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Illegale Geschäftspraktiken: USA wollen Tippgeber mit Millionenprämien locken

Petzen muss sich wieder lohnen - nach diesem Motto geht die US-Regierung bei ihrer Finanzreform vor: Sogenannte Whistleblower, die illegale Praktiken in Firmen aufdecken, sollen laut "Financial Times" künftig Prämien in Millionenhöhe erhalten.

Zentrale von Goldman Sachs: In Zukunft mehr Ärger mit der Börsenaufsicht? Zur Großansicht
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Zentrale von Goldman Sachs: In Zukunft mehr Ärger mit der Börsenaufsicht?

Hamburg - Es läuft einiges schief im Geschäftsalltag - und nicht selten wird dabei auch die Grenze zur Illegalität überschritten. Doch oft wird von den gesetzeswidrigen Praktiken nichts bekannt, weil alle direkt Beteiligten und auch die Mitwisser den Mund halten. Umso wichtiger ist es, dass jemand auspackt - oder zumindest Hinweise auf das Fehlverhalten in einem Unternehmen gibt. Für diese Tippgeber hat sich auch im Deutschen der englische Begriff Whistleblower eingebürgert.

In den USA ist es bereits seit einigen Jahren für Konzerne Pflicht, entsprechende Stellen einzurichten, bei denen Mitarbeiter Alarm schlagen können. Nun wird es jedoch neue Anreize für Whistleblower geben, berichtet die "Financial Times" ("FT"). Die neuen finanziellen Anreize für Whistleblower, die Wertpapier-Betrug aufdecken, sind Teil der Reformen für die Wall Street, die im vergangenen Monat verabschiedet wurden. Demnach gilt: Wer Originaldokumente zur Verfügung stellt, die zu einer erfolgreichen SEC-Untersuchung führen, erhält 10 bis 30 Prozent der Strafe, die eine Millionen Dollar übersteigt.

Die "FT" geht davon aus, dass die Beschuldigungen gegen börsennotierte Unternehmen und Wall-Street-Banken deshalb stark steigen werden. Die gefürchtete Börsenaufsicht SEC rechnet damit, dass vor allem Führungskräfte und Dritte durch die siebenstelligen Summen angelockt werden. Die "FT" zitiert den SEC-Mitarbeiter Stephen Cohen mit den Worten: "Die Höhe der Belohnung zeigt, welche Art von Whistleblowern wir uns erhoffen - Leute in der Firma oder Händler, von denen wir bislang noch nichts gehört haben."

Bösartiges Whistleblowing?

"In der jüngeren Vergangenheit gab es SEC-Strafen von bis zu 800 Millionen Dollar", sagt John Coffee, Rechtsprofessor an der Columbia-Universität. "Das ist ein enormer Anreiz für Leute, Tipps zu geben, und für große Kanzleien, diese Leute zu vertreten." In den vergangenen Wochen musste unter anderem die Bank Citigroup eine saftige SEC-Strafe zahlen. Auch der Computerhersteller Dell war betroffen.

Ähnliche Anreizmechanismen für Whistleblower, die Betrug am Staat aufdecken, haben zu einer milliardenschweren Kanzlei-Industrie geführt. Die Rechtsanwälte sind zumeist auf den Gesundheitssektor spezialisiert. Tim Coleman, Partner in der Großkanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer, sagt: "Aufgrund dieser Erfahrung prognostizieren wir deutlich mehr Whistleblowing-Fälle."

Allerdings warnen Experten auch, dass die Höhe der möglichen Zahlungen an Whistleblower dazu führen könnte, dass sich enttäuschte Arbeitnehmer an ihrem Arbeitgeber rächen wollen. "Unser einzige Sorge ist, dass es zu bösartigem Whistleblowing kommt", heißt es etwa bei der Vereinigung für Finanzmärkte in Europa. Die SEC selbst gibt sich entspannt. Die Behörde sei für den erwarteten Anstieg von Untersuchungen gerüstet.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 23 Beiträge
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1. wikileaks
Sandygirl 09.08.2010
...und Wikileaks wird rechtlich vom Präsident und privat durch den Geheimdienst gedroht. Ja, wir glauben Euch alles...
2. aw
kdshp 09.08.2010
Zitat von sysopPetzen muss sich wieder lohnen - nach diesem Motto geht die US-Regierung bei ihrer Finanzreform vor: Sogenannte Whistleblower, die illegale Praktiken in Firmen aufdecken, sollen laut "Financial Times" künftig Prämien in Millionenhöhe erhalten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,710873,00.html
Hallo, finde ich eine super ide und sollten wir in D auch so machen. Warum soll ich nicht wen verpetzen der uns alle betrügt und auch was davon haben siehe steuer CD´s. Obwohl ich es auch umsonst mache also wennich mitbekomme das eine firme betrügt zb. leute schwarz arbeiten läßt rufe ich sofort beim zoll an und das ist auch gut so.
3. Doppelmoral
Kusnetsov 09.08.2010
Während Whistleblowern aus den eigenen Reihen der Prozess gemacht wird und man mit allen Mitteln versucht, Fehler der Regierung zu vertuschen, wird gleichzeitig eine Kultur des sich-gegenseitig-beim-Staat-Verpetzen eingeführt. Diese Haltung ist bereits im Grundsatz höchst verwerflich und erinnert hoffentlich auch andere an vergangen geglaubte Zeiten...
4. Vermutlich besonders gern gezahlt
gsm900, 09.08.2010
Zitat von sysopPetzen muss sich wieder lohnen - nach diesem Motto geht die US-Regierung bei ihrer Finanzreform vor: Sogenannte Whistleblower, die illegale Praktiken in Firmen aufdecken, sollen laut "Financial Times" künftig Prämien in Millionenhöhe erhalten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,710873,00.html
wenn es keine US Firmen betrifft.
5. aw
kdshp 09.08.2010
Zitat von KusnetsovWährend Whistleblowern aus den eigenen Reihen der Prozess gemacht wird und man mit allen Mitteln versucht, Fehler der Regierung zu vertuschen, wird gleichzeitig eine Kultur des sich-gegenseitig-beim-Staat-Verpetzen eingeführt. Diese Haltung ist bereits im Grundsatz höchst verwerflich und erinnert hoffentlich auch andere an vergangen geglaubte Zeiten...
Hallo, noch verwerflicher ist das leute den staat/uns alle betrügen.
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