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Immobilienboom in China: "Die Blase wird platzen"

Chinas Wirtschaft wächst und wächst - trotzdem pumpt die Regierung weitere Milliarden in die Märkte, in der Folge schießen die Immobilienpreise in die Höhe. Finanzexperte Yi Xianrong warnt im SPIEGEL-ONLINE-Interview vor einer gigantischen Blase: "Spekulanten missbrauchen den Markt."

Börsentafel in Shanghai: "Die Lage am Immobilienmarkt ist viel ernster als vermutet" Zur Großansicht
dpa

Börsentafel in Shanghai: "Die Lage am Immobilienmarkt ist viel ernster als vermutet"

SPIEGEL: Im Kampf gegen die Krise pumpt die chinesische Regierung gewaltige Geldsummen in die Volkswirtschaft. In der Folge ziehen die Immobilienpreise rasant an. Pustet China eine gefährliche Spekulationsblase auf?

Yi: Die Lage am Immobilienmarkt ist viel ernster als es die wirtschaftlichen Daten vermuten lassen. Die Immobilienpreise steigen monatlich um etwa zehn Prozent, in einem Jahr haben sie sich fast verdoppelt. In Städten wie Shenzhen - der südchinesischen Wirtschaftsmetropole an der Grenze zu Hongkong - klettern die Preise noch rasanter.

SPIEGEL: Mit seinem gigantischen Konjunkturprogramm weckte China die Hoffnung, auch den Rest der Welt aus der Krise zu befreien.

Yi: Ja, aber dieser Stimulus wurde verordnet, obwohl unser Land von der eigentlichen Finanzkrise nicht unmittelbar betroffen war. Immerhin wuchs unsere Wirtschaft ja noch. Bei einem Wachstum von sechs bis acht Prozent des Bruttoinlandsprodukts konnte man kaum von Krise sprechen. Gleichwohl fördert China die Vergabe von Immobilienkrediten jetzt so massiv wie kaum ein anderes Land: Selbst in den USA müssen Hauskäufer mehr als fünf Prozent Zinsen für Kredite zahlen, in China dagegen nur knapp über vier Prozent. Deshalb nehmen so viele Leute Bankkredite auf und heizen so den Immobilienmarkt an.

SPIEGEL: Gilt das nur für große Ballungszentren wie Peking oder Shanghai?

Yi: Nein, betroffen sind auch sogenannte sekundäre Großstädte wie Kunming oder Wuhan. Derzeit wetteifern Banken, lokale Regierungen und neureiche Käufer darum, diese Blase noch weiter anzuheizen.

SPIEGEL: Allein in den ersten neun Monaten des Jahres haben staatliche Banken rund 150 Prozent mehr Kredite vergeben als im Vorjahr. Warum ermutigt die Regierung die Institute, Risiken in solchem Ausmaß einzugehen?

Yi: Bislang scherte sich die Zentralregierung nicht allzu sehr um die Gefahr einer Blase. Ihre größte Sorge war das Wirtschaftswachstum. Aber wir dürfen uns nichts vormachen: Eines Tages wird die Blase auf dem Immobilienmarkt platzen. Und als nächstes folgt dann eine Krise unseres Bankensystems. Denn die Leute kaufen ihre Appartements ja eben nicht mit ihrem eigenem Geld - sondern mit den Krediten der Banken. Die chinesische Notenbank und die Bankenaufsicht wissen um den Ernst der Lage, aber sie stoßen auf starken Widerstand von lokalen Regierungen und Banken.

SPIEGEL: Was sollte Peking konkret tun, um Luft aus der Blase zu lassen?

Yi: Es gibt zwei Wege, um den überhitzten Immobilienmarkt abzukühlen: Zum einen gilt es, die Vergabe von Bankkrediten zu verringern und so neue Investitionen zu begrenzen. Die zweite Methode besteht darin, die Zinsen zu erhöhen. Die vergünstigten Zinsen für Wohnungskredite sollten abgeschafft werden.

SPIEGEL: Übertreiben Sie nicht mit Ihren Warnungen? Könnte der chinesische Staat die Banken im Falle einer Krise nicht einfach mit seinem vielen Geld retten? Immerhin handelt es sich fast ausschließlich um Staatsinstitute.

Yi: Ich warne vor den moralischen Konsequenzen. Wenn ein Bankmanager Kredite vergibt, wird er dafür mit viel höheren Boni belohnt als nötig. Aber wenn er auf diese Weise Geld verspielt, muss die Gesellschaft für die Verluste einstehen - das ist nicht in Ordnung.

SPIEGEL: Befindet sich Peking nicht in einem Dilemma? Wenn die Regierung die Banken zu schnell zwingt, die Kreditvergabe zurückzufahren, könnte das Wirtschaftswachstum sich abschwächen, bevor die globale Nachfrage nach chinesischen Exporten sich erholt hat.

Yi: Ein solches Dilemma sehe ich nicht. Unsere Wirtschaft wächst mit 8,9 Prozent, für das vierte Quartal erwarten wir gar ein Wachstum von neun bis zehn Prozent. Mir persönlich wäre ein Wachstum von drei oder fünf Prozent lieber, wenn es nachhaltig wäre und wenn wir es realisieren könnten, ohne eine gefährliche Immobilienblase zu erzeugen. In den meisten Ländern besitzen die Menschen nur je ein Appartement. Und in China? Dieser Tage kaufen die Leute bei uns gleich acht oder zehn Wohnungen nacheinander. Diese Politik, derart viel Liquidität in den Immobilienmarkt zu pumpen, ist völlig kurzsichtig. Und ich fürchte, wir werden das alles noch schwer bereuen.

SPIEGEL: Könnte China in eine ähnlich dramatische Situation geraten wie Japan in den achtziger Jahren?

Yi: Sicher gibt es Ähnlichkeiten zwischen China und Japan, allerdings ist die Lage in China sogar noch gefährlicher. Denn Japan war damals bereits eine fest verankerte Marktwirtschaft, es verfügte über ein starkes System gesetzlicher Regeln und Kontrollen. China dagegen muss ein solches System erst noch entwickeln. Wir müssen verhindern, dass der Markt durch einflussreiche Gruppen von Spekulanten missbraucht wird.

Das Interview führte Wieland Wagner

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Forum - Haben die Banken aus der Krise gelernt?
insgesamt 1528 Beiträge
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1. Nein,
saul7 16.11.2009
Zitat von sysopEin Jahr nach dem Beinahe-Kollaps der Finanzbranche fassen die Banker wieder Mut: Bei einem Gipfeltreffen in Frankfurt debattierten Ackermann und Co. die Lehren aus der Krise - und mokierten sich vor allem über die Regulierungswut der Regierungen. Haben die Banken Ihrer Meinung nach eigentlich etwas aus der Krise gelernt? Diskutieren Sie mit!
die Banken haben nichts aus der Krise gelernt, weil die Politik ihnen nicht längst überfällige Regularien verpasst hat. Die Zockerei darf also weitergehen. Auf eine Entschuldigung der Banken darf noch gewartet werden!!
2. warum auch?
hajott59, 16.11.2009
Nein, die haben nichts gelernt. Warum sollten sie auch? Wenn es eng wird, kommt das große Füllhorn über sie und gut ist!
3. ackermänner in handschellen, statt mit viktory zeichen
yato, 16.11.2009
es wurde auf beiden seiten des atlantiks versäumt die gigantischen staatshilfen an knallharte bedingungen zu koppeln und noch etwas noch wichtigeres wurde versäumt: den bankstern klarzumachen, dass nicht nur der kunde in den knast kommt, der eine bank überfällt, sondern dass dies auch umgekehrt gilt, wenn eine bank ihre kunden überfällt. man könnte dies noch nachholen... denn die heutige welt braucht ackermänner in handschellen, statt mit viktory zeichen zumindest beim nächsten mal, wenn die jungs den karren nochmal in den dreck fahren, (was absehbar ist) müssen sie entmachtet werden! geteert und gefedert und vor allem ihre gewinne und vermögen die heute schon faktisch auf kosten des steuerzahlers gehen, eingezogen werden! die scheinen nicht auf vernunft, sondern nur auf die peitsche zu hören, denn sie machen weiter wie vorher und fühlen sich sicher mit ihrer mächtigen lobby armee und ihre geburtstagsfeiern mit kanzlerin so gehts nicht!
4. ackermänner in handschellen, statt mit viktory zeichen
yato, 16.11.2009
es wurde auf beiden seiten des atlantiks versäumt die gigantischen staatshilfen an knallharte bedingungen zu koppeln und noch etwas noch wichtigeres wurde versäumt: den bankstern klarzumachen, dass nicht nur der kunde in den knast kommt, der eine bank überfällt, sondern dass dies auch umgekehrt gilt, wenn eine bank ihre kunden überfällt. man könnte dies noch nachholen... denn die heutige welt braucht ackermänner in handschellen, statt mit viktory zeichen zumindest beim nächsten mal, wenn die jungs den karren nochmal in den dreck fahren, (was absehbar ist) müssen sie entmachtet werden! geteert und gefedert und vor allem ihre gewinne und vermögen die heute schon faktisch auf kosten des steuerzahlers gehen, eingezogen werden! die scheinen nicht auf vernunft, sondern nur auf die peitsche zu hören, denn sie machen weiter wie vorher und fühlen sich sicher mit ihrer mächtigen lobby armee und ihre geburtstagsfeiern mit kanzlerin so gehts nicht!
5. ackermänner in handschellen, statt mit viktory zeichen
yato, 16.11.2009
es wurde auf beiden seiten des atlantiks versäumt die gigantischen staatshilfen an knallharte bedingungen zu koppeln und noch etwas noch wichtigeres wurde versäumt: den bankstern klarzumachen, dass nicht nur der kunde in den knast kommt, der eine bank überfällt, sondern dass dies auch umgekehrt gilt, wenn eine bank ihre kunden überfällt. man könnte dies noch nachholen... denn die heutige welt braucht ackermänner in handschellen, statt mit viktory zeichen zumindest beim nächsten mal, wenn die jungs den karren nochmal in den dreck fahren, (was absehbar ist) müssen sie entmachtet werden! geteert und gefedert und vor allem ihre gewinne und vermögen die heute schon faktisch auf kosten des steuerzahlers gehen, eingezogen werden! die scheinen nicht auf vernunft, sondern nur auf die peitsche zu hören, denn sie machen weiter wie vorher und fühlen sich sicher mit ihrer mächtigen lobby armee und ihre geburtstagsfeiern mit kanzlerin so gehts nicht!
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Zur Person
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Yi Xianrong, 51, ist Professor am Institut für Finanz- und Bankwesen der Chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften. Die Akademie gilt als die staatliche Denkfabrik in Peking.

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