Luxusreisen: IG-Metall-Vorstand zieht sich aus ThyssenKrupp-Aufsichtsrat zurück

Der IG-Metall-Vorstand und ThyssenKrupp-Aufsichtsrat Bertin Eichler zieht Konsequenzen aus den Vorwürfen wegen Luxusreisen bei dem Industriekonzern. Nach einem Bericht über First-Class-Flüge auf Firmenkosten kündigte der Gewerkschafter an, er werde nicht mehr für den Aufsichtsrat kandidieren.

IG-Metall-Vorstandsmitlied Eichler: Nicht alles richtig, was üblich war Zur Großansicht
dapd

IG-Metall-Vorstandsmitlied Eichler: Nicht alles richtig, was üblich war

Essen - "Es ist nicht alles richtig, was zulässig ist und üblich war." Mit dieser Begründung zieht sich der stellvertretende Aufsichtsratschef von ThyssenKrupp, Bertin Eichler, aus dem Kontrollgremium zurück. Der IG-Metall-Vertreter ist wegen Erster-Klasse-Flüge auf Firmenkosten in die Kritik geraten. Das "Handelsblatt" berichtete über teure Geschäftsreisen. Nun kündigte der 60-jährige Gewerkschafter an, er werde bei der im November 2013 anstehenden Nominierung der Arbeitnehmervertreter für den Aufsichtsrat nicht mehr kandidieren. Außerdem werde er ThyssenKrupp die Preisdifferenz zwischen First-Class- und Business-Class-Flügen erstatten.

Das "Handelsblatt" hatte berichtet, dass Eichler sich vom Essener Stahlkonzern in den Jahren 2004 bis 2012 zu mindestens fünf Luxusreisen habe einladen lassen. Reiseziele seien China, Amerika, Thailand und Kuba gewesen. Auch andere Belegschaftsvertreter im Aufsichtsrat seien auf Konzernkosten komfortabel um die Welt gejettet.

Zwar seien die Reisen auch immer mit geschäftlichen Aktivitäten von ThyssenKrupp Chart zeigen verbunden gewesen. Nach Recherchen des "Handelsblatts" enthielten sie aber auch touristische Elemente. So hätten die Reisenden das Wahrzeichen von Rio de Janeiro, den Zuckerhut, besichtigt und in China einen Bummel durch das Spielerparadies Macau gemacht. In Shanghai habe sich Eichler vor acht Jahren zu einem Formel-1-Rennen einladen lassen.

Die großzügigen Reisen auf Firmenkosten nährten den Verdacht, dass das ThyssenKrupp-Management die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat habe gütig stimmen wollen, schrieb die Zeitung. Eichler wies diese Vorwürfe allerdings entschieden zurück. Der Gewerkschafter sagte, es habe sich um dienstliche Reisen in Wachstumsmärkte gehandelt. Ziel sei es gewesen, Kontakte zu Führungskräften und Betriebsräten vor Ort zu knüpfen. Bei ThyssenKrupp sei es üblich gewesen, dass geschäftlich veranlasste Reisen für die teilnehmenden Aufsichtsratsmitglieder durch das Unternehmen vorab organisiert wurden. Das sei aber keine Rechtfertigung, sagte Eichler. Arbeitnehmervertreter in Aufsichtsräten hätten an sich eigene und strenge Maßstäbe anzulegen.

ThyssenKrupp befindet sich in einer schweren Krise und steht vor grundlegenden strategischen Entscheidungen. Diese dürften nicht durch die Vergangenheit belastet werden, begründete Eichler seinen Rückzug. Aus diesem Grund werde er bei der 2013 anstehenden Wahl der Arbeitnehmerseite in den Aufsichtsrat nicht mehr kandidieren. ThyssenKrupp wies darauf hin, dass das Unternehmen inzwischen eine umfassende Untersuchung der Reisepraxis im Konzern eingeleitet habe. Der frühere ThyssenKrupp-Vorstand Jürgen Claassen hatte wegen umstrittener Luxusreisen bereits seinen Posten räumen müssen.

nck/dapd

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 23 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
Luscinia007 11.01.2013
Zitat von sysopDer IG-Metall-Vorstand und ThyssenKrupp-Aufsichtsrat Bertin Eichler zieht Konsequenzen aus den Vorwürfen wegen Luxusreisen bei dem Industriekonzern. Nach einem Bericht über First-Class-Flüge auf Firmenkosten kündigte der Gewerkschafter an, er werde nicht mehr für den Aufsichtsrat kandidieren. IG-Metall-Vorstand zieht sich aus ThyssenKrupp-Aufsichtsrat zurück - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/ig-metall-vorstand-zieht-sich-aus-thyssenkrupp-aufsichtsrat-zurueck-a-877047.html)
Thyssen-Krupp! Das ist doch der Verein, für den Kanzlerkandidat Peer Steinbrück Strompreis-Ermäßigungen zu Lasten des Gemeinen Steuerzahlers und Stromverbrauchers erwirken wollte. Und da geht also das ersparte Steuergeld hin! Die Steuerersparnis soll wird also fast direkt in Luxusreisen umgesetzt!
2. Dr.
braintainment 11.01.2013
"Nun kündigte der 60-jährige Gewerkschafter an, er werde bei der im November 2013 anstehenden Nominierung der Arbeitnehmervertreter für den Aufsichtsrat nicht mehr kandidieren." Wow, welche Reue.... Und zum Abschied gibts ne dicke Abfindung und die goldene Ausgabe von Orwells "animal farm". Herzlichen Glückwunsch!
3. Schade das $t€inbrück ...
unixv 11.01.2013
im Gegensatz zu den Herren kein Gewissen oder gar ein Rückgrat hat, sonst würde er beschleunigt seinen Hut nehmen! Von hinten durchs Auge hat Steinbrück dafür gesorgt das diese Luschen in den Puff gehen, unglaublich! Damit könnte $t€inbrück bei der anstehenden BTW aber Punkten ....Puffbesuch für alle Stromzahler, kostenlos! ob er sich traut? ;-)
4. Steinbrücks nächster Fettnapf
wadenzwicker 11.01.2013
In diesem Artikel vermisse ich einen pikanten Aspekt: Steinbrück war bis Ende 2012 Aufsichtsrat bei ThyssenKrupp. Da wird er wohl bald (wieder) etwas zu erklären haben.
5. Na Klasse
hauptsachemalwassagen 11.01.2013
wer bei solchen Informationen auch noch weiter jeden Monat seine Gewrkschaftsbeiträge gezahlt , dem ist nicht mehr zu helfen. The creatures outside looked from pig to man, and from man to pig, and from pig to man again; but already it was impossible to say which was which.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte
RSS
alles zum Thema ThyssenKrupp
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 23 Kommentare
Fotostrecke
ThyssenKrupp: Niedergang eines Industrie-Giganten