Indien Deutscher Chef von BMW Financial Services verhaftet

Ein kurioses Gesetz macht es möglich: Ein indisches Gericht hat den deutschen Chef der BMW Financial Services zeitweilig verhaften lassen. Der Manager soll sich wegen Betrugs verantworten - obwohl er im betreffenden Zeitraum noch gar nicht im Amt war.

Von Ulrike Putz, Neu-Delhi

BMW-Zentrale in München: Manager arbeitete damals noch am Hauptsitz
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BMW-Zentrale in München: Manager arbeitete damals noch am Hauptsitz


Die Auflagen sind strikt: An jedem ersten Tag eines Monats muss sich Stefan David Schlipf künftig bei der indischen Polizei melden. So soll garantiert werden, dass der 45-jährige Manager nicht aus dem Land flieht. Zusätzlich ist Schlipf verpflichtet, mit der indischen Justiz zusammenzuarbeiten und sich jederzeit als Zeuge zur Verfügung zu halten.

Schlipf muss sich für "Konspiration, Betrug und Fälschung" verantworten - dabei war der Manager in dem Zeitraum, in dem sich die vorgeworfenen Taten abgespielt haben sollen, noch gar nicht im Amt.

Wie lange der Chef von BMW Financial Services India - also der indischen BMW-Bank - durch das Verfahren in und an Indien gebunden sein wird, ist völlig offen. Bis der gegen seine Firma vorgebrachte Fall entschieden ist, könnten noch viele Jahre vergehen.

Derweil könnte jeder Bruch der Auflagen Schlipf wieder dahin bringen, wo er am vergangenen Freitag kurzfristig war: in ein indisches Gefängnis. Schlipf war am Freitag in Gurgaon, einem Vorort von Delhi, festgenommen und danach per Gefangenentransport ins 1200 Kilometer entfernte Hyderabad gebracht worden, berichten Indiens Medien. Nach einer Nacht im Gefängnis kam er dann am Samstag auf Kaution wieder frei.

Die Vorwürfe gegen BMW sind zwar nicht neu - doch die Festnahme Schlipfs kam für ihn und die Anwälte des Autokonzerns dennoch überraschend. Bislang richtete sich die Anklage, die die Indien-Sektion von BMW bereits seit 2010 beschäftigt, nicht persönlich gegen den Manager.

Manager können in Indien anstelle der Vorgänger belangt werden

Geklagt hat Viren Chowdary, der von 2007 bis 2009 unter Lizenz das BMW-Autohaus Delta Cars in der Region Hyderabad betrieb. Er gibt an, die BMW-Bank hätte ohne sein Wissen seinen Kreditrahmen erweitert. So sei es dazu gekommen, dass er mit immer neuen Wagen beliefert worden sei, obwohl er die letzte Lieferung noch gar nicht verkauft habe. Schließlich habe Chowdary nicht mehr für die gelieferten Autos und die anfallenden Zinsen zahlen können und habe Insolvenz anmelden müssen. Er habe dabei einen Verlust von umgerechnet etwa 60.000 Euro gemacht.

BMW Indien veröffentlichte am Samstag eine Stellungnahme, in dem die Auslandstochter die harte Haltung des Gerichts kritisiert. Die Verhaftung des Managers sei "völlig inakzeptabel". Schlipf habe sich zu dem in der Klage benannten Zeitpunkt nicht in Indien aufgehalten. Weder BMW Chart zeigen noch seine Direktoren hätten sich etwas zuschulden kommen lassen. Das Unternehmen werde Rechtsmittel einlegen.

Tatsächlich wurde Schlipf erst im April 2013 an die Spitze von BMW Financial Services India berufen. In dem Zeitraum, in dem es in dem Fall geht, arbeitete und lebte er in München. Dennoch gilt im indischen Recht, dass später benannte Führungskräfte für eventuelle Verfehlungen ihrer Vorgänger belangt werden und sogar im Gefängnis landen können.

BMW will Indien-Geschäft dennoch ausbauen

Im November 2012 hatte ein indisches Gericht in einem ähnlichen Fall Haftbefehl gegen neun Führungskräfte von Porsche Chart zeigen erlassen, darunter sechs Vorstandsmitglieder. Auch in diesem Fall hatte ein Porsche-Händler geklagt. Sie müssen bei einer Einreise nach Indien mit ihrer Verhaftung rechnen.

Allerdings haben sich die deutschen Autobauer bislang von solchen Episoden nicht davon abhalten lassen, auf den indischen Markt zu drängen: Gerade das Segment Luxusautos boomt auf dem Subkontinent. Mercedes konnte im vergangenen Jahr 25 Prozent mehr Verkäufe verbuchen. Und auch BMW will trotz des jüngsten Ärgers sein Geschäft in Indien ausbauen. Philipp von Sahr, Chef von BMW Indien, sagte in einem am Dienstag in der "Economic Times" veröffentlichten Interview, der indische Markt habe großes Potenzial für BMW: "Es gibt eine Menge Kunden, die sich Luxusautos leisten können."

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insgesamt 20 Beiträge
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Seite 1
Boandlgramer 29.07.2014
1.
Die Inder eliminieren auch einfach Patente ausländischer Firmen, wenn sie dadurch etwa von einheimischen Firmen preiswerter Medikamente oder Infrastruktur herstellen können. Ich finde auch die Haftung nachfolgender Manager total in Ordnung - was sollen sie denn sonst machen? Die ausländischen Niederlassungen bescheißen, dass die Schwarte kracht und berufen den Geschäftsführer ab - und keiner ist es gewesen.
b.toennies 29.07.2014
2. TTIP lässt schon mal Grüßen :-)))
solche Meldungen dürften wenn - TTIP - erstmal in Kraft ist zur Tagesordnung zählen...
karlsiegfried 29.07.2014
3. Wäre auch nicht schlecht für Deutschland, ...
... dann würden faule Ausreden auch nichts mehr bringen.
pepe_sargnagel 29.07.2014
4.
Zitat von BoandlgramerDie Inder eliminieren auch einfach Patente ausländischer Firmen, wenn sie dadurch etwa von einheimischen Firmen preiswerter Medikamente oder Infrastruktur herstellen können. Ich finde auch die Haftung nachfolgender Manager total in Ordnung - was sollen sie denn sonst machen? Die ausländischen Niederlassungen bescheißen, dass die Schwarte kracht und berufen den Geschäftsführer ab - und keiner ist es gewesen.
Ich denke auch, dass das ehrliches Handeln zwischen den (Management)Generationen befördern könnte. Wenn also eine Management-Generation entgegen dem Gesetz handelt, dann wird ja nicht nur das aktuelle Management, sondern bestimmt auch die Vorgänger erwischen. Auf alle Fälle besser als das, was wir immer von den Banken hören: "Wir haben den Händler entlassen und damit ist alles gut." Eben nicht: Wenn es eben Unternehmenskodex ist so zu handeln -auch wenn es entgegen dem geltenden Recht ist- dann darf ruhig auch der Nachfolger gerade stehen müssen. Das erhöht den Druck immens, dass sich ein Unternehmen an Recht und Gesetz hält, weil man sonst keine "guten" Manager mehr findet. Und das ist doch nur zu begrüßen. Windige Unternehmen graben sich ja so selbst den Zugang zu "guten" Managern und möglichen satten Profiten ab.
Malshandir 29.07.2014
5. Unrechtssystem
Also ein solches Gesetz zeigt nur auf, in was fuer einen Unrechtssystem dieses Land sich befindet. Hier taete die Bundesregierung gut daran entsprechend zu reagieren und Outsourcing nach Indien zu verbieten und die "hochgelobten" Softwareinder auszuweisen.
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