Illegale Preisabsprachen: Kaffee-Giganten müssen Multimillionen-Kartellstrafe zahlen

160-Millionen-Euro-Strafe für Tchibo, Melitta und Dallmayr: Das Kartellamt hat die drei großen Kaffeeröster wegen illegaler Preisabsprachen zu einer hohen Geldbuße verurteilt. Die Aufseher ermittelten seit mehr als einem Jahr gegen die Unternehmen - sie sollen sich seit dem Jahr 2000 abgesprochen haben.

Kaffeearbeiter (in Indonesien): Absprachen zu Lasten der Verbraucher Zur Großansicht
REUTERS

Kaffeearbeiter (in Indonesien): Absprachen zu Lasten der Verbraucher

Bonn - Illegale Preisabsprachen statt Konkurrenz: Das Bundeskartellamt hat Geldbußen in insgesamt dreistelliger Millionenhöhe gegen die Kaffeeröster Tchibo, Melitta und Dallmayr verhängt. Die Unternehmen hätten sich über Höhe, Umfang und Zeitpunkt der Bekanntgabe sowie das Inkrafttreten beabsichtigter Preiserhöhungen miteinander abgesprochen, teilte die Behörde am Montag mit.

Insgesamt seien Bußgelder in Höhe von 159,5 Millionen Euro gegen die Tchibo GmbH in Hamburg, die Melitta Kaffee GmbH in Bremen und die Münchener Alois Dallmayr Kaffee oHG verhängt worden. Nach den Erkenntnissen des Bundeskartellamtes gab es seit mindestens Anfang 2000 bis zur Durchsuchung der Unternehmen im Juli 2008 Gespräche zwischen den Geschäftsführern und Vertriebsleitern. Dabei seien auch beabsichtigte Preiserhöhungen besprochen worden.

Betroffen waren alle wichtigen Produkte wie Filterkaffee, Espresso und Kaffeepads. Die Absprachen wirkten sich unmittelbar zu Lasten der Verbraucher aus, da der Lebensmittelhandel die Preiserhöhungen in der Regel unmittelbar an diese weitergegeben hat. So führten allein die beiden im Dezember 2004 und im April 2005 angekündigten Preiserhöhungen zu einem Anstieg der Verbraucher- und Aktionspreise für Röstkaffee von durchschnittlich mehr als einem Euro pro 500-Gramm-Packung.

Im Juli 2008 hatten Ermittler die Büros der drei Unternehmen durchsucht, später kamen noch weitere verdächtige Firmen in der Branche dazu. Die Preisabsprachen sollen bis zum Einschreiten der Behörden stattgefunden haben.

böl/ddp/AP/dpa

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insgesamt 17 Beiträge
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1. Baumärkte
phboerker 21.12.2009
Liebes Kartellamt, bitte untersuche doch einmal die Preisentwicklung in den Baumärkten des Landes. Dort haben sich in den letzten zehn Jahren über das gesamte Sortiment Preiserhöhungen von durchschnittlich über 100% ergeben. Es danken Dir Deine Verbraucher und Eigenheimbesitzer!
2. !
The Godfather 21.12.2009
Wenn man mit seinem Auto eine Straftat begeht, wird es Tatwerkzeug eingezogen. Wenn man mit seiner Firma eine ganze Nation betrügt, gibt es ein Bußgeld.
3. An wen gehen die 160 Millionen?
Sapientia 21.12.2009
Zitat von sysop160-Millionen-Euro-Strafe für Tchibo, Melitta und Dallmayr: Das Kartellamt hat die drei großen Kaffeeröster wegen illegaler Preisabsprachen zu einer hohen Geldbuße verurteilt. Die Aufseher ermittelten seit mehr als einem Jahr gegen die Unternehmen - sie sollen sich seit dem Jahr 2000 abgesprochen haben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,668389,00.html
Entwicklungshilfe für die Deutsche Bank AG?
4. Das sind ja Peanuts für die Kaffeeröster!
Viva24 21.12.2009
Die Kafferöster haben über 9 Jahren durch Absprachen verdient. Dazu ein so geringe Strafe, da lohnt es sich ja weiter zu machen. Unser Wirtschaftsytem hat ein Problem, bei immer weniger Anbieter,kann man auch ohne Absprache sein Gewinn durch eine Preispolitik zu ungunsten der Verbraucher machen. Das Kartellamt müsste höhere Strafen verhängen und ggf. enteignen. Das Thema Kaffee ist sehr speziell, wir haben noch eine 100 Jahre alte Kaffeesteuer, um die Schiffe des Kaisers zu finanzieren. Es wäre Zeit diese Steuer zu beenden, da hier kleine Sho-Röstereien ein Zoll-Lager führen müssen, dass ist Wahnsinn!
5. Enteignen=Kommunisten=Ausweisung
gloton7 21.12.2009
Zitat von Viva24Die Kafferöster haben über 9 Jahren durch Absprachen verdient. Dazu ein so geringe Strafe, da lohnt es sich ja weiter zu machen. Unser Wirtschaftsytem hat ein Problem, bei immer weniger Anbieter,kann man auch ohne Absprache sein Gewinn durch eine Preispolitik zu ungunsten der Verbraucher machen. Das Kartellamt müsste höhere Strafen verhängen und ggf. enteignen. Das Thema Kaffee ist sehr speziell, wir haben noch eine 100 Jahre alte Kaffeesteuer, um die Schiffe des Kaisers zu finanzieren. Es wäre Zeit diese Steuer zu beenden, da hier kleine Sho-Röstereien ein Zoll-Lager führen müssen, dass ist Wahnsinn!
Hallo Viva24, pass auf Dich auf! Wer von Enteignung spricht,ist per Definition der heutigen Machthaber ein Kommunist und als solcher zu überwachen oder noch besser auszuweisen. Mit vorauseilendem Gehorsam ermittelt ebenso das Kartellamt, in sich eine zwingend schizophrene Vereinigung: Einerseits soll es den Kapitalismus korrigieren, andererseits kommen von dort die Regeln. Denn wer zahlt, schafft an. Damit die Kritik am Kartellamt nicht zu groß wird, brauchte es nun ein Bauernopfer: die Kaffeeröster. Weil der deutsche Michel bei so großen Zahlen wie Millionen bis jetzt abgeschaltet hat, vermuten die Fädenzieher im Hintergrund, den Krawall auf den Strassen noch etwas hinauszögern zu können. Dabei müssten sie wissen, dass sie die Parasiten im Fleisch des deutschen Volkes sind, die den Wirt auffressen. Wann wird der Wirt anfangen sich zu wehren? Was ist rechtzeitig? Und wenn, wie?
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