Industrieaufträge Aufschwung gerät ins Stottern

Die Wirtschaft boomt, doch nun erleidet die Industrie einen Dämpfer: Die Unternehmen mussten im September einen Rückgang bei den Auftragseingängen hinnehmen. Im Vergleich zum Vorjahr bleibt aber immer noch ein dickes Plus.

Hamburger Hafen: Weniger Aufträge aus dem Ausland für deutsche Unternehmen
DPA

Hamburger Hafen: Weniger Aufträge aus dem Ausland für deutsche Unternehmen


Berlin - Die deutsche Industrie hat im September überraschend einen herben Rückschlag bei den Aufträgen erlitten: Die Eingänge verringerten sich im Vergleich zum Vormonat um 4,0 Prozent, wie das Bundeswirtschaftsministerium am Freitag mitteilte. Dies ist der stärkste Rückgang seit Januar 2009.

Insbesondere die Nachfrage aus der Euro-Zone brach ein: Aus diesen Staaten, die vielfach unter einer Schuldenkrise leiden, gingen 13,3 Prozent weniger Aufträge für Produkte "Made in Germany" ein. Die Bestellungen aus dem Inland verringerten sich nur moderat um 0,6 Prozent, die Nachfrage aus dem Ausland außerhalb des Euroraums sank um 1,2 Prozent.

Der Einbruch bei den Bestellungen erwischte Experten auf dem falschen Fuß. Fast alle von der Nachrichtenagentur Reuters befragten Fachleute hatten im Schnitt mit einem Plus von 0,5 Prozent gerechnet. Zuvor hatte der Auftragseingang bereits im August um 3,5 Prozent zugelegt.

"Anders als im Vormonat war im September nur ein durchschnittlicher Umfang an Großaufträgen zu verzeichnen", erklärte das Ressort von Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP). Das Ministerium räumt ein, dass sich die Aufwärtsdynamik der Auftragseingänge nach dem Boom im ersten Halbjahr abgeschwächt habe. "In der Tendenz bleibt die Entwicklung - auch bereinigt um Großaufträge - aber weiter aufwärtsgerichtet." Die nachlassende Zahl von Großaufträgen, etwa für Flugzeuge oder Schiffe, traf insbesondere die Investitionsgüterhersteller, deren Bestellungen insgesamt um 4,5 Prozent in den Keller gingen.

Auch die Hersteller von Vorleistungsgütern wie etwa Chemieprodukten mussten Einbußen hinnehmen: Ihre Auftragseingänge gingen um 3,8 Prozent zurück. Demgegenüber erhöhten sich bei den Konsumgütern die Bestellungen leicht um 0,3 Prozent.

Trotz des Rückschlags im September legte der Auftragseingang im Sommerquartal gegenüber dem Frühjahr zu - und zwar um 1,7 Prozent. Versöhnlich stimmt auch der Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum: Gegenüber dem September des Krisenjahrs 2009 ergibt sich ein Auftragsplus von 14 Prozent.

wit/Reuters/dpa

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.