IAB-Studie Digitalisierung bedroht 60.000 Jobs in der Industrie

Die Digitalisierung krempelt die Industrie um: 430.000 neue Jobs entstehen laut einer Studie - gleichzeitig gingen fast eine halbe Million Arbeitsplätze verloren.

Arbeiter im Daimler-Werk Sindelfingen: "Deutliche Umschichtung von Arbeitsplätzen"
DPA

Arbeiter im Daimler-Werk Sindelfingen: "Deutliche Umschichtung von Arbeitsplätzen"


Die bevorstehende Digitalisierung in deutschen Fabrikhallen könnte die Branche Arbeitsmarktforschern zufolge bis zu 60.000 Jobs kosten. Zwar dürften mit dem digitalen Wandel in der Produktion, der sogenannten Industrie 4.0, in den kommenden Jahren in Deutschland rund 430.000 neue Arbeitsplätze entstehen. In derselben Zeit gingen aber voraussichtlich 490.000 meist einfachere Jobs verloren, heißt es in einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).

"Es kommt zu einer deutlichen Umschichtung von Arbeitsplätzen. Dabei werden vor allem Beschäftigte, die heute Maschinen und Anlagen bedienen, betroffen sein", prognostiziert Arbeitsmarktforscher und Mitautor der Studie, Enzo Weber.

Um die Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt abzufedern, müssten Firmen frühzeitig gegensteuern, mahnen die Forscher. Gerade Facharbeiter, die bisher an den Produktionsstraßen mit Routinearbeiten beschäftigt sind, müssten rechtzeitig auf anspruchsvollere Aufgaben vorbereitet werden.

mxw/dpa



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 36 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
ostwestfale_ 22.10.2015
1. Man sieht
Wie wichtig Ausbildung ist und wie sie immer wichtiger wird. Die Arbeitsplätze mit geringer oder gar keiner notwendigen Ausbildung werden immer weniger, und die verbleibenden ins Billiglohnland verlagert. Daher können wir es uns n.m.M. nicht wirklich leisten weitere wenig bis gar nicht ausgebildete Menschen mit fremder Sprache so laut willkommen zu heissen. Diese werden auf Jahrzehnte eine Last für unser Sozialsystem bleiben. Daher ist eine sehr besonnene Selektion nach echten Flüchtlingen und Wirtschaftflüchtlingnen dringend angeraten. Aber auch hier versagt die Regierung, wie bei der politischen Steuerung unseres Bildungs- und Ausbildingssystems.
claus.w.grunow 22.10.2015
2. Logik der Politik
Dann gibt es mit den hochqualifizierten Flüchtlingen Vollbeschäftigung in Deutschland und es wird dadurch immer reicher. Die "Alten", das ist das Volk (laut Jacob Augstein), gehen dann in Rente.
matijas 22.10.2015
3. frühzeitig gegensteuern ...
"Um die Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt abzufedern, müssten Firmen frühzeitig gegensteuern, mahnen die Forscher." "Frühzeitig gegensteuern", das ist lustig, denn gegen Linke wird tagaus tagein heftig gegen "Planwirtschaft" argumentiert. Dabei könnte nur eine gesamtgesellschaftlich geplante Produktion solche gigantischen Umbrüche verträglich vorbereiten und durchführen. Im Kapitalismus führt die Erleichterung der Arbeit zur Existenzgefährdung der Arbeitenden statt zu einer sinnvollen Umverteilung von Arbeit. Jeder müsste letztendlich weniger arbeiten müssen und/oder spürbar mehr Einkommen erhalten. Wenn es mit vernünftigen Dingen zuginge. Tut es aber nicht. Stattdessen hat Marx doch wieder Recht: zunehmende Industrialisierung unter kapitalistischen Bedingungen heißt: zunehmende Verarmung und zunehmende Ausbeutung. Die "uns gehts doch gut"- Rufe gegen Systemkritiker haben ziemlich nachgelassen. Aber für alles gibts ja ab jetzt eine neue bequeme Generalausrede: die Flüchtlinge. Sonst hätten wir natürlich blühenden Wohlstand ... und Arbeit auch für Langzeitarbeitslose. So wie bisher ...
salomonh71d 22.10.2015
4. Warum solche Angst?
Es ist ganz normal, dass der technische Fortschritt viele Arbeiten erleichtert und andere überflüssig macht. Warum wird der Wert der Arbeit nicht angepasst bevor der soziale Frieden endgültig dahin gerafft wird?
Knack5401 22.10.2015
5. Seit mehr als dreißig Jahren wird das behauptet
Wieder ein Institut, das Glaskugelleserei betreibt. Es wird wahrscheinlich so nicht kommen, dazu ein schönes Bild (Zitat aus der FAZ). In der Autofabrik: Der Vorstand fragt den Gewerkschafter mit einem hochmütigen Lächeln: „Wie willst du meine Roboter dazu bringen, für deine Gewerkschaft zu streiken?“ Der Gewerkschafter lächelt zurück: „Und wie willst du deine Roboter dazu bringen, deine Autos zu kaufen?“
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.