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Studie zu Baukosten und Mieten: Staat macht das Wohnen teuer

Bau von Wohnhäusern in Köln: Kostentreiber Staat Zur Großansicht
DPA

Bau von Wohnhäusern in Köln: Kostentreiber Staat

Die Baukosten für ein Mehrfamilienhaus belaufen sich laut einer Studie auf 3080 Euro pro Quadratmeter - 40 Prozent mehr als im Jahr 2000. Schuld ist der Staat, beklagt ein Bündnis aus Baubranche und Mieterbund.

Der Wohnungsbau in Deutschland ist teuer und kompliziert: Wer heute ein Mehrfamilienhaus baut, muss einer Studie zufolge mehr als 100.000 Seiten an Normen und Verordnungen kennen und beachten - und deutlich mehr zahlen. Je Quadratmeter in einem Mehrfamilienhaus haben die Bauherren demnach im vergangenen Jahr 3080 Euro ausgegeben, 40 Prozent mehr als im Jahr 2000, wie ein Bündnis aus Wohnungsunternehmen, Baubranche und Deutschem Mieterbund errechnen ließ. Wohnungen zu bezahlbaren Mieten seien zu diesen Baukosten nicht möglich, kritisierte das Bündnis.

Die reinen Baupreise seien im gleichen Zeitraum lediglich um rund 27 Prozent gestiegen - ähnlich wie die Lebenshaltungskosten. Die zusätzliche Kostensteigerung ist der Studie "Kostentreiber für den Wohnungsbau" zufolge überwiegend "staatlich gemacht": Bund, Länder und Kommunen hätten den Wohnungsbau in den vergangenen Jahren durch Gesetze, Verordnungen, Auflagen, Steuern und Materialanforderungen enorm verteuert.

In dem Verbändebündnis Wohnungsbau haben sich der Deutsche Mieterbund (DMB), die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau), der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB), der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW), der Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW), der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) und die Deutsche Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGfM) zusammengeschlossen.

Gemeinsam haben sie die Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen (ARGE) in Kiel und Baurechtsexperten der Düsseldorfer Kanzlei HFK Rechtsanwälte LLP mit der Kostenanalyse beauftragt.

Die Untersuchung errechnet am Beispiel eines Mustermehrfamilienhauses einen Anstieg der Neubaukosten pro Quadratmeter Wohnfläche von 2209 Euro im Jahr 2000 auf 3080 Euro im vergangenen Jahr. Die Studie nennt vier zentrale Kostentreiber:

  • Bauwerks- und Planungskosten: Die staatlichen Vorgaben für Energieeffizienz, Barrierefreiheit, Brand- und Schallschutz, Schnee-, Sturm- und Erdbebensicherheit hätten die Kosten um 426 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche erhöht.

  • Steuerliche und baurechtliche Vorgaben von Bund und Ländern schlagen der Studie zufolge mit 248 Euro mehr pro Quadratmeter Wohnfläche zu Buche.

  • Bauland: Die Kosten für Grund und Boden sind um 115 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche gestiegen.

  • Auflagen der Kommunen: Eine Umfrage unter 370 Wohnungsunternehmen im Zuge der Studie hat ergeben, dass die Kommunen für einen Kostenanstieg von 82 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche verantwortlich sind.

Das Bündnis fordert Bund, Länder und Kommunen auf, "endlich einzugreifen, um das Wohnen für Haushalte mit durchschnittlichen und unteren Einkommen wieder erschwinglich zu machen". Es sei dringend notwendig, die Kostentreiber beim Wohnungsbau zu begrenzen.

nck

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insgesamt 74 Beiträge
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1.
maxroos 23.04.2015
Eine moderne Öl- oder Gasheizung produziert so wenig Ruß, dass der Kamin vielleicht alle 20 Jahre mal gekehrt werden müsste. Und DAS ist technische ohne weiteres von unten her zu machen. Heißt "Haspeln". Deutschlands Schornsteinfeger, wohl eine der "besten Lobbygruppen im Land (woanders heißt das Korruption), haben es verstanden, dass in fast allen Bundesländern nach wie vor Trittroste OBEN am Kamin angebracht werden müssen, damit die übliche schwarze Show abgezogen werden kann - gegen entsprechenden Obolus natürlich. Pro Trittrost und einschließlich Arbeitszeit kostet dieser Irrsinn etwa 1.600 Toironen - für NIX und wieder NIX! Habs gerade hinter, weil der Herr aller Kamine darauf bestand. Rußzahl NULL Komma NULL!!! Allein das isolierverglaste Ausstiegsfenster kostete mit Montage rund 2.500!!! Und das alles, weil die Politik sich von diesem mittelaterlichen Gewerbe nicht trennen will, weil der Schornsteinfeger als Hiwi für Hausdurchsuchungen gebraucht wird. Steht sogar SO im Gesetzeskommentar. Welch "freies Land" wir doch sind, wo eine kleine schwarze pressure group aus braunen Zeiten ein ganzes Volk mit sinnlosem Gehabe terrorisieren darf! In Holland hätte ich allein wegen des dort nicht existenten Schornsteinfeger-Unfugs fast 10.000 einsparen können!
2.
misterknowitall 23.04.2015
Es ist schon wahr, unsere Bürokratie macht das Bauen teuer. Doch man sollte auch nicht aus den Augen verlieren, dass viele Auflagen wie z.B. die energetischen Aspekte die Unterhaltungskosten enorm senken. Die Baukosten sind nur ein Bruchteil der Kosten, die ein Gebäude in seiner Lebenszeit erzeugt, Unterhalt, Versorgung und Reinigung sind die wahren Kosten. Aber klar, das die Baubranche die Vorteile nicht sieht, es sind ja keine Vorteile für die Baufirma sondern nur für den Betrieber.Und man kann mir viel erzählen.....die Auftragsbücher der meisten Handwerker sind voll und das erzeugt, na, höhere Kosten. Außerdem zeigt es, dass gerade viel bebaut wird, so unwirtschaftlich kann das Bauen also nicht sein.
3. Gut zu wissen
Bondurant 23.04.2015
3.080 €/qm - nehmen wir also mal 5% Bruttojahresertrag, was nicht mit Gewinn verwechselt werden darf, und man ist bei einer Kaltmiete von 12,80 € Minimum pro Monat, 80 qm also 1.024 € kalte Monatsmiete. Tja, da staunt man.
4. 3000€/qm
spon-facebook-10000636865 23.04.2015
Dann rechnet doch bitte auch noch vor, wie hoch denn die Miete liegen muss, damit sich ein Mehrfamilienhaus wirtschaftlich betreiben lässt. Komisch, dass lieber teure Eigentumswohnungen statt Mietshäuser gebaut werden, oder?
5. Als ich vor 20 Jahren.....
joG 23.04.2015
....den Standpunkt vertrat, staatliche Regeln, Regulierung und Gesetze machten das Wohnen teuer und nicht Vermieter, waren meine Freunde alle brüskiert. In Foren fand man kaum Personen, die verstanden, wie das sein kann. Vielleicht sind Sie nun erfolgreicher als ich es war.
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Kleine Typologie der Makler
Kleine Typologie der Makler
Jeder Großstädter kennt zahlreiche Geschichten über abenteuerliche Wohnungsvermittlungen. Makler spielen dabei fast immer eine Rolle. Eine vollkommen unrepräsentative Umfrage in der Redaktion von SPIEGEL ONLINE hat ein paar dieser Geschichten ans Tageslicht gebracht - subjektive, selbst erlebte Einzelfälle allesamt.
Der Abwesende
Wir wussten über Freunde von einer leerstehenden Wohnung. Wir riefen den Makler an, der uns sagte: "Sie können sich die Wohnung jederzeit ansehen - da sind derzeit Handwerker drin." Das taten wir und teilten dem Makler mit, dass wir die Wohnung gerne nehmen würden. Zwei Tage später durften wir den Vertrag unterzeichnen - die beiden Gläser Mineralwasser im Maklerbüro kosteten uns sozusagen zwei Monatsmieten. Plus Mehrwertsteuer.
Der Marktwirtschaftler
Eine Freundin hatte ihre Wohnung gekündigt, ich habe mich bei dem Vermieter gemeldet und Interesse bekundet. Er war einverstanden, hatte aber bereits einen Makler eingeschaltet. Es folgte ein Treffen mit dem Makler in der Wohnung, wozu er ein kurzes Exposé mitbrachte - das war alles. Ich bekam die Wohnung - und eine Rechnung in Höhe von rund 1200 Euro. Auf die Bitte, mit dem Preis herunterzugehen, da er schließlich keine Arbeit mit der Wohnung gehabt hätte, antwortete der Makler: "Aber ich kann Ihnen doch kein Geld schenken. Es gibt noch viele Andere da draußen, die diese Wohnung gern hätten."
Die Sippe
Wir mussten vor dem Einzug unterschreiben, dass wir wissen, dass die Maklerin die Ehefrau des Hausbesitzers ist. Was wir später herausgefunden haben: Vater und Sohn haben den Immobilienbesitz gemanagt, Mutter und Tochter makelten - so bleibt das Geld garantiert in der Familie. Gezahlt haben wir natürlich trotzdem.
Die Satten
Vor vielen Jahren hatte ich auf der Suche nach einer Mietwohnung notgedrungen die Hilfe eines Maklers gesucht. Als ich mich vor kurzem wieder auf die Wohnungssuche machte, habe ich 14 Makler durchtelefoniert - keiner von denen führte überhaupt noch Wohnungsrecherchen durch. Die lachten nur über meine Nachfrage: "Recherche? Nee, das machen wir schon lange nicht mehr. Das sind ja viel zu viele, die suchen."
Die Konkurrenten
Nicht nur die Makler sind zuweilen ärgerlich, sondern auch jene Interessenten, die dem Makler einen Wink mit dem Zaunpfahl geben, um zu zeigen, wie solvent sie sind. Beispiel: Bei einer Besichtigung sagte ein Interessent zum Makler: "Ach, und sagen sie mal: Die Miete bezahlt man hier wirklich monatlich? Also, ich könnte ihnen auch gerne gleich das Geld für das ganze Jahr geben!"
Die Kreative
Ich habe mich damals riesig gefreut, als ich meine Wohnung ohne Makler gefunden hatte. Dann wollte allerdings die Hausverwalterin auf einmal eine dubiose "Vertragsausfertigungsgebühr" von 200 Euro. Das ist zwar gesetzlich nicht zulässig, wird aber trotzdem gemacht - und vermutlich immer gezahlt.
Die Steuersparerin
Meine Maklerin hat mir beim Einzug angeboten, ihr statt der regulären Maklercourtage von 1400 Euro nur 1000 Euro zu geben - schwarz und unter der Hand. Sie sparte damit die Steuer, ich 400 Euro. Ich konnte damals jeden Euro gut gebrauchen und habe das Angebot angenommen.


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