Immobilienblase Goldman-Sachs-Boss räumt Mitschuld an Finanzdebakel ein

Der Druck auf Goldman Sachs nimmt zu - jetzt lenkt der Chef der US-Investmentbank ein, zumindest ein bisschen: Lloyd Blankfein hat öffentlich eine Mitschuld seines Instituts an der Finanzkrise eingeräumt. Mit neuen internen Regeln will er die Börsenaufsicht nun gnädig stimmen.

Goldman-Sachs-Chef Blankfein: Komplexe Wertpapiere nur noch für ausgewählte Kunden
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Goldman-Sachs-Chef Blankfein: Komplexe Wertpapiere nur noch für ausgewählte Kunden


Washington - Der Chef der wegen Betrugs angeklagten US-Großbank Goldman Sachs Chart zeigen, Lloyd Blankfein, hat eine Mitschuld seines Instituts an der Spekulationsblase auf dem US-Immobilienmarkt in den vergangenen Jahren eingeräumt. "Wir haben einen Beitrag zu der Blase geleistet", sagte Blankfein dem Nachrichtensender CNN. Goldman Sachs habe Geld an Regierungen von US-Bundesstaaten oder Kommunen verliehen, an Unternehmen und Immobilienprojekte und dadurch zu deren Verschuldung beigetragen. Auch Verbraucher hätten sich in den vergangenen Jahren überschuldet. In diesem Zusammenhang habe Goldman Sachs eine Rolle gespielt, sagte Blankfein.

Der Kniefall in der Öffentlichkeit ist aber nur der eine Teil der Offensive, mit der Goldman Sachs die US-Börsenaufsicht SEC milde stimmen will. Die Bank plane, ihre Investoren besser über ihre Produkte aufzuklären und sich dies von den Kunden bestätigen zu lassen, berichtet die "Financial Times" und beruft sich auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Gleichzeitig sollten komplexe Wertpapiere wie strukturierte Produkte nur Kunden mit Vorkenntnissen angeboten werden.

Mit diesem Schritt wolle die Bank die Chancen einer außergerichtlichen Einigung mit der SEC erhöhen. Nach Informationen der Zeitung laufen derzeit noch keine Verhandlungen über eine derartige Einigung.

"Die Großen lässt man laufen"

Die Spekulationsblase am US-Immobilienmarkt in den vergangenen Jahren gilt als Auslöser der US-Immobilienkrise und der weltweiten Finanzkrise. In den Jahren nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in New York herrschte in den USA eine Niedrigzinsphase. Auch viele Privatleute bauten in dieser Zeit Häuser, die Preise für Immobilien schienen unaufhaltsam zu steigen. Ab 2007 begannen die Preise dann aber zu stagnieren oder brachen ein. Die Immobilienblase platzte. Da viele US-Hypotheken als Wertpapiere weltweit weiterverkauft worden waren, die mit dem Platzen der Blase ebenfalls an Wert verloren, begann die internationale Finanzkrise.

Die Finanzaufsicht SEC hatte die Aktivitäten von Goldman in diesem Zusammenhang Mitte April unter die Lupe genommen. Der Vorwurf: Die US-Investmentbank habe sogenannte verbriefte Hypothekenkredite mit Hilfe eines Hedgefonds aufgelegt, der gleichzeitig auf den Wertverlust der Papiere spekuliert haben soll. Investoren sollen rund eine Milliarde Dollar verloren haben. Zu den Anlegern, die mit Goldman-Geschäften viel Geld verloren, gehörte auch die ehemals bundeseigene Mittelstandsbank IKB.

Sollte sich die SEC auf eine außergerichtliche Einigung einlassen, könnten alte Vorwürfe wieder laut werden, dass die Behörde mit den Schuldigen der globalen Finanzkrise zu lasch umgeht. Die Investmentbank kommt zunehmend in Bedrängnis. Denn jetzt droht ihr auch ein strafrechtliches Verfahren. Am Freitag wurde bekannt, dass die New Yorker Staatsanwaltschaft prüft, ob ein strafrechtliches Verfahren eingeleitet werden muss.

mik/AFP/dpa-AFX

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insgesamt 10 Beiträge
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Chiefli1 03.05.2010
1. Alles..
bloss Theater. GS hat nichts Unrechtes getan, alles war regelkonform, zumal alle anderen Banken genau gleich geschäftet haben. Statt ein Exempel - das mittel bis langfristig keinem nutzen wird - sollten endlich weltweit striktere Regulierungen (insbesondere punkto Leverage) eingeführt werden!
weltbetrachter 03.05.2010
2. Der Schaden muß nur groß genug sein ...
dann kann man sich alles erlauben und braucht keine Konsequenzen zu fürchten. Wenn das die neue Maxime der Welt ist, dann gute Nacht. Willkommen in der nächsten Krise - und wenn keine da ist, dann basteln wir uns eben eine neue.
Schnibbl 03.05.2010
3. Augenwischerei
Goldman Sachs hat doch nix verbrochen...die Regierung und vor allem die FED muessen doch zur Verantwortung gezogen werden. Beide sind fuer die Credit Expansion verantwortlich, genauso wie fuer die uberdruessige Darlehensvergabe ueber die halbstaatltichen Hypotheken-Instituten Fannie Mae und Freddie Mac... und die naechste Blase kommt bestimmt...
buntesmeinung 03.05.2010
4. immer diese Titel, na gut: RACHE!
Zitat von Chiefli1bloss Theater. GS hat nichts Unrechtes getan, alles war regelkonform, zumal alle anderen Banken genau gleich geschäftet haben. Statt ein Exempel - das mittel bis langfristig keinem nutzen wird - sollten endlich weltweit striktere Regulierungen (insbesondere punkto Leverage) eingeführt werden!
Sollte GS nachweislich gegen Gesetze verstoßen haben, was ich nicht beurteilen kann, dann - aber natürlich nur dann - sollen sie auch nach dem Buchstaben des Gesetzes zur Rechenschaft gezogen werden. Und dann wäre ich auch dafür, ein Exempel zu statuieren, d.h. den Gesetzesrahmen voll auszuschöpfen. Striktere Regulierungen sind schon lange überfällig. Doch hier will ich kein entweder oder, sondern - wo immer möglich - ein sowohl als auch. Wer daran beteiligt ist, ganze Volkswirtschaften an den Rand des Abgrunds gebracht zu haben und die Krise dann auch wieder zur Gewinnmaximierung nutzt, verdient kein Pardon. Ich gebe auch gerne offen zu, dass ich es äußerst unbefriedigend finde, dass einige wenige so großen Schaden anrichten können und dann auch noch ungeschoren davonkommen sollen. Ich will "Blut" sehen!
skanti 03.05.2010
5. .
Zitat von SchnibblGoldman Sachs hat doch nix verbrochen...die Regierung und vor allem die FED muessen doch zur Verantwortung gezogen werden. Beide sind fuer die Credit Expansion verantwortlich, genauso wie fuer die uberdruessige Darlehensvergabe ueber die halbstaatltichen Hypotheken-Instituten Fannie Mae und Freddie Mac... und die naechste Blase kommt bestimmt...
Eine Blase ist keine Anomalie auf dem Markt, es ist bloß eine Überladungsreaktion, was den Markt harmonisiert und ein neues Gleichgewicht schafft. Die Frage ob eine nächste Blase kommt? Bestimmt, jedoch denke ich nicht auf dem Real Estate Markt.
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