Deutsche Wirtschaft: Industrie meldet größtes Auftragsminus seit einem Jahr
Die deutsche Wirtschaft bekommt zunehmend die Krise in der Euro-Zone zu spüren. Bei den Industriefirmen sanken die Bestellungen so stark wie seit einem Jahr nicht mehr. Die Wirtschaftsweisen rechnen 2012 nur noch mit einem Mini-Wachstum.
Berlin - Die Industrieunternehmen in Deutschland haben im September deutlich weniger Aufträge bekommen. Gegenüber dem Vormonat sanken die Bestellungen um 3,3 Prozent, wie das Bundeswirtschaftsministerium mitteilte. Das ist das größte Minus seit einem Jahr. Bereits im August waren die Aufträge um 0,8 Prozent geschrumpft.
Hauptgrund für den deutlichen Auftragsrückgang ist die Krise in der Euro-Zone. Aus den Ländern der Währungsunion kamen im September 9,6 Prozent weniger Bestellungen als im August. Insgesamt ging die Nachfrage aus dem Ausland um 4,5 Prozent zurück. Aus dem Inland kamen 1,8 Prozent weniger Aufträge.
"Das schwache wirtschaftliche Umfeld des Euro-Raums, aber auch der übrigen Weltwirtschaft schlägt sich mittlerweile deutlicher als im ersten Halbjahr bei der Nachfrage nach deutschen industriellen Erzeugnissen nieder", schrieb das Ministerium. "Daher dürfte sich die Industrieproduktion in den kommenden Monaten tendenziell weiter abschwächen."
Die schlechten Zahlen sind ein weiteres Zeichen für das Ende des deutschen Wirtschaftsbooms. Auch andere wichtige Indikatoren hatten zuletzt darauf hingedeutet, dass die heimische Wirtschaft zunehmend von der Euro-Krise in Mitleidenschaft gezogen wird. So war der Ifo-Geschäftsklimaindex zuletzt sechs Monate in Folge gesunken. Im Oktober war zudem die Arbeitlosenzahl im Vergleich zum Vorjahresmonat leicht gestiegen.
Experten erwarten, dass sich die Unternehmen nun für schwierige Zeiten rüsten. "Insgesamt hat der Auftragsbestand in den letzten Monaten spürbar abgenommen", erklärte Andreas Scheuerle von der DekaBank. "Die Unternehmen reagieren darauf mit Kosteneinsparungsprogrammen, Investitionsaufschub, Produktionsdrosselungen oder gar vermehrten Vorbereitungen für Kurzarbeit." Die Vorzeichen für das vierte Quartal seien schlecht, meint Scheuerle. Er geht davon aus, dass die deutsche Wirtschaft im laufenden vierten Quartal des Jahres schrumpfen wird.
Auch für 2013 sind die Aussichten nicht gerade rosig. Der Sachverständigenrat der Bundesregierung, die sogenannten fünf Wirtschaftsweisen, rechnet für das Gesamtjahr lediglich noch mit einem Wachstum von 0,8 Prozent. Das geht laut "Handelsblatt" aus dem Jahresgutachten hervor, das die Ökonomen am Mittwoch vorstellen wollen.
Damit sind die Wirtschaftsweisen pessimistischer als ihr Auftraggeber: Die Bundesregierung hatte in ihrer Herbstprognose Mitte Oktober noch ein Wirtschaftswachstum von einem Prozent für 2013 vorhergesagt. Auch die großen Forschungsinstitute gehen in ihrer Gemeinschaftsprognose von einem Prozent Wachstum aus.
stk/Reuters/dpa
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
- alles aus der Rubrik Wirtschaft
- Twitter | RSS
- alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte
- RSS
- alles zum Thema Konjunktur
- RSS
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
- Dienstag, 06.11.2012 – 14:41 Uhr
- Drucken Versenden
- Nutzungsrechte Feedback
- Kommentieren | 40 Kommentare
für die Inhalte externer Internetseiten.
MEHR AUS DEM RESSORT WIRTSCHAFT
-
Börsen
Dax, Dow, Nikkei und Ihr persönliches Portfolio: Die Weltbörsen im Überblick -
Gehalt-Check
Brutto-Netto-Rechner: Berechnen Sie Ihr Gehalt -
Konjunktur
Alle wichtigen Wirtschaftsdaten: Arbeitslosigkeit, Brutto-
inlandsprodukt und Inflation -
Finanztest
Im Test: Finanztipps und mehr - was Sie als Verbraucher unbedingt wissen sollten -
Mehr Wirtschaft
Die Angebote von manager-magazin.de und harvardbusiness
manager.de
