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11. Januar 2013, 14:55 Uhr

Luxusreisen

IG-Metall-Vorstand zieht sich aus ThyssenKrupp-Aufsichtsrat zurück

Der IG-Metall-Vorstand und ThyssenKrupp-Aufsichtsrat Bertin Eichler zieht Konsequenzen aus den Vorwürfen wegen Luxusreisen bei dem Industriekonzern. Nach einem Bericht über First-Class-Flüge auf Firmenkosten kündigte der Gewerkschafter an, er werde nicht mehr für den Aufsichtsrat kandidieren.

Essen - "Es ist nicht alles richtig, was zulässig ist und üblich war." Mit dieser Begründung zieht sich der stellvertretende Aufsichtsratschef von ThyssenKrupp, Bertin Eichler, aus dem Kontrollgremium zurück. Der IG-Metall-Vertreter ist wegen Erster-Klasse-Flüge auf Firmenkosten in die Kritik geraten. Das "Handelsblatt" berichtete über teure Geschäftsreisen. Nun kündigte der 60-jährige Gewerkschafter an, er werde bei der im November 2013 anstehenden Nominierung der Arbeitnehmervertreter für den Aufsichtsrat nicht mehr kandidieren. Außerdem werde er ThyssenKrupp die Preisdifferenz zwischen First-Class- und Business-Class-Flügen erstatten.

Das "Handelsblatt" hatte berichtet, dass Eichler sich vom Essener Stahlkonzern in den Jahren 2004 bis 2012 zu mindestens fünf Luxusreisen habe einladen lassen. Reiseziele seien China, Amerika, Thailand und Kuba gewesen. Auch andere Belegschaftsvertreter im Aufsichtsrat seien auf Konzernkosten komfortabel um die Welt gejettet.

Zwar seien die Reisen auch immer mit geschäftlichen Aktivitäten von ThyssenKrupp verbunden gewesen. Nach Recherchen des "Handelsblatts" enthielten sie aber auch touristische Elemente. So hätten die Reisenden das Wahrzeichen von Rio de Janeiro, den Zuckerhut, besichtigt und in China einen Bummel durch das Spielerparadies Macau gemacht. In Shanghai habe sich Eichler vor acht Jahren zu einem Formel-1-Rennen einladen lassen.

Die großzügigen Reisen auf Firmenkosten nährten den Verdacht, dass das ThyssenKrupp-Management die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat habe gütig stimmen wollen, schrieb die Zeitung. Eichler wies diese Vorwürfe allerdings entschieden zurück. Der Gewerkschafter sagte, es habe sich um dienstliche Reisen in Wachstumsmärkte gehandelt. Ziel sei es gewesen, Kontakte zu Führungskräften und Betriebsräten vor Ort zu knüpfen. Bei ThyssenKrupp sei es üblich gewesen, dass geschäftlich veranlasste Reisen für die teilnehmenden Aufsichtsratsmitglieder durch das Unternehmen vorab organisiert wurden. Das sei aber keine Rechtfertigung, sagte Eichler. Arbeitnehmervertreter in Aufsichtsräten hätten an sich eigene und strenge Maßstäbe anzulegen.

ThyssenKrupp befindet sich in einer schweren Krise und steht vor grundlegenden strategischen Entscheidungen. Diese dürften nicht durch die Vergangenheit belastet werden, begründete Eichler seinen Rückzug. Aus diesem Grund werde er bei der 2013 anstehenden Wahl der Arbeitnehmerseite in den Aufsichtsrat nicht mehr kandidieren. ThyssenKrupp wies darauf hin, dass das Unternehmen inzwischen eine umfassende Untersuchung der Reisepraxis im Konzern eingeleitet habe. Der frühere ThyssenKrupp-Vorstand Jürgen Claassen hatte wegen umstrittener Luxusreisen bereits seinen Posten räumen müssen.

nck/dapd

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