Verhandlungschaos Industrie warnt vor Milliardenschaden durch harten Brexit

Verlässt Großbritannien die EU ohne Vertrag? In diesem Fall drohe der deutschen Industrie ein Schaden von 17 Milliarden, warnt der BDI. Ohne eine baldige Einigung sei es "an der Zeit, den Austrittsprozess zu stoppen".

Lastwagen im Hafen von Dover
DPA

Lastwagen im Hafen von Dover


Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) dringt auf eine baldige Entscheidung über den britischen EU-Austritt. Die notwendigen Abstimmungen dazu dürften nicht länger vertagt werden, sagte der Hauptgeschäftsführer des Industrieverbandes BDI, Joachim Lang. Für Neuverhandlungen sei die Zeit zu knapp. "Sollte die britische Regierung im März keine Mehrheit im Unterhaus finden, ist es an der Zeit, den Austrittsprozess zu stoppen."

Bislang hat Premierministerin Theresa May für ihren mit der EU ausgehandelten Vertrag über den EU-Austritt keine Mehrheit im Parlament. Medienberichten zufolge erwägt sie eine Verschiebung des Brexits, der bislang für Ende März geplant ist. Lang sagte, es bleibe keine Zeit mehr für Nachverhandlungen. Die deutschen Unternehmen müssten sich auf einen ungeordneten Brexit mit massivem wirtschaftlichen Schaden einstellen.

"Wenn es ganz dick kommt, rechnen wir mit einem Rückschlag für die deutsche Wirtschaft in der Größenordnung von mindestens einem halben Prozent des BIP", so Lang. Das wären rund 17 Milliarden Euro weniger Wirtschaftskraft allein in diesem Jahr". Die britische Wirtschaft werde bei einem Chaos-Brexit mit hoher Wahrscheinlichkeit in eine Rezession rutschen.

dab/Reuters



insgesamt 80 Beiträge
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frenchie3 26.02.2019
1. Die Größenverhältnisse sind interessant
Wenn bei uns von Fehlerquoten, Kosten für's Management, Reklamationen etc gesprochen wird dann kommt regelmäßig die Sorte Einwand "ach, nur 0,1 Prozent, das kommt anderweitig wieder rein" oder "dafür ist der Nutzen bei Posten xy erheblich höher". Wer also jetzt wegen ein paar Milliarden Euro rumjammert dem kann ich nur sagen "mach Dir wegen 0,1 Prozent nicht ins Hemd".
123rumpel123 26.02.2019
2. Alles darf sein nur das Kapital darf keinen Schaden nehmen
BDI als Megalobbyist möchte Westminster Ratschläge erteilen, weil das deutsche Kapital keinen Schaden nehmen soll. Das nennt sich dann wohl "Kapital-Demokratie".
hanseat52 26.02.2019
3. Durchziehen
Mittelfristig würde die EU von einem Downsizing der britischen Finanzindustrie, die ja nicht auf realen Werten beruht, sondern auf reiner Spekulation beruht, nützen. Bei einem Stopp des Austrittsprozess und weiterer Mitgliedschaft, säße London vor dem Hintergrund einer gespaltenen Nation dauerhaft am Blockiererhebel und der Briten-Rabatt wäre nie mehr abzuschaffen. Das alles kann doch wohl keiner wollen.
Joe Amberg 26.02.2019
4. Unglaublich
Unglaublich, das Brüsseler Affentheater, jede erdenkbare EU Rosinenposition um jeden Preis durchsetzen zu wollen. Resultat: ein Knebelvertrag, den UK so niemals akzptieren kann; mit dem Backstop würde UK jegliche staatliche Souveränität aufgeben. Und jetzt soll es also in die Endlosschlaufe gehen, obwohl gemäss den EU Baronen absolut nichts verhandelbar ist. Realsatire der übelsten Art.
timtom2222 26.02.2019
5.
Die Industrie hatte doch auch Zeit sich darauf einzustellen!
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