Einigung im Tarifstreit: Metaller bekommen in zwei Stufen mehr Geld

Durchbruch in Bayern: IG Metall und Arbeitgeber haben sich auf eine Lohnerhöhung in zwei Stufen geeinigt. Die Regelung wird wohl auf die bundesweit 3,7 Millionen Beschäftigten in der Branche übertragen. Damit sind Streiks bis mindestens 2015 vom Tisch.

München - IG Metall und Arbeitgeber haben einen Streik in der Metall- und Elektroindustrie abwenden können. Die Parteien einigten sich im Tarifstreit am frühen Mittwochmorgen in München auf eine Lohnerhöhung in zwei Stufen. Bei einer Laufzeit von 20 Monaten wachsen die Einkommen in einem ersten Schritt ab Juli um 3,4 Prozent, in einem zweiten Schritt im Mai kommenden Jahres noch mal um 2,2 Prozent. Zum ersten Mal seit 1995 wurde der Pilotabschluss für die Schlüsselbranche wieder in Bayern verhandelt.

"Das ist ein fairer Kompromiss", sagte IG-Metall-Chef Berthold Huber. Die Beschäftigten würden angemessen an der wirtschaftlichen Entwicklung beteiligt. Die Arbeitgeber lobten vor allem die lange Laufzeit der Vereinbarung. "Der Pilotabschluss sorgt für Planungssicherheit und zeugt von Weitblick und Fairness", sagte der Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Rainer Dulger. Streiks sind in der Branche nun bis mindestens Januar 2015 vom Tisch.

Ursprünglich hatte die IG Metall 5,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt für zwölf Monate verlangt. Die Arbeitgeber hatten 2,3 Prozent mehr Geld für 13 Monate bei zwei Nullmonaten geboten. Deren bayerische Verhandlungsführerin Angelique Renkhoff-Mücke sagte nach der Einigung, die Belastung sei für die Unternehmen noch tragbar.

Der Tarifabschluss in Bayern gilt unmittelbar für die 700.000 Beschäftigten der Branche in dem Bundesland, soll aber den übrigen Tarifbezirken als Vorbild dienen und damit Geltung für alle 3,7 Millionen Metall-Arbeitnehmer in Deutschland bekommen. Bayern erhalte damit wieder die tarifpolitische Bedeutung, die ihm zustehe, sagte Bayerns IG-Metall-Chef Jürgen Wechsler.

"In Rekordgeschwindigkeit und ohne verstaube Rituale"

Bereits am Mittwochmittag wird die Tarifkommission der IG Metall in München über das Ergebnis beraten. Der Bundesvorstand hat dem Kompromiss bereits in der Nacht zugestimmt und den übrigen Bezirken zur Übernahme empfohlen, sagte Gewerkschaftschef Huber.

Bis zur Einigung hatten Arbeitgeber und Gewerkschaft in der entscheidenden Runde rund sechs Stunden lang bis etwa Mitternacht verhandelt - eine vergleichsweise kurze Dauer. Im Vorfeld war damit gerechnet worden, dass sich die Verhandlungen einige Stunden länger hinziehen würden. "Den bayerischen Tarifparteien ist in Rekordgeschwindigkeit und ohne verstaubte Rituale ein Pilotabschluss gelungen", lobt Gesamtmetall-Präsident Rainer Dulger. "Wir hatten uns vorgenommen, vor Mitternacht fertig zu sein", sagte Wechsler.

Zuvor war am Montag die vierte Verhandlung in Böblingen bei Stuttgart ergebnislos zu Ende gegangen. Vor der wegweisenden Verhandlungsrunde in München hatte die Gewerkschaft den Druck am Dienstag nochmals erhöht: Bundesweit hatten sich bis zum Dienstagnachmittag fast 130.000 Beschäftigte aus rund 600 Betrieben nach IG-Metall-Angaben an Arbeitsniederlegungen und Kundgebungen beteiligt. Allein in Bayern seien rund 44.700 Mitarbeiter in mehr als 120 Betrieben dem Warnstreik-Aufruf gefolgt. Ein weiterer Schwerpunkt war der Bezirk Küste. Dort legten den Angaben zufolge rund 28.000 Beschäftigte die Arbeit nieder.

max/fdi/Reuters/dpa

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insgesamt 110 Beiträge
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1. Arbeitgeber haben mal wieder gewonnnen
Fairfax 15.05.2013
.... Die Arbeitgeber bekommen ihre zwei Nullmonate, müssen nur 1,1 % auf Ihre Forderungen rauflegen und zweiten Jahr bekommen sie sogar die geforderten 2,2 % Die Gewerkschaften muss die zwei Nullmonate hinnehmen, auf ihre ursprüngliche Forderung 2% Abschlag hinnehmen und für das ganze nächste Jahr ab Mai haben sie sogar einen schlechteren Satz ausgehandelt als die AG jetzt gefordert haben. 22 Monate Ruhe für die AG für einen verdammt billigen Preis obwohl es unserer Wirtschaft gut geht. Das ist einer der Gründe warum Deutschland so wettbewersbfähig ist und warum unseren Binnenkonjunktur am Boden liegt und die Leute immer ärmer werden. Herzlichen Glückwunsch Gewerkschaften.
2. War zu erwarten. Aber was sollen die 2,2?
seher_sehen 15.05.2013
Wie jedes mal gibts die knappen 3, xx und diesmal noch dazu mit 2,2 für nächstest Jahr eine Inflationsrate.
3. Die Geldgeilheit der Gewerkschaften ist unersättlich
harry362 15.05.2013
Sie sind die eigentlichen Sozialschädlinge, die mit ihren unersättlichen Lohnsteigerungsforderungen den Abbau von Arbeitsplätzen und damit ständige Arbeitslosigkeit sowie die Verschuldung der öffentlichen Haushalte erzwingen. Hinzu kommen Inflation, Überkonsum der Jobinhaber und Verarmung der übrigen Bevölkerung. Diese Dinosaurier der frühen Industriealisierung sind zu verantwortlichem Sozialhandeln einfach nicht fähig.
4. 35 Stundenfaulenzer
apfelkern 15.05.2013
Zitat von sysopDPADurchbruch in Bayern: Beim Pilotabschluss für die Metall- und Elektrobranche einigten sich IG Metall und Arbeitgeber auf eine ordentliche Lohnerhöhung in zwei Stufen. Die Regelung wird wohl auf die bundesweit 3,7 Millionen Beschäftigten in der Branche übertragen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/ig-metall-und-arbeitergeber-einigen-sich-im-tarifstreit-a-899887.html
Jetzt kriegen die 35 Stundenfaulenzer auch noch Zuschlag... Pfui! Mein nächstes Auto wird ein Dacia oder ein Japaner!
5. sie gibt es doch noch
schlummi1 15.05.2013
Zitat von sysopDPADurchbruch in Bayern: Beim Pilotabschluss für die Metall- und Elektrobranche einigten sich IG Metall und Arbeitgeber auf eine ordentliche Lohnerhöhung in zwei Stufen. Die Regelung wird wohl auf die bundesweit 3,7 Millionen Beschäftigten in der Branche übertragen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/ig-metall-und-arbeitergeber-einigen-sich-im-tarifstreit-a-899887.html
Ich dachte die gewerkschaften gibt es nicht mehr. Also gibt es die doch noch, jetzt vor der wahl. Bei einer inflation von 10%- 15% im jahr, auf die dinge des lebens, kein gewächshaus, ist das ja mal n gutes ergebnis. :) Siehe auch den link, ok usa, aber wir sind ja globalisiert. Alternate Inflation Charts (http://www.shadowstats.com/alternate_data/inflation-charts)
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Mit rund 2,3 Millionen Mitgliedern ist die Industriegewerkschaft Metall (IG Metall) die größte deutsche Gewerkschaft vor Ver.di (2,1 Millionen).
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Zweiter Vorsitzender ist Jörg Hofmann.

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