Immobilienboom Wohnungsbau erreicht Zwölfjahreshoch

Die Niedrigzinsen treiben Investition in Immobilien weiter in die Höhe. Die Zahl neugebauter Wohnungen zog 2016 um zwölf Prozent an. Dennoch hinkt sie laut Bauministerium der Nachfrage immer noch weit hinterher.

Zimmermann bei der Arbeit
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Zimmermann bei der Arbeit


Die Zeiten sind weiterhin gut für Bauunternehmer und Handwerker: Der Boom im deutschen Wohnungsbau hält an - weil auch die Nachfrage nach Wohnraum weiter steigt. So wurden im vergangenen Jahr 277.700 Wohnungen fertig gestellt, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mitteilte. Das waren 12,1 Prozent mehr als im Vorjahr. Noch mehr Wohnungen waren zuletzt 2004 gebaut worden (278.000).

Die Baubranche profitiert seit Jahren von den extrem niedrigen Zinsen, die Kredite für Wohnungen und Häuser günstig machen und zudem auch Großinvestoren aus Mangel an Anlagealternativen zu Immobilienkäufen treiben. Das lässt Kaufpreise und Mieten vielerorts immer höher steigen. Hinzu kommt die Zuwanderung nach Deutschland, die gerade in den Ballungszentren für einen zusätzlichen Bedarf an Wohnungen sorgt.

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Der Anstieg der Fertigstellungen war bei Wohnheimen mit Abstand am höchsten (plus 59,3 Prozent). Dazu zählen auch Flüchtlingsunterkünfte. Stark wuchs auch die Zahl der fertigen Wohnungen in Mehrfamilienhäusern (plus 9,6 Prozent.) Bei Einfamilienhäusern (plus 3,7 Prozent) und Zweifamilienhäusern (plus 2,5 Prozent) waren die Zuwächse geringer.

Trotz des Baubooms bleibt die Zahl der errichten Wohnungen hinter der Nachfrage zurück. "Wir sind auf dem richtigen Weg, müssen aber noch weitergehen", sagte Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD). "Wir brauchen insgesamt mindestens 350.000 neue Wohnungen pro Jahr."

Ein Grund für die Angebotslücke sind Engpässe bei der Fertigstellung genehmigter Bauten. Seit Jahren werden pro Jahr deutlich mehr neue Wohnungen genehmigt, als tatsächlich gebaut werden. Auch 2016 war das wieder so: Die Zahl der Baugenehmigungen stieg um 20 Prozent auf 374.000 Wohnungen.

Laut Statistischem Bundesamt beläuft sich der Überhang genehmigter, aber noch nicht zu Ende gebauter Wohnungen auf derzeit insgesamt 605.000. Ursachen seien der Mangel an Bauland, hohe Auflagen beim Bau und andere bürokratische Hemmnisse, kritisiert der Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen.

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beb/dpa-AFX



insgesamt 11 Beiträge
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tomsnap 23.05.2017
1. Baugenehmigung nur mit Bauland!
Der Überhang von genehmigten zu fertiggestellten Wohnungen kann nur indirekt mit fehlendem Bauland zu tun haben, es ist der Spekulation geschuldet. Es gibt sog. Immobilienentwickler die lediglich Grundstücke mit Baugenehmigung höchstbietend weiterverkaufen wollen ... oder erst anfangen zu bauen wenn ein Großteil der Wohnungen fest verkauft sind, und bei den Preisvorstellungen kann das dauern
tizian 23.05.2017
2.
Die Lücke entsteht hauptsächlich, weil der Staat vor etwa 20 Jahren meinte, sich aus dem Wohnungsbau zurückziehen zu können, da der Markt schon alles regelt. Hat er nicht. Die Versäumnisse der letzten Jahre werden viel Geld kosten, mehr als sie eingespart haben.
denkdochmalmit 23.05.2017
3. angeblicher Wohnungsmangel
Es gibt in Deutschland keinen Wohnungsmangel, sonst hätten wir ja massenhaft Obdachlose. Das ganze Thema wird hochgejazzt und der Kernpunkt des Problems aber nicht angesprochen. Wenn alle illegalen Einwanderer das Land verlassen würden, hätten wir wieder einen gesunden Leerstand und bezahlbare Mieten.
GoaSkin 23.05.2017
4. die Ausweisung von Baugebieten wird durch die Kommunalpolitiker regelrecht verschlagen
Es gibt zu wenige Baugebiete, um der Nachfrage nach Immobilien gerecht zu werden. Der Grund ist dabei wirklich nicht die ökologische Bedenklichkeit, ungenutzte Flächen zu bebauen. Es gäbe genügend Industriebrachen und anderweitig ungenutzte Baugrundstücke, die man umwidmen müsste und auch politisch dabei hinterher sein müsste, dass dort eine Bebauung stattfindet. Aber die Kommunalpolitiker sind sich zu bequem, um diesbezüglich die Vorarbeiten zu leisten. Sie haben meist keine Lust, mit den Besitzern von Bauruinen und Industriebrachen zu verhandeln.
misterknowitall2 23.05.2017
5. @denkdochmalmit
na sicher. wenn alle deppen wegziehen passt das auch wieder. auf welchem Planeten leben sie denn? die Unterkünfte in denen Ausländer leben müssen, würde eine gute Deutsche Familie ums verrecken nicht einziehen. ihre Schlussfolgerung ist unglaublich falsch. ach, es gibt schon einen Mangel an gutem, bezahlbaren Wohnraum. die mieten sind deswegen so hoch. denkdochmalmit, oder ist der Name nur Makulatur?
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