Eine Million Mieter Wohnungskonzerne planen Großfusion

Die deutsche Immobilienbranche steht vor einem Mega-Zusammenschluss: Deutsche Annington und Gagfah wollen fusionieren. Gemeinsam würden beide Konzerne 350.000 Wohnungen verwalten. Eine Million Mieter sind betroffen.

Gagfah-Wohnkomplex in Dresden: Mieter sollen profitieren
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Gagfah-Wohnkomplex in Dresden: Mieter sollen profitieren


Bochum/Mülheim an der Ruhr - Mit der Deutschen Annington und Gagfah wollen zwei der größten Immobilienkonzerne hierzulande zusammengehen. Sollte der Zusammenschluss gelingen, würde Deutschlands größter Immobilienkonzern mit insgesamt rund 350.000 Wohnungen im Wert von 21 Milliarden Euro entstehen. "Es werden mehr als eine Million Menschen bei uns wohnen", sagte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Annington, Rolf Buch. Auch die Mieter sollen von dem Zusammengehen profitieren.

Die Deutsche Annington Chart zeigen zahlt jeweils die Hälfte der gebotenen 3,9 Milliarden Euro in bar und in eigenen Aktien. Das entspreche 18 Euro je Gagfah-Aktie Chart zeigen, 16 Prozent mehr als der Schlusskurs vom Freitag. Es müssen mindestens 50 Prozent der Anteile zusammenkommen. Die beiden Unternehmen erhoffen sich durch die Übernahme Kosteneinsparungen in Höhe von 84 Millionen Euro im Jahr - wobei dafür auch erst einmal Belastungen in Höhe von circa 310 Millionen Euro anfallen sollen. Die Zinsen auf die milliardenschweren Schulden der Wohnungsgesellschaften sollen Buch zufolge deutlich sinken, weil dem neuen Unternehmen ein besseres Rating winke.

Bei der Hebung von Synergien stehe nicht der Abbau von Arbeitsplätzen im Vordergrund, hieß es in einer Mitteilung. "Die Mitarbeiterzahl wird tendenziell steigen." Annington verfolge anders als Gagfah bisher das Ziel, Arbeiten wie Wartung und Objektbetreuung selbst zu übernehmen statt an Dienstleister zu vergeben.

Neue Unternehmenszentrale zwischen Bochum und Mühlheim

Es soll eine neue Unternehmenszentrale im Einzugsgebiet der beiden jetzigen Unternehmenszentralen in Mülheim an der Ruhr und Bochum entstehen. Dabei gebe es aber noch keine Festlegung. Auch über einen neuen Namen sei noch nicht entschieden, sagte Buch.

Die Unternehmen betonten die Vorteile für die Mieter, denen weiterhin bezahlbarer Wohnraum zur Verfügung stehen soll. "Ich persönlich stehe dafür ein, dass die Neuausrichtung auch im zusammengeschlossenen Unternehmen konsequent weitergeführt wird", erklärte Annington-Chef Buch laut der Mitteilung. Buch soll im neuen Unternehmen Vorstandsvorsitzender werden. Der Vorstandschef der Gagfah, Thomas Zinnöcker, soll sein Stellvertreter werden. Zinnöcker sagte: "Unseren Mietern kann ich versprechen, dass die Gagfah alle abgeschlossen Vereinbarungen einhält und dass die gemeinsame Gesellschaft sich an ihrem Anspruch als sozial verantwortlicher Vermieter messen lässt."

Der Bundesdirektor des Deutschen Mieterbundes (DMB), Lukas Siebenkotten, appellierte an die Verantwortung des entstehenden Immobilienriesen, der künftig mehr Wohnungen vermieten werde als Kirchen und andere Organisationen ohne Erwerbszweck. "Aus dieser Größe wächst auch die Verantwortung für die eigenen Immobilienbestände und den Wohnungsmarkt insgesamt. Wir hoffen, dass die Deutsche Annington aus Fehlern lernt, verstärkt in die Instandsetzung und Instandhaltung ihrer Wohnungen investiert und die Anküdigungen von Herrn Buch nicht bloß Leerformeln bleiben", sagte Siebenkotten.

Annington und Gagfah sind auf ähnliche Weise entstanden. Finanzinvestoren hatten staatliche und Werkswohnungen gekauft, mit Schulden finanziert und letztlich an die Börse gebracht. Die Gagfah hatte unter der Ägide des Investors Fortress Chart zeigen mit den Wohnungen der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA) angefangen und dann die kommunalen Wohnungsgesellschaften Nileg in Hannover und Woba in Dresden hinzuerworben. Die Deutsche Annington besteht aus ehemaligen Eisenbahner-Wohnungen und den ehemaligen Werkswohnungen von E.on und RWE Chart zeigen. Der Investor Terra Firma hatte sie 2013 an die Börse gebracht, Gagfah ist dort seit 2006 notiert.

mik/dpa/Reuters



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insgesamt 63 Beiträge
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Seite 1
hubidubi 01.12.2014
1.
Und in ein paar Jahren jammern wieder ein paar Ostdeutsche, dass die Wohnungen nicht saniert werden. Dabei gilt hier: Eure Politiker haben von der Wand bis zur Tapete geplant und den Wohnungsbestand verscherbelt um die Stadt-Bilanzen aufzubessern. Und jetzt kommt die Annington - viel Spaß schon Mal.
tearix 01.12.2014
2.
Speziell die Gagfah ist nicht gerade für Mieterfreundlichkeit bekannt, aber anders ist in dieser Branche wohl kein Geld zu vedienen. Denn Vermieten ist in Deutschland ein schlechtes Geschäft: Die Mieten sind niedrig, so mancher Klein-Vermieter zahlt heute bereits kräftig drauf ohne es zu merken. Somit ist das Zusammengehen ein logischer Schritt. Synergien nutzen um effizienter zu arbeiten auf einem insgesamt unerfreulichen Markt.
fridagold 01.12.2014
3.
Na, da haben sich ja die beiden richtigen Heuschrecken gefunden...
kdshp 01.12.2014
4.
Dann werden die mieten steigen. Was aber auch von nöten ist da auch hier sanierungsbedarf besteht. Wer gut wohnen will muss eben auch was bezahlen und nicht auf "geiz ist geil" machen.
NormanR, 01.12.2014
5. da finden ja die richtigen Heuschrecken
und Abzocker zusammen. Sitz in Luxemburg. Klar. Wer sowas genehmigt ist asozial.
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