Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Immobilienpreise in London: Pause beim Monopoly

Von , London

Blick auf London: Ist es mal wieder so weit, platzt nun die Blase? Zur Großansicht
REUTERS

Blick auf London: Ist es mal wieder so weit, platzt nun die Blase?

Platzt jetzt die Blase? Nach Jahren des rasanten Anstiegs fallen die Londoner Immobilienpreise wieder. Die Korrektur in dem überhitzten Markt ist überfällig.

In den vergangenen Jahren kannte der Londoner Immobilienmarkt nur eine Richtung: nach oben. Der Crash von 2007 war längst vergessen, die Preise stiegen auf Rekordhöhen. Der Durchschnittspreis für eine Wohnung in der britischen Hauptstadt beträgt inzwischen eine halbe Million Pfund.

Doch nun häufen sich die schlechten Nachrichten für Immobilienbesitzer. Im August fielen die Kaufpreise in London um 5,9 Prozent gegenüber dem Juli. Das ergab eine Auswertung aller Angebote auf dem Immobilienportal Rightmove. Noch alarmierender: Es war der dritte Monat in Folge, dass die Preise sanken.

Makler melden steigende Zahlen von Eigentümern, die ihr Haus loswerden wollen. Viele wollten auf dem Höhepunkt des Marktes aussteigen, sagte Paul Smith, Chef der Maklerfirma Spicerhaart, der Zeitung "City AM". Demgegenüber stehen zunehmend vorsichtige Käufer, die von den Mondpreisen und möglichen Zinssteigerungen der Bank of England abgeschreckt werden.

Der Verband der Immobilienexperten, das Royal Institute of Chartered Surveyors, meldet einen deutlichen Rückgang der Kaufanfragen. Dieser Frühindikator lässt auf weniger Transaktionen in der zweiten Jahreshälfte schließen.

Die Blase wächst weiter, nur langsamer

Der Trend führt in der immobilienverrückten Metropole zu besorgten Dinnergesprächen: Ist es mal wieder so weit, platzt nun die Blase? Bislang wiegeln Makler und Ökonomen noch ab. Sie erwarten, dass die Blase weiter wächst, nur langsamer. In den zwölf Monaten bis Juni sind die Londoner Hauspreise laut der nationalen Statistikbehörde ONS um 19,3 Prozent gestiegen. Solche schwindelerregenden Wertzuwächse soll es auf absehbare Zeit nicht geben.

Stattdessen prognostiziert die Maklerfirma Hamptons International für das kommende Jahr einen Preisanstieg von drei Prozent - nach 15 Prozent in diesem Jahr. Die Ökonomen von Capital Economics sagen für 2015 ein Wachstum von sechs Prozent voraus.

Das sind immer noch relativ hohe Zahlen, die zudem deutlich über dem Wachstum der Löhne und Gehälter liegen. Man könne also kaum von einem Platzen der Blase sprechen, kommentierte der "Observer".

In einigen Zirkeln wird die Entspannung auf dem Wohnungsmarkt sogar begrüßt. Der Bank of England und der britischen Regierung kommt der Preisverfall entgegen, weil er die Inflationsrate drückt. Sie liegt derzeit bei 1,6 Prozent. Für den Fall, dass sie über zwei Prozent steigt, hat Zentralbankchef Mark Carney eine Erhöhung des Leitzinses angekündigt. Hypotheken würden teurer, viele überschuldete Briten stünden vor dem Ruin. Das käme der Regierung von Premier David Cameron vor der Unterhauswahl im Mai 2015 außerordentlich ungelegen.

Langfristig werden die Immobilienpreise in London wohl weiter steigen, das legen die fundamentalen Wirtschaftsdaten nahe. Die Bevölkerung der Stadt wächst schneller, als neue Wohnungen gebaut werden, der Wohnungsmangel wird also jedes Jahr größer. Dazu kommt die Nachfrage ausländischer Investoren, die ihr Kapital im sicheren Hafen London anlegen wollen. Wie es aussieht, macht das Londoner Immobilien-Monopoly gerade nur eine kleine Pause.

Hochhaus-Boom in London

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 19 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
kjartan75 20.08.2014
Berlin lässt sich in kleinerem Rahmen mit London vergleichen. Hier sind die Mieten exorbitant in den letzten Jahren gestiegen. Meine Wohnung würde jetzt das doppelte Kosten wie vor 5 Jahren als ich hier einzog. Löhne und Gehälter kommen da längst gar nicht mehr hinterher, wie auch in London. Einzig und allein den wachsenden Einwohnerzahlen und zunehmenden Attraktivität ist diese Mietsteigerung zu verdanken und den seit einigen Jahren sehr vielen ausländischen Investoren gerade aus dem russischsprachigen Raum.
2. Pfeifen im dunklen Wald
Spiegelwahr 20.08.2014
Die Behauptung, dass die Preise im nächstem Jahr steigen werden, funktioniert nur, wenn es Käufer gibt, die sehenden Auges jeden Preis bezahlen. Laut Kapitalismus sinken die Preise bei einem Überangebot. Preissteigerung gibt es nur, wenn die Nachfrage höher ist, wie das Angebot. Ich kann nicht sagen, wann der Immobilienmarkt in London zusammenbrechen wird, nur das der Immobilienmarkt in London zusammenbrechen wird, wenn die Bankforderung den Erlös aus dem Immobilienhandel übersteigen und es Zwangsversteigerung von Immobilen geben wird. Aber was kümmern mich die Probleme der Reichen.
3. Nein, nein, nein...
praesidente 20.08.2014
... es gibt keine Immobilienblase, sondern nur eine normale und ausgewogene Entwicklung, sagte der Makler.
4.
thomas.b 20.08.2014
Zitat von kjartan75Berlin lässt sich in kleinerem Rahmen mit London vergleichen. Hier sind die Mieten exorbitant in den letzten Jahren gestiegen. Meine Wohnung würde jetzt das doppelte Kosten wie vor 5 Jahren als ich hier einzog. Löhne und Gehälter kommen da längst gar nicht mehr hinterher, wie auch in London. Einzig und allein den wachsenden Einwohnerzahlen und zunehmenden Attraktivität ist diese Mietsteigerung zu verdanken und den seit einigen Jahren sehr vielen ausländischen Investoren gerade aus dem russischsprachigen Raum.
Genau das war auch mein Gedanke. In Berlin kommt das auch noch dicke. Eigentumserwerb ist eben Spekulation und nur ein Träumer glaubt an unendliches Wachstum.
5. aus die Maus
ofelas 20.08.2014
In London und UK wird der Immobilienmarkt platzen! GB hat die weltweit hoechste Verschuldung pro Kopf wenn man Staats, Banken und persoenliche Verschuldung zusammenzaehlt. Das Land hat X Milliarden (Quantitative Easing) and Staatsanleihen gedruckt und dann selbst aufgekauft, zuletzt auch weil es sonst niemand mehr macht. Jaehrlich steigen die Staatsschulden um 100 Milliarden und mehr Loehne und Gehaelter sind seit Jahren stagnierend bzw Ruecklauefig Der Finanzsektor verliert Jahr um Jahr 10% der Arbeitsplaetze Die Steuergeschenke an die Immobilienlobby werden ab 2015 zureuckgefahren. Einfach immer mehr Einwanderer in Land zu lassen ist an die Grenze des moeglichen gelangt und fuehrt jetzt zu grossen Stimmenverlusten fuer die etablierten Parteien
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: