Gespräche mit Weißrussland und Kasachstan Putin sucht Verbündete für seinen Lebensmittelboykott

Russland versucht seinen Boykott westlicher Lebensmittel mit weiteren Ländern abzustimmen. Moskau will verhindern, dass Waren über Weißrussland oder Kasachstan importiert werden. Die EU zeigt sich verärgert.

Kunden in einem Supermarkt in Moskau: West-Produkte verbannt
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Kunden in einem Supermarkt in Moskau: West-Produkte verbannt


Moskau - Nach dem Importverbot für westliches Fleisch, Milchprodukte, Obst und Gemüse will Russland auch andere Länder auf den Lieferstopp einschwören. So will Moskau verhindern, dass die Produkte aus der EU, den USA, Kanada, Norwegen und Australien über Umwege ins Land kommen. Derzeit berate sich die russische Regierung mit Kasachstan und Weißrussland über die verhängten Maßnahmen, sagte der russische Landwirtschaftsminister Nikolai Fjodorow. Man werde Mittel finden, einen indirekten Import betroffener Lebensmittel über eines dieser Länder zu verhindern.

Fjodorow rechnet nach eigenen Angaben nicht damit, dass die Getreideexporte durch Sanktionen in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Liste der mit Importverboten belegten Waren werde zudem womöglich verkleinert. Um die Importausfälle zu kompensieren, solle mehr Fleisch aus Brasilien und Käse aus Neuseeland eingeführt werden. Die EU-Kommission zeigte sich verärgert über den Erlass aus Moskau. "Diese Ankündigung ist ganz klar politisch motiviert", sagte ein Sprecher. Die EU behalte sich eine Antwort vor. Ausmaß und Folgen für die europäischen Exporte müssten nun analysiert werden. Die EU habe im Jahr 2013 Obst und Gemüse im Wert von 11,9 Milliarden Euro nach Russland exportiert.

Ob Mitgliedstaaten von der EU Entschädigungen für Verluste aus dem Geschäft mit Russland erhalten könnten, sei noch offen. "Dafür benötigen wir mehr Details", sagte der Sprecher.

Der Sprecher verteidigte die zuvor von der EU beschlossenen Sanktionen gegen Russland und sagte: "Die von der EU verhängten restriktiven Maßnahmen sind eine direkte Folge der illegalen Annexion der Krim und der Destabilisierung in der Ukraine." Die EU bemühe sich weiter um eine Entspannung im Ukraine-Konflikt. "Alle sollten diese Anstrengung unterstützen."

Deutscher Exportverband ist besorgt

Als Reaktion auf die EU-Sanktionen hat der Kreml eine Liste von Produkten erstellt, die nicht mehr aus der EU, den USA, aus Kanada, Norwegen und Australien nach Russland eingeführt werden dürfen. Dazu zählen Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch sowie Milch und Molkereiprodukte.

Nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums ist Russland zwar der wichtigste Abnehmer außerhalb der EU für Produkte der deutschen Agrar- und Ernährungswirtschaft sowie der Landtechnik. Allerdings gingen mehr als drei Viertel der Agrarexporte in die EU.

Der Einfuhrstopp kann die deutsche Wirtschaft nach Einschätzung des Exportverbandes BGA dennoch empfindlich schmerzen. Deutsche Exporteure seien massiv betroffen, teilte der Bundesverband Großhandel, Außenhandel und Dienstleistungen (BGA) mit. Insbesondere für hochwertig verarbeitete Lebensmittel wie Fleisch- und Wurstwaren, Milchprodukte, Obst- und Gemüseprodukte und Fertignahrung sei Russland ein wichtiger Markt. Leidtragende seien aber auch die russischen Verbraucher. Sie müssten wohl die Zeche in Form höherer Preise, schlechterer Qualität und geringerer Vielfalt bezahlen, teilte der Verband mit.

Russland will heimische Landwirtschaft stärker subventionieren

Auch russische Experten gehen davon aus, dass das Einfuhrverbot "äußerst schmerzhaft" für beide Seiten wird. Die EU verliere viele Milliarden Euro aus dem Obst- und Gemüsehandel mit Russland, sagte der Wirtschaftswissenschaftler Sergej Sutyrin von der Universität Sankt Petersburg. Zudem müssten die USA auf einen lukrativen Markt für Rindfleisch und Geflügel verzichten. Der Moskauer Analyst Dmitri Polewoj sprach von einer "Schocktherapie" für die russische Lebensmittelbranche. "Das Verbot betrifft zehn Prozent des Agrarimports, die jetzt schnell ersetzt werden müssen", sagte er.

Die russische Regierung sagte der dortigen Landwirtschaft zur Unterstützung 50 Milliarden Rubel (gut eine Milliarde Euro) an Subventionen zu. "Wenn es notwendig ist, werden wir auch weiter helfen", sagte Ministerpräsident Dmitrij Medwedew. Zudem will Moskau verstärkt Lebensmittel aus Südamerika importieren.

mxw/mmq/dpa/Reutetrs/AFP

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donnerfalke 07.08.2014
1. Ach du arme EU
---Zitat--- Die EU zeigt sich verärgert. ---Zitatende--- Liebe EU, was hast du denn erwartet wenn du ohne jeden sachlichen Grund andere Länder sanktionierst? Wie wäre es wenn du dich um eigene Probleme kümmerst anstatt transatlantischen Clown auf unsere Kosten zu spielen?
laberhannes1 07.08.2014
2. So geht das, wenn man, wie die
EU/USA mit Sanktionen um sich greift. Dann gibt es Gegensanktionen, darauf dann Gegensanktionen folgen und so weiter. Wem nützt es? Den EU - Bürgern? Nein! Den Russen? Nein! Den Amerikanern? Jaa! Die verfolgen mehrere Ziele die ausschließlich ihnen allein dienen sollen. Die Menschen in der Ukraine, in der EU und in Russland sind den Kriegstreibern in Washington schnurzegal! Das Menschen und der Friede den US-Kriegstreibern egal sind, das haben sie allzu oft bewiesen. Die Ukraine ist da nur ein weiterer Beweis!
elspaco 07.08.2014
3. Die EU ist verärgert och !
Vor allen Dingen haben diese Schwachmaaten in Brüssel dafür gesorgt,dass dieser Konflikt zustande kam.
prawoweg 07.08.2014
4. Ist doch fair
das machte doch auch die USA mit EU.
pittiken 07.08.2014
5.
Zitat von sysopAPRussland versucht seinen Boykott westlicher Lebensmittel mit weiteren Ländern abzustimmen. Moskau will verhindern, dass Waren über Weißrussland oder Kasachstan importiert werden. Die EU zeigt sich verärgert. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/importverbot-in-russland-eu-veraergert-deutsche-exporteure-besorgt-a-984964.html
Ach Gottchen, die EU ist verärgert und der Sprecher meint, das wäre aber politisch motiviert. Alle Sanktionen sind politisch motiviert. Und die EU hat angefangen. Die Krim gehört jetzt Russland. Und daran wird sich auch nichts ändern. Die EU sollte eine Umfrage machen unter der BEVÖLKERUNG in den EU-Ländern, ob wir die Urkaine haben wollen.
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