Wirtschaft

Nach Scheitern der Tarifverhandlungen

IG Metall ruft zu 24-Stunden-Warnstreiks auf

Im Tarifkonflikt der Metall- und Elektroindustrie haben Arbeitgeber und Gewerkschaft ihre Gespräche in Stuttgart ohne Ergebnis abgebrochen. Die IG Metall ruft nun erstmals zu 24-Stunden-Warnstreiks auf.

DPA

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Samstag, 27.01.2018   11:04 Uhr

Sie hatten die ganze Nacht verhandelt, aber es hat nichts gebracht: Die Gespräche zwischen IG Metall und Arbeitgebern in Stuttgart sind am Samstag erneut gescheitert. Nun rufen die Gewerkschafter die Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie erstmals zu 24-Stunden-Warnstreiks auf.

Einen entsprechenden Beschluss habe der Vorstand der Gewerkschaft am Samstag nach dem Abbruch der Verhandlungen gefasst, sagte der Erste Vorsitzende Jörg Hofmann in Stuttgart. Diese Warnstreiks könnten nach Abstimmungen der Beschäftigten von kommendem Mittwoch bis Freitag in bundesweit mehr als 250 Betrieben stattfinden. Zugleich sollen Urabstimmungen über Flächenstreiks vorbereitet werden, hieß es in einer Mitteilung.

Die Metall-Arbeitgeber wollen sich vor Gericht gegen die angekündigten 24-Stunden-Warnstreiks der IG Metall wehren. Gesamtmetall-Chef Rainer Dulger kündigte am Samstag in einer Mitteilung Klagen der einzelnen Arbeitgeberverbände gegen die aus ihrer Sicht rechtswidrigen Arbeitsniederlegungen an. Sie würden am Montag eingereicht.

Südwestmetall-Chef Wolf sagte, er könne nur davor warnen, den Konflikt weiter eskalieren zu lassen. "Wir behalten uns natürlich rechtliche Schritte vor." Zugleich warnte er vor einer Ausweitung der Streiks, dies bedeute große finanzielle Schäden. "Ich bin fassungslos, wie man nach so einer langen Verhandlungszeit die guten Kompromisse und Lösungen, die man gefunden hat, einfach wieder vom Tisch nimmt", sagte Wolf.

Zum Auftakt der fünften Verhandlungsrunde im für die Branche bedeutenden Tarifbezirk Südwest am Freitagabend hatten sich beide Seiten noch prinzipiell offen dafür gezeigt, über eine Flexibilisierung der Arbeitszeitregeln zu sprechen. Letztlich blieben die Gespräche dann aber wieder an der Forderung der Gewerkschaft nach einem finanziellen Ausgleich für bestimmte Gruppen von Beschäftigten hängen.

Streit um den Lohn-Ausgleich

Die IG Metall hatte verlangt, dass die bundesweit rund 3,9 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie ihre Arbeitszeit für die Dauer von bis zu zwei Jahren auf 28 Wochenstunden reduzieren können. Einige Gruppen wie Schichtarbeiter, pflegende Angehörige oder Eltern junger Kinder sollen dafür einen Teil-Ausgleich für entgangenen Lohn erhalten, was die Arbeitgeber ablehnen. Ein Alternativvorschlag, über den zwischenzeitlich diskutiert worden sein soll, brachte offensichtlich auch keine Lösung.

Die Gespräche waren am vergangenen Mittwoch schon einmal abgebrochen worden, nachdem es zwischenzeitlich schon fast nach einer Einigung ausgesehen hatte. Die Gewerkschaft hatte dann aber darauf verzichtet, die nächste Eskalationsstufe auszurufen, und sich noch einmal mit den Arbeitgebern an den Verhandlungstisch gesetzt.

Die Tarifverträge für die Metall- und Elektroindustrie werden für jeden der sieben Tarifbezirke einzeln ausgehandelt. Die Ergebnisse in Baden-Württemberg hätten aber wegweisend für ganz Deutschland werden sollen. Zu den Verhandlungen in Stuttgart waren alle wichtigen Funktionäre und Spitzenvertreter der beiden Verbände IG Metall und Gesamtmetall angereist.

kha/Reuters/dpa

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