Pharmaunternehmen Indisches Gericht erkennt Roche Patent ab

Die internationalen Pharmakonzerne haben in Indien einen Rückschlag erlitten. Dem Schweizer Unternehmen Roche wurde ein Patent für ein Hepatitis-Medikament entzogen. Der indische Markt birgt großes Potential, das Land wehrt sich aber gegen die großen internationalen Firmen.

Roche-Konzernzentrale: Rückschlag für Pharmabranche
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Roche-Konzernzentrale: Rückschlag für Pharmabranche


Mumbai - Der Schweizer Pharmakonzern Roche hat vor dem indischen Patent-Berufungsgericht (IPAB) eine schwere Niederlage erlitten. Das Gericht widerrief das Patent des Konzerns für das Medikament Pegasys zur Behandlung von Hepatitis C und begründete das Urteil unter anderem mit dem hohen Preis für das Arzneimittel. Zudem sah das IPAB eine höhere Wirksamkeit des Mittels gegenüber anderen Behandlungsmethoden als nicht erwiesen an.

Roche hatte den Patentschutz für Pegasys von Indien 2006 erhalten. Die Entscheidung des IPAB kann das Schweizer Unternehmen vor dem obersten Gerichtshof in Indien anfechten. Nach eigenen Angaben prüft Roche Chart zeigen das weitere Vorgehen.

Experten zufolge dürfte die Aberkennung die Beziehungen zwischen dem Land und internationalen Pharmakonzernen weiter belasten. Für die Unternehmen ist der rund zwölf Milliarden schwere Arzneimittelmarkt in Indien eine große Chance. Mittlerweile machen aber preiswertere Nachahmermedikament bereits 90 Prozent der Verkäufe dort aus.

Der deutsche Hersteller Bayer Chart zeigen hatte im Streit um Billigmedikament in Indien vor Gericht ebenfalls eine Niederlage hinnehmen müssen. Ein indisches Patentgericht hatte eine Eilklage des Konzerns gegen einen Generikahersteller abgewiesen, der eine günstige Kopie des Bayer-Krebsmittels Nexavar produzieren wollte. Das indische Patentamt hatte Bayer im März gezwungen, sein Schutzrecht für Nexavar zugunsten der Pharmafirma Natco aufzugeben.

Die Entscheidung hatte international hohe Wellen geschlagen. Die Pharmabrache fürchtet, der Beschluss könnte ein Präzedenzfall werden und den Schutz geistiger Eigentumsrechte in dem Schwellenland gefährden. Die Hersteller sorgen sich, dass Indien trotz seines rasanten Wirtschaftswachstums ein Land bleiben könnte, in dem sich Arzneimittelpatente nur schwer durchsetzen lassen.

max/Reuters

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insgesamt 21 Beiträge
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darthmax 02.11.2012
1. Wunder ?
Ohne die Wirksamkeit von Medikamenten genau zu betrachten, wäre es nicht mal ein Meilenstein, wenn neue, selbst erforschte Medikamente aus Indien oder China kämen ? Da gibt es ein gewaltiges Potential an zum Beispiel Malariamedikamenten, die in unseren Breiten nicht zwingend erforscht werden müssen. Was sagen die Piraten zu diesen Patentproblemen?
Gerdtrader50 02.11.2012
2. Erwarten Sie nicht ein bisschen viel von denen ?
"Was sagen die Piraten zu diesen Patentproblemen?" Die wären doch schon froh, wenn sie sich in Deutschland auskennten. Wie also in Indien und dann noch in einer so komplizierten Materie wie Patentrecht. Dafür werden üblicherweise Patentanwälte in Anspruch genommen.
movfaltin 02.11.2012
3. Sumpf?
Den Beitrag habe ich anfangs sehr widerwillig zur Kenntnis genommen, da mir diese Patentmeierei in ihrem derzeitigen Umfang stark gegen den Strich geht. Und trotzdem: Die Bezeichnung "Die Pharmabrache" fand dann doch meine volle Zustimmung.
Ghanima22 02.11.2012
4.
Zitat von darthmaxOhne die Wirksamkeit von Medikamenten genau zu betrachten, wäre es nicht mal ein Meilenstein, wenn neue, selbst erforschte Medikamente aus Indien oder China kämen ? Da gibt es ein gewaltiges Potential an zum Beispiel Malariamedikamenten, die in unseren Breiten nicht zwingend erforscht werden müssen. Was sagen die Piraten zu diesen Patentproblemen?
Heikles Problem, speziell Indien. Indien ist der grösste Medikamentenfälscher überhaupt und das mit z.T tödlichen Auswirkungen auf die Patienten. Andererseits verfügt speziell China über eine Reihe von Wirkstoffen die in Medikamenten eingesetzt werden können. Es ist aber gerade für Firmen aus diesen Ländern nicht leicht, diese auf den internationalen Markt zu bringen. Dazu fehlt die Erfahrung und das know how im Umgang mit den regulatorischen Bedingungen die dies insbesondere in den USA und Europa erfordert. Ein gutes Beispiel dafür ist der Wirkstoff Artmisinin (Artemisinin - Wikipedia, the free encyclopedia (http://en.wikipedia.org/wiki/Artemisinin)) der z.B. von Novartis unter dem Namen Coartem an Entwicklungsländern zum Selbstkostenpreis abgegeben wird. Für viele z.B. chinesische Unternehmen lohnt sich der Aufwand bisher auch nicht, der nötig wäre um die Bedingung für Marktzulassung in EU/USA zu erreichen, Einerseits fehlt der Zugang zu diesen Märkten andererseits wächst der eigene Markt rasant und ist im Endeffekt grösser als EU/USA zusammen. Artimisinin z.B. ist nur durch die Zusammenarbeit zwischen China/WTO und Novartis überhaupt ausserhalb Chinas verfügbar.
herr_kowalski 03.11.2012
5. Medikamente oft nur ein Drittel des Preises, den man in D dafür aufruft.
Zitat von sysopAPDie internationalen Pharmakonzerne haben in Indien einen Rückschlag erlitten. Dem Schweizer Unternehmen Roche wurde ein Patent für ein Hepatitis-Medikament entzogen. Der indische Markt birgt großes Potential, das Land wehrt sich aber gegen die großen internationalen Firmen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/indien-gericht-erkennt-roche-patent-fuer-hepatitis-medikament-ab-a-865059.html
Klar doch, in den Niederlanden ist die permante Forschung auch so viel billiger. Nein, in D ist der Klüngel Politik - Pharmaindustrie so viel widerlicher.
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