Gerhard Cromme den Rücken gestärkt. "Unsere Leute haben mit Cromme den Aufräumprozess bei ThyssenKrupp gestartet", sagte der nordrhein-westfälische IG-Metall-Chef Knut Giesler der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung". Er vertraue seinen "Kollegen auf der Arbeitnehmerseite voll und ganz, dass sie sich richtig entscheiden".

ThyssenKrupp lädt seine Aktionäre am Freitagvormittag zur Hauptversammlung nach Bochum. Erwartet wird eine turbulente Sitzung. Das Traditionsunternehmen musste Milliardenverluste bekanntgeben, vor allem wegen Fehlinvestitionen und Abschreibungen bei seinen Stahlwerken in den USA und Brasilien. Hinzu kamen Enthüllungen über die Beteiligung an einem Schienenherstellerkartell und Einladungen von Journalisten und einem Gewerkschaftsmitglied zu teuren Reisen.

Aktionärsvertreter forderten im Vorfeld der Versammlung den Rücktritt Crommes. Dadurch solle "das hervorragende System der Mitbestimmung" im Konzern "in Misskredit gebracht werden", kritisierte Giesler. Bezüglich der Kritik an seiner Gewerkschaft wegen der Luxusreisen, sagte er der "WAZ": "Wir müssen selbstkritisch sein." Nötig seien "saubere Regeln" für Dienstreisen, die für alle, einschließlich der Vorstände, gelten müssten.

IG-Metall-Vorstand Eichler: "Ich bin doch nicht korrupt"

Der IG-Metall-Vorstand und ThyssenKrupp-Aufsichtsrat Bertin Eichler verteidigte seine umstrittenen Luxusreisen auf Kosten des Stahlkonzerns erneut und wies jeden Verdacht der Vereinnahmung zurück. "Ich bin doch nicht korrupt", sagte Eichler der "Süddeutschen Zeitung". Wenn ThyssenKrupp im Ausland Milliarden investiere, müsse der Aufsichtsrat sich das vor Ort anschauen. "Wenn wir da mal fünf Tage unterwegs sind und mal einen halben Tag eine Sehenswürdigkeit besuchen, dann ist das okay", sagte Eichler.

Der Gewerkschafter räumte aber ein, dass man dafür nicht Erster Klasse fliegen müsse. Er hatte nach der Kritik an den fünf Reisen seit 2004 bereits erklärt, den Aufpreis für die Tickets der First Class aus eigener Tasche zu erstatten. Nach Bekanntwerden der Luxusreisen auf Kosten des verlustreichen Konzerns hatte Eichler zudem seinen Rückzug aus dem Aufsichtsrat angekündigt. "Ich hätte gerne weitergemacht", sagte er jetzt. Doch sei der öffentliche Druck zu groß geworden. "Ich will Schaden von der IG Metall abwenden", sagte Eichler.

Gleichzeitig forderte Eichler identische Maßstäbe für Kapitalvertreter und Gewerkschafter in Aufsichtsräten. "Wir sind doch keine Aufsichtsräte zweiter Klasse", sagte Eichler. "Wir lassen uns nicht im Gepäckraum verstauen." Eichler nahm den Aufsichtsratschef Cromme allerdings nicht ausdrücklich in Schutz. Ob Cromme nach einem Jahrzehnt als Chefkontrolleur gehen sollte, "muss jeder für sich entscheiden", sagte der IG-Metall-Vorstand.

nck/AFP/dapd

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1.
browneyes 18.01.2013
...und dann muss das ja die Wahrheit sein. Freisprüche sind nun mal in eigener Sache am einfachsten.
2.
jber 18.01.2013
Da schau, der feine Herr Eichler hätte gerne weitergemacht. Arbeitnehmerinteresse verraten und dann auch noch Vorteilsnahme. Da droht doch hoffentlich ein Ausschlußverfahren.
3. Und der Lothar musste gehen!!
papayu 18.01.2013
Ja, so aendern sich die Zeiten, da war die CDU noch genau, heute ist sie ALTERSNAIVLOS!! Haette das der Peer gemacht,oh was waere das fuer ein Geschrei in den " Oeffentlichen" geworden!!
4. Diese Gewerkschafter im Aufsichtsrat
tutnet 18.01.2013
sind so korrupt, die merken es garnicht.
5. Unfassbar
Beijinger 18.01.2013
Da beschaeftigt sich "die Arbeitnehmerseite" inkl. der IG Metall mit der Reisekostenregelung, anstatt die Fehlinvestitionen in Brasilien und USA zum Hauptthema zu machen. Und davor kann sich weder Cromme noch die anderen verbliebenen Vorstaende aus der Verantwortung stehlen. Und zu allem Ueberfluss noch der Methusalem B.Beitz, der mit den 25 % der Kruppstiftung seinem Spezi Cromme den Ar... retten will. Und TK geht den Bach runter und wird sich in absehbarer Zeit aufgrund unzureichender finanzieller Performance als letztem Ausweg aus der von diesen kompetenzbefreiten Flachpfeifen verursachten Schlamassel gegen eine Uebernahme durch Mittal nicht mehr wehren koennen. Ich fasse es nicht!
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