Immobilienkrise Morgan Stanley macht milliardenschweren Fonds dicht

Die Krise auf dem Gewerbeimmobilienmarkt setzt Morgan Stanley zu. Die US-Bank muss einen riesigen Fonds vorläufig schließen. Auch der US-Häusermarkt kommt nicht aus der Krise: Der Baufinanzierer Fannie Mae braucht neue Milliarden vom Staat.

Häuserverkauf in Amerika: Immobilienkrise verschärft sich
DPA

Häuserverkauf in Amerika: Immobilienkrise verschärft sich


Frankfurt am Main/Wahsington - Das 750-Milliarden-Euro-Paket der EU provoziert rund um den Globus Börseneuphorie - auf dem Immobilienmarkt dagegen verdüstern sich die Aussichten: Die anhaltende Flaute auf den Gewerbeimmobilienmärkten bringt immer mehr Fonds in Bedrängnis.

So kündigte die US-Bank Morgan Stanley am Montag an, für ihren Fonds P2 Value vorübergehend keine neuen Anteile mehr auszugeben. Damit ist der Fonds nun komplett dicht, aus Angst vor massiven Mittelabflüssen werden schon seit Monaten keine Anteile mehr zurückgenommen. "Eine Liquidierung ist nicht ausgeschlossen", sagte Walter Klug, Geschäftsführer von Morgan Stanley Real Estate Investment.

Der im November 2005 aufgelegte Morgan Stanley P2 Value verwaltete Ende März ein Vermögen von über zwei Milliarden Euro. Knapp ein Drittel des Portfolios befindet sich in Japan. Der dortige Gewerbeimmobilienmarkt - insbesondere außerhalb Tokios - sei im Moment ausgesprochen schwierig, erläuterte Klug.

Es verwies zudem auf einen Diskussionsentwurf des Bundesfinanzministeriums, der die Branche seit Tagen in Unruhe versetzt. Demnach sollen die Anleger künftig frühestens nach zwei Jahren ihre Anteile verkaufen können und eine ebenso lange Kündigungsfrist einhalten müssen. Zudem sollen Fonds mit einem deutlich reduzierten Wert ihrer Immobilien kalkulieren, um Anleger vorsorglich vor Einbußen durch Abwertungen zu schützen. Vor allem gegen diese pauschale Bestandsabwertung laufen die Fonds Sturm.

Nach Bekanntwerden der Pläne haben viele Anleger in Deutschland Geld aus Offenen Immobilienfonds abgezogen. In der Folge stoppten in der vergangenen Woche bereits die Fonds KanAm Grundinvest und SEB Immoinvest die Rücknahme ihrer Anteile für zunächst drei Monate.

Klug bezeichnete einige der im Gesetzentwurf enthaltenen Punkte als "sinnvoll", etwa die diskutierten Mindesthaltefristen. "Aber eine pauschale Abwertung der Bestände lehnen wir ab. "Immobilienfonds wie auch -firmen lassen den Wert ihrer Bestände - der abhängig ist von der Entwicklung der Verkäufe und Vermietungen auf dem Immobilienmarkt - zumeist von selbst ausgewählten Gutachtern ermitteln.

US-Baufinanzierer Fannie Mae braucht noch mehr Staatshilfe

Auch der amerikanische Häusermarkt kommt nicht aus der Krise: Nachdem letzte Woche schon Freddie Mac beim Staat um weitere 10,6 Milliarden Dollar gebeten hat, fordert nun auch Fannie Mae zusätzliche 8,4 Milliarden. Der halbstaatliche Immobilienfinanzierer meldete für das erste Quartal einen Verlust von 11,5 Milliarden Dollar.

Viele US-Bürger können ihre Hypothekarraten nicht bezahlen, weil sie wegen der Krise ihren Job verloren haben. Fannie Mae und Freddie Mac stehen direkt oder indirekt hinter der großen Mehrheit aller Hypotheken des Landes und spielen eine entscheidende Rolle für die Stabilisierung des Immobilienmarkts. Beide Unternehmen gerieten 2008 in schwere Turbulenzen und mussten von der Regierung aufgefangen werden. Diese hat ihnen unbegrenzte Kredite bis 2012 zugesagt, welche die Firmen nun auch in Anspruch nehmen.

Die finanzielle Belastung für den Steuerzahler steigt mit den neuen Forderungen auf insgesamt 145 Milliarden Dollar. In Washington wird über eine Neuorganisation von Fannie und Freddie nachgedacht. Die Administration von Präsident Barack Obama würde damit gerne bis nächstes Jahr warten, aber die Republikaner haben während der Verhandlungen um die Finanzmarktreform den Druck erhöht, dies schneller anzupacken.

ssu/AFP/dpa-AFX/Reuters



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