Von Young-Sim Song
Frankfurt am Main - Im Tarifkonflikt der Metall- und Elektroindustrie stehen die Zeichen auf Streik. Am Samstag endete die Friedenspflicht - bereits in der Nacht zum Sonntag legten Betriebe vereinzelt ihre Arbeit nieder. In Bayern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Berlin gingen 2.500 Metallarbeiter an die Werkstore und protestierten gegen das Angebot der Arbeitgeber. Auch in Baden-Württemberg und Hessen sind schon zum Wochenbeginn mancherorts Aktionen geplant. Ab Mittwoch kündigte IG-Metall-Chef Berthold Huber bundesweit massive Warnstreiks an. Der Abschluss Ende März im öffentlichen Dienst von 6,3 Prozent mehr Lohn und steigende Gewinne setzen die Metall-Arbeitgeber zusätzlich unter Druck.
Die IG Metall fordert 6,5 Prozent mehr Geld für die rund 3,6 Millionen Beschäftigten. Die Gewerkschaft verlangt neben dem Lohnplus die unbefristete Übernahme aller Auszubildenden und mehr Mitsprache beim Einsatz von Leiharbeitern. Die Arbeitgeber haben drei Prozent mehr Gehalt über eine Laufzeit von 14 Monaten angeboten und die übrigen Forderungen abgelehnt. Die nächsten Verhandlungen beginnen am Dienstag kommender Woche, zunächst für den Bezirk Baden-Württemberg.
Huber bezeichnete das Angebot der Arbeitgeber als Provokation. "Wir fordern ein Angebot, das die Beschäftigten und ihre Leistung ernst nimmt", so der IG-Metall-Chef. "Man kann davon ausgehen, dass die Warnstreiks bis mindestens Anfang nächster Woche andauern", sagte IG-Metall-Sprecher Jörg Köther.
Die Arbeitgeber hingegen kritisieren die Warnstreiks als unnötige Machtdemonstration, die den Betrieben schade. "Die IG Metall hat schon mit Warnstreiks und einem möglichen Arbeitskampf gedroht, noch bevor sie ihre Forderung beschlossen hat", kritisierte Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser. Das zeige, wie wenig die Warnstreiks mit der Sache zu tun hätten.
Trotz Warnstreiks kein neues Angebot der Arbeitgeber
Man werde in der nächsten Woche kein neues Angebot vorlegen, sagte Gesamtmetall-Sprecher Martin Leutz. Es sei jetzt zunächst an der IG Metall, sich von ihrer Forderung weg zu bewegen. Arbeitgeber-Chef Kannegiesser betonte, drei Prozent mehr Lohn "bedeutet nicht nur eine spürbare Reallohnsteigerung, es schöpft sogar den von den Gewerkschaften selbst definierten Verteilungsspielraum aus". Dieser ergibt sich aus der Summe von Produktivitätssteigerung und Inflation.
Schon heute sind Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie dem Arbeitgeberverband zufolge Spitzenverdiener - mit 48.000 Euro Durchschnittseinkommen im Jahr. Bereits jetzt investiere die Branche jedes Jahr rund sechs Milliarden Euro in ihre 200.000 Auszubildenden. Die Zeitarbeit und die damit verbundene Flexibilität müssten erhalten bleiben, heißt es im Angebotspaket der Arbeitgeber außerdem.
NiedersachsenMetall-Hauptgeschäftsführer Volker Schmidt hält die Warnstreiks für "ein abgekartetes Spiel auf dem Rücken der Stammbelegschaften und auf Kosten der Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe". Die Warnstreiks seien bloß "billige Methode, um neue Mitglieder zu werben".
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