Peking - Nach der Schwächephase der vergangenen Monate deutet sich in der chinesischen Wirtschaft eine Trendwende an. Laut einer Umfrage legte die Industrieproduktion der Volksrepublik erstmals seit 13 Monaten wieder zu. Der von der Großbank HSBC ermittelte Einkaufsmanagerindex für November lag bei 50,4 Punkten. "Das bedeutet, dass die wirtschaftliche Erholung sich verstärkt", sagte der HSBC-Chefvolkswirt für China, Qu Hongbin.
Übersteigt der Index die Marke von 50 Punkten, gehen die Analysten von einem Wachstum in der Industrie aus. In den vergangenen 13 Monaten wurde diese Marke stets unterboten. Zuletzt lag der Index bei 49,5 Punkten.
Chinas Wirtschaftswachstum war von Juli bis September auf den niedrigsten Stand seit Anfang 2009 nach Ausbruch der globalen Finanzkrise gefallen. Das Bruttoinlandsprodukt legte lediglich um 7,4 Prozent zu. Sieben Prozent Wachstum sind in einem Schwellenland wie China wegen des großen Nachholbedarfs notwendig, um ausreichend Arbeitsplätze zu schaffen und Entwicklungsprobleme zu lösen. Die chinesische Regierung hat für 2012 ein Wachstumsziel von 7,5 Prozent vorgegeben. Es ist das erste Mal seit acht Jahren, dass weniger als acht Prozent angepeilt wurden.
Chinas Wirtschaft war 2010 um 10,4 Prozent gewachsen, 2011 waren es 9,3 Prozent gewesen. Pünktlich zum Parteitag der Kommunistischen Partei Anfang November hatten auch die Statistikbehörden des Landes günstige Wirtschaftsdaten veröffentlicht, die auf ein Anziehen der Konjunktur zum Jahresende hindeuteten.
Auch die Liechtensteiner VP Bank sieht Chinas Wirtschaft wieder im Aufwind. Das Institut verwies auf entsprechende Umfragen bei kleineren und mittleren Betrieben. Der Anstieg sei auch ein wichtiges Signal für die Weltwirtschaft, erklärte die Bank. China ist nach den USA die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt.
Dax startet im Plus
An der Börse wurden die Daten aus China positiv aufgenommen. Der Dax
startete mit einem Plus in den Handel. Aufgehellt wurde die Stimmung aber auch durch den Waffenstillstand zwischen Israel und der Hamas. Damit sei die Angst vor einem Flächenbrand in der Region erst einmal kleiner geworden, sagte ein Börsianer.
Die positiven Signale aus China könnten auch deutschen Unternehmen Hoffnungen geben. Denn die Wirtschaft in der Bundesrepublik steuert auf einen schlechten Jahresausklang zu. Im dritten Quartal war das Bruttoinlandsprodukt nur noch um 0,2 Prozent gewachsen. Viele Experten gehen davon aus, dass das BIP im vierten Quartal sogar schrumpft. "Im Winterhalbjahr dürfte es zu einer temporären Konjunkturdelle kommen", sagte das Bundesfinanzministerium voraus.
"Die deutsche Wirtschaft dürfte das Jahr wohl in kläglichem Zustand beenden", sagte auch Tim Moore vom Markit-Institut. Dessen Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft legte um 0,2 auf 47,7 Punkte zu. Die Umfrage unter 1000 Firmen zeigt, dass die deutsche Wirtschaft im November in kaum vermindertem Tempo geschrumpft ist, denn das Barometer verharrte deutlich unter der Marke von 50 Zählern, ab der Wachstum signalisiert wird.
Deutsche Industrie hofft auf Impulse aus China
Die Dienstleistungsbranche schätzt ihre Aussichten so schlecht ein wie zuletzt im März 2009, als die Finanzkrise der deutschen Wirtschaft zusetzte. "So befürchten die Dienstleister im nächsten Jahr nicht nur Budgetkürzungen auf Kundenseite, sondern auch weitere negative Auswirkungen der Euro-Krise auf die deutsche Konjunktur", sagte Moore. Sie bauten deshalb so viele Stellen ab wie zuletzt vor dreieinhalb Jahren.
Das Barometer für die Industrie kletterte dagegen leicht um 0,8 auf 46,8 Zähler. Die Neuaufträge schrumpften so langsam wie seit März nicht mehr. "Auch die Exportbestellungen sanken im November weniger stark als in den letzten sechs Monaten, was die Unternehmen auf die anziehende Nachfrage nach Industrieerzeugnissen 'Made in Germany' besonders aus China zurückführten", sagte Moore.
In der Euro-Zone dagegen ist die Stimmung laut Markit mies. "Die Euro-Zone-Privatwirtschaft ist erneut in alarmierendem Tempo geschrumpft und steckt in der schlimmsten Krise seit Mitte 2009", sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson.
mmq/Reuters/dpa/AFP
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