Ikeas Geschäft mit dem Essen Wenn Köttbullar selbst Billy übertrumpft

Wer bei Ikea einkauft, isst auch dort: Der Konzern hat sich in die nach Umsatz führende Gruppe der Gastronomieketten in Deutschland hochgekocht. Und die Erfolgsstory soll noch größer werden.

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Gedacht war an eine kleine Stärkung: Snacks und Drinks, damit Möbelkäufer bei Kräften bleiben, wenn sie durch die langen Flure der Ikea-Center streifen. So hatte Konzerngründer Ingvar Kamprad sich seine Idee der Restaurants für Ikea ursprünglich vorgestellt.

Doch längst ist es vielfach umgekehrt: Ein Drittel der Kunden besucht den schwedischen Möbelgiganten wegen des Essens. Das wollen Konzernmanager jetzt nutzen: Sie peppen das Restaurantgeschäft auf - und wollen Ikea-Essen sogar online anbieten.

Bau das Essen selbst zusammen: Das scheint das Credo der jüngsten Ikea-Ideen zu sein. Passend zum Firmenmotto des Selbstbau-Konzerns, für den der Inbusschlüssel zum Symbol geworden ist. London, Paris, Oslo - in immer neuen Städten testen die Schweden Restaurants außerhalb der üblichen Möbelcenter.

Vergangenes Jahr baute Ikea im pittoresken Marais-Viertel von Paris und im angesagten Londoner Stadtteil Shoreditch Restaurants auf Zeit auf. Die Pop-up-Lokale luden Gäste zum Selbstkochen ein - an der Seite von Profis. In Deutschland rollte ein eigener Ikea-Food-Truck mit den beliebten Köttbullar-Fleischbällchen und Blaubeertorten durchs Land, ganz ohne Möbelausstellung; Tests für Ikea, was sich aus der Marke und der Lust der Menschen an den Ikea-Restaurants machen lässt.

"Das ist für uns eine riesige Chance"

"Essen spielt heute eine ganz andere Rolle als noch vor zehn Jahren", sagt Stavroula Ekoutsidou, Managerin von Ikea Food Deutschland. "Die Menschen beschäftigen sich sehr stark damit. Das ist für uns eine riesige Chance, neue Möglichkeiten zu bieten."

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Köttbullar und Co.: So will Ikea mit Essen Kunden werben

Schon heute hat sich Ikea beinahe unbemerkt in die nach Umsatz führende Gruppe der Gastronomieketten in Deutschland hochgekocht - liegt auf Platz acht gleich hinter Subway und noch vor Vapiano. Von den jährlich 100 Millionen Ikea-Besuchern verköstigen sich laut Konzern hierzulande rund 40 Millionen Kunden im Bistro, dem Restaurant oder dem Schwedenshop.

Pro Jahr reichen die Köche in den deutschen Ikea-Centern rund 15 Millionen Hauptgerichte über den Tresen. Das Interesse hält an, jährlich steigt der Erlös mit Essen, vergangenes Jahr auf 221 Millionen Euro.

Die junge Generation baut den Konzern um

Lief der Restaurantbetrieb einst nebenher, haben ihn Ikeas Manager längst zum Kerngeschäft auserkoren. Schließlich bringt das schwedische Essen nicht nur Kunden in die Möbelhäuser, sondern auch Geld in die Kasse. "Das Food-Geschäft ist profitabel", sagt Managerin Stavroula Ekoutsidou. Darauf will Ikea jetzt aufbauen.

Aktuell ist die Ertragsquelle Gastronomie besonders wichtig. Denn der Möbelkonzern steckt selbst in einem Komplettumbau. Die neue Familiengeneration hat die Macht übernommen und steuert Ikea um. Denn das klassische Möbelgeschäft wächst branchenweit nicht mehr so gut wie einst.

Die Gründersöhne Peter und Mathias Kamprad wollen den Onlinehandel stärken, den der Konzern jahrelang sträflich vernachlässigt hat. Nur rund vier Prozent der Erlöse bringt der Vertrieb übers Netz ein - obwohl selbst Möbel dort mittlerweile sehr gut laufen. Zudem fächert die junge Garde der Kamprads das Unternehmen auf: baut einen Stadtteil in Großbritannien, Hotels in Europa und in China Hostels.

Online mit Ikea-Essen stärken

In diesem Wandel sieht die Food-Sparte eine Chance. Denn digital könnte das Geschäft mit dem Essen ein Türöffner sein, der die Kunden ans Unternehmen bindet. Das lässt sich auch bei Managerin Ekoutsidou heraushören: "Das Einkaufsverhalten ändert sich grundsätzlich, geht mehr in Richtung online. Darauf müssen wir reagieren." sagt sie. "Ich kann mir auch vorstellen, in das Onlinegeschäft mit dem Food-Business einzusteigen."

Doch dafür muss Ikea im Digitalgeschäft erst einmal deutlich aufholen. Immerhin: Schon jetzt hat das Unternehmen Standorte, an denen der Konzern gekaufte Möbel am Einkaufstag gleich nach Hause liefert. Das sei auch für Lebensmittel denkbar, glaubt die Food-Managerin. "Ein Ikea-Paket als Frühstück ans Bett wäre zum Beispiel eine Idee." Vor zwei Jahren testete der Konzern schon etwas Ähnliches - als Pop-up-Store mit Betten für die Kunden, zu denen ihnen das Frühstück gebracht wurde.

Köttbullar für zwei Dutzend Gäste, eine Box mit Hotdogs zum Selbermachen - die Fertigessenlogik versucht Ikea nach und nach auf das Essen zu übertragen und so mehr Geld zu verdienen. Leicht zu verschickendes Essen, so der Gedanke, kurbelt auch das Onlinegeschäft an.

Wie die Symbiose aus Essen und Möbeln künftig funktionieren kann, beweist der Food-Truck. Kaum fuhr er durch die Lande, bietet Ikea eine "Food-Truck-Küche", die sich auf kleinstem Raum wie eine Profiküche anfühlen soll. Sogar über den 3D-Druck von Mahlzeiten werde intern nachgedacht, heißt es im Konzernumfeld - auch wenn das noch pure Zukunftsmusik ist. Vielleicht lässt sich ja irgendwann einmal zur passenden nötigen Schraube das stärkende Schweden-Essen mit ausdrucken.



insgesamt 89 Beiträge
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ge1234 19.08.2017
1. Ich liebe....
... diese Hotdogs, auch wenn sie zugegebenermaßen nach nichts schmecken. Und danach immer noch ein Softeis.... oder zwei!
Zaunsfeld 19.08.2017
2.
Die bei Ikea sollten aufpassen, dass McDonalds un Burger King nicht bald anfangen, nebenbei Möbel zu verkaufen ....
pauschaltourist 19.08.2017
3.
Vor ungefähr 10 Jahren möchte ich die Hotdogs dort wirklich. Doch seit ein paar Jahren schmecken die Würstchen nach nichts. Seit dem steuere ich auf DEM Weg zum oder von Ikea lieber den Döner oder Subway an...
exHotelmanager 19.08.2017
4. Nur der Preis ist entscheidend
Für einen kostendeckenden Preis ist dieser Kantinenfraß der 70er nicht absetzbar. Ein weiterer Schritt zur Vernichtung des Zugangs zu vernünftigem Essen für Kinder.
Thunder79 19.08.2017
5. Hätte ich nicht gedacht....
.... denn so toll finde ich das Essen bei Ikea nicht. Für mich typisch sind aber die Muttis mit ihren Kindern, die sich dort nahezu täglich mit "Gleichgesinnten" zum Plausch treffen. Das ist allerdings nicht meine Welt und einer der Gründe, zumindest tagsüber Ikea zu meidne.
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