Konjunkturdaten Euro-Zone hofft auf Ende der Rezession

In der Euro-Zone steigt die Hoffnung auf ein Ende der Dauerkrise. Laut einer Umfrage hat sich die Stimmung in der Industrie im Mai aufgehellt. Vor allem in Spanien sind die Unternehmen überraschend zuversichtlich. Auch in Deutschland geht es offenbar aufwärts.

Mitarbeiter in Flugmotorenwerk (Archivbild): Im Maschinenbau geht es aufwärts
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Mitarbeiter in Flugmotorenwerk (Archivbild): Im Maschinenbau geht es aufwärts


London/Berlin - Die Krisenländer der Euro-Zone überraschen mit ungeahnter Zuversicht. Laut einer Umfrage unter Industrieunternehmen hat sich die Stimmung in vielen Staaten deutlich aufgehellt. So stieg der sogenannte Einkaufsmanagerindex des Forschungsunternehmens Markit sowohl in Spanien als auch in Italien stärker als erwartet.

Auch der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, hatte am Montag die Hoffnung auf ein Ende der Rezession genährt. Man rechne damit, dass gegen Ende des Jahres eine "sehr langsame Erholung" einsetze.

Das scheint auch nötig. Denn ein Großteil der Euro-Zone steckt in der Rezession - darunter auch große Volkswirtschaften wie Frankreich, Italien und Spanien. In allen drei Ländern ist die Arbeitslosigkeit so hoch wie noch nie zuvor.

Auch in naher Zukunft ist in den meisten Ländern noch kein Wachstum in Sicht. Die neuen Daten deuten aber zumindest auf eine leichte Besserung hin: Die Einkaufsmanager bewerten die Lage in der gesamten Euro-Zone so gut wie seit 15 Monaten nicht mehr. Der Index stieg von 46,7 Punkten im April auf 48,3 Punkte im Mai. Erst Werte ab 50 Punkten signalisieren Wachstum. Diese Schwelle hatte der Index zuletzt im Sommer 2011 überschritten.

Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson sprach von einem positiven Signal. "Trotzdem ist der Industriesektor noch merklich von einer Stabilisierung entfernt und damit eine Belastung für die Gesamtwirtschaft." Die Daten legten zudem nahe, dass die Wirtschaftskraft im Euro-Raum im laufenden Quartal um 0,2 Prozent schrumpft. Es wäre das siebte Minus in Folge.

Deutscher Maschinenbau bekommt mehr Aufträge

Der Trend zeigt allerdings nach oben - und das auch in Deutschland. Hier stieg der Index im Mai um 1,3 auf 49,4 Punkte. Damit liegt das Barometer nur noch knapp unter der Wachstumsschwelle. "Produktion und Aufträge sind erstmals seit drei Monaten wieder gestiegen", sagte Markit-Ökonom Tim Moore. "Eine stärkere Binnennachfrage hat die Produktion angekurbelt, während die sinkenden Exporte in die Euro-Zone weitgehend durch neue Aufträge aus China und den USA ausgeglichen wurden."

Für die Unternehmen hat die weltweite Konjunkturflaute auch einen Vorteil: Die Kosten für den Einkauf von Vormaterialien wie Metalle sind so stark gesunken wie seit fast vier Jahren nicht mehr. Auch deshalb senkten die Unternehmen ihre Verkaufspreise so deutlich wie seit Januar 2010 nicht mehr.

Auch für die wichtigste deutsche Branche, den Maschinenbau, geht es offenbar aufwärts. Im April kamen erstmals seit Monaten wieder mehr Aufträge rein, wie der Branchenverband VDMA am Montag in Frankfurt mitteilte. Die Bestellungen übertrafen das Vorjahresergebnis um real acht Prozent. Das Inlandsgeschäft stieg um sechs Prozent, das Auslandsgeschäft um zehn Prozent. "Das ist endlich ein Plus nach einem eher enttäuschenden ersten Quartal", sagte VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers.

Die Branche, zu der neben zahlreichen Mittelständlern auch börsennotierte Konzerne wie ThyssenKrupp Chart zeigen, Gea Chart zeigen oder Gildemeister Chart zeigen gehören, setzt ihre Hoffnung auf die zweite Jahreshälfte. Der Verband wollte zwar noch nicht von einer Trendwende sprechen. "Doch insbesondere die Auslandsnachfrage lässt hoffen, dass die Maschinenbaukunden ihre Kaufzurückhaltung bald aufgeben", sagte Wiechers.

stk/dpa-AFX/Reuters



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sacco 03.06.2013
1. hoffen kann man natürlich immer -
nur gründe für diese hoffnung finden sich keine
stopfiatmoney 03.06.2013
2. Endlich!
Endlich rationales Verhalten! Man HOFFT! Nachdem die Gelddrucker und Schuldenmacher die Rezession ja selbst hervorgerufen haben, genau wie die Wähler, die solche Politiker wählen.
Progressor 03.06.2013
3. Hoffnung versus andere Konzepte
Die Konjunkturentwicklung hängt viel davon ab, ob die Wirtschaftssubjekte positiv in die Zukunft schauen. Deshalb sind aufmunternde Berichte immer gut. Aber wenn man mal richtig hinschaut, dann kann doch niemand im Ernst sagen woher ein immer gearteter Aufschwung kommen soll. Von der erhöhten Nachfrage der Nicht-Euroländer? Die wollen eher einen positiven Außenbeitrag von uns. Von staatlichen Konjunkturprogrammen? Nicht absehbar und wahrscheinlich wegen dem halb im Ohr steckenden Fiskalpakt von der Höhe her nicht ausreichend. Von den privaten Haushalten? Die sparen, wenns überhaupt noch geht, für die private Rentenvorsorge. Und die Unternehmen investieren nicht, weil die Kapazitäten eh nicht ausgelastet sind. Also müssen ganz andere und massive Konzepte her. Ich denke, es ist zu überlegen, ob es wirklich so sinnvoll ist im Rahmen der Globalisierung arbeitsintensive Wertschöpfung aus dem Ausland zu beziehen. Beispiel: die Solarpanels. Hat eigentlich schon mal irgend wer daran gedacht, dass auf die Preise die wir dafür an China bezahlen müssen, die finanziellen Kosten der dadurch entstehenden deutschen Arbeitslosen drauf geschlagen werden müssen? Oder die entgangenen Unternehmenssteuern auch? Was kostet uns das dann im Endeffekt, zu mal unter Berücksichtigung, dass Arbeiten eine wichtige Teilhabe am gesellschaftlichen Leben darstellt? Ich will hier einem neuen Merkantilismus nicht das Wort reden. Aber ich denke, so wie es jetzt läuft wird es absehbar, dass Europa die A-Karte zieht, auf Dauer.
Dramidoc 03.06.2013
4. xxx
Mit der Wirtschaftspolitik, die momentan in der EURO-Zone betrieben wird, werden wir auf lange Sicht in der Rezession verhaaren. Erst wenn Merkel und Co. realisieren, dass ihre wirtschaftspolitischen Vorstellungen zum Scheitern verurteilt sind, kann man dieses verheerende Konzept ändern.
stopfiatmoney 03.06.2013
5.
Zitat von DramidocMit der Wirtschaftspolitik, die momentan in der EURO-Zone betrieben wird, werden wir auf lange Sicht in der Rezession verhaaren. Erst wenn Merkel und Co. realisieren, dass ihre wirtschaftspolitischen Vorstellungen zum Scheitern verurteilt sind, kann man dieses verheerende Konzept ändern.
Merkel und Co. machen nur was ihnen der Wähler aufträgt. Es sind die Wähler, die hier entscheiden. Und sie wählen eindeutig "Mehr Kredite aufnehmen, mehr Schulden für die Kinder".
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