Illegale Preisabsprachen: Nestlé muss 20 Millionen Euro Bußgeld zahlen

Auf Nestlé kommt eine saftige Geldstrafe zu: Der weltgrößte Nahrungsmittelkonzern muss 20 Millionen Euro zahlen, weil er wettbewerbsrelevante Informationen weitergegeben hat. Das Urteil beendet gleich eine ganze Serie von Verfahren gegen Konsumgüterhersteller.

Bonn - Das Bundeskartellamt hat gegen den Nahrungsmittelkonzern Nestlé Chart zeigen wegen unerlaubten Austauschs von Geschäftsinformationen eine Geldbuße von 20 Millionen Euro verhängt. Dabei ging es um die Weitergabe von Verhandlungsergebnissen mit Einzelhändlern und abgesprochene Preiserhöhungen vor allem bei Süßwaren, Heißgetränken und Tiefkühlpizzen.

Vertriebsmanager von Konsumgüterherstellern hätten sich über mehrere Jahre in einem regelmäßigen Gesprächskreis getroffen und sich "gegenseitig über den Stand und den Verlauf von Verhandlungen ihres Unternehmens mit verschiedenen Einzelhändlern, teilweise auch über beabsichtigte Preiserhöhungen informiert", erläuterte Kartellamtspräsident Andreas Mundt. "Auch wenn es sich bei diesen Formen des Informationsaustauschs nicht um klassische Kartellabsprachen handelt, wird der Wettbewerb durch solche Verhaltensweisen stark beeinträchtigt." In einem Einzelfall kam es laut Kartellamt zwischen Nestlé und dem Konkurrenten Kraft Foods Chart zeigen zu einer Absprache für eine Preiserhöhung bei Instant Cappuccino.

Mit dem Beschluss gegen die Nestlé Deutschland AG wurden eine ganze Serie von Verfahren gegen Konsumgüterhersteller wegen unzulässigen Austauschs von wettbewerbsrelevanten Informationen abgeschlossen. Darin verwickelt waren auch Kraft Foods Deutschland, Unilever Chart zeigen Deutschland und Dr. August Oetker Nahrungsmittel. Gegen diese Firmen hatte das Kartellamt schon 2011 Bußgelder von insgesamt rund 38 Millionen Euro verhängt.

Der groß angelegte Verfahrenskomplex richtete sich unter anderem auch gegen elf Schokoladenhersteller, gegen die das Bundeskartellamt Ende Januar Bußgelder von insgesamt rund 60 Millionen Euro verhängte, weil sich die Unternehmen über Preise abgesprochen hatten. Betroffen waren unter anderem der Schokoladenhersteller Alfred Ritter, der Süßwarenproduzent Haribo und diverse mittelständische Unternehmen wie Zentis, Storck und Bahlsen. Große Teile der Branche sorgten mit ihrem illegalen Vorgehen nach Darstellung der Wettbewerbshüter jahrelang für überhöhte Preise.

Ausgelöst wurden die Verfahren durch einen Kronzeugenantrag der Mars GmbH. Weil sich das selbst an den Praktiken beteiligte Unternehmen an das Kartellamt wendete, musste es kein Bußgeld zahlen. Auch Nestlé wurde für die Kooperation bei der Aufklärung eine Verringerung der Geldbuße gewährt. Gegen den Bußgeldbescheid kann der größte Nahrungsmittelkonzern der Welt noch Einspruch beim OLG Düsseldorf einlegen.

kut/dpa/afp

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1.
gog-magog 27.03.2013
Zitat von sysopAuf Nestlé kommt eine saftige Geldstrafe zu: Der weltgrößte Nahrungsmittelkonzern muss 20 Millionen Euro zahlen, weil er wettbewerbsrelevante Informationen weitergegeben hat. Das Urteil beendet gleich eine ganze Serie von Verfahren gegen Konsumgüterhersteller. Illegale Absprachen - Nestlé muss 20 Millionen Euro Bußgeld zahlen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/illegale-absprachen-nestle-muss-20-millionen-euro-bussgeld-zahlen-a-891325.html)
Geldstrafe ist das eine, aber wo bleibt die Rückzahlung des Geldes um das die Kunden betrogen wurden?
2. optional
torben28 27.03.2013
Wie hoch waren die Gewinne durch die Weitergabe von Informationen ? 20 oder 50 mal so hoch wie die geringe finanzielle Ermahnung ?
3. Erdnüsse
querdenker13 27.03.2013
Zitat von sysopAuf Nestlé kommt eine saftige Geldstrafe zu: Der weltgrößte Nahrungsmittelkonzern muss 20 Millionen Euro zahlen, weil er wettbewerbsrelevante Informationen weitergegeben hat. Das Urteil beendet gleich eine ganze Serie von Verfahren gegen Konsumgüterhersteller. Illegale Absprachen - Nestlé muss 20 Millionen Euro Bußgeld zahlen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/illegale-absprachen-nestle-muss-20-millionen-euro-bussgeld-zahlen-a-891325.html)
Diese Strafzahlung ist für Nestlé ein Fall für die Portokasse. Es wird sich an diesem Gebaren eh nichts ändern, zumindest nicht für die Kunden die dadurch keine günstigere Preise bekommen. Eine richtige Strafe wäre es gewesen wenn man Nestlé dazu verurteilt hätte die Preise von 1990 zunehmen. Und diese Preise müssten 25 Jahre bestand haben. Gilt auch für die Tochter- und Subunternehmen von Nestlé.
4.
balubaer 28.03.2013
Zitat von gog-magogGeldstrafe ist das eine, aber wo bleibt die Rückzahlung des Geldes um das die Kunden betrogen wurden?
Und wie stellen Sie sich vor das dies bewerkstelligt würde? Diese Rückzahlung an die Kunden.
5. Preisabsprachen......
router55 28.03.2013
Die Preisabsprachen gibt es auch wo anders wie z.B. bei den Ölmultis und viele andere Industrieunternehmen.......oder wie kommen sonst die gleichen Preise oder Preiserhöhungen zum gleichen Zeitpunkt ????? Aber da geht das Kartellamt nicht drann.......wahrscheinlich eine ,,Schuhnummer'' zu groß.........
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