Industriesparte unter Druck Siemens streicht 2000 Jobs wegen Wirtschaftskrise

Siemens verschärft seinen Sparkurs: Knapp 2000 Arbeitsplätze sollen in Deutschland gestrichen werden, vor allem in der Industriesparte. Auf betriebsbedingte Kündigungen soll verzichtet werden - Betriebsräte bekamen die Pläne jetzt präsentiert, Gewerkschafter protestierten umgehend.

Siemens-Chef Löscher: Stellenabbau trotz steigender Gewinne
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Siemens-Chef Löscher: Stellenabbau trotz steigender Gewinne


München - Auf der Hauptversammlung am Dienstag hatte Siemens-Chef Peter Löscher einen weiteren Stellenabbau angedeutet - jetzt macht er ernst. Nach dem Abbau von rund 17.000 Jobs vor allem in Vertrieb und Verwaltung sollen jetzt 2000 weitere Arbeitsplätze gestrichen werden, vor allem in der Industriesparte des Technologiekonzerns.

  • Am Standort Neustadt an der Saale sollen in den nächsten zwei Jahren insgesamt 840 Arbeitsplätze im Bereich Motorentechnik gestrichen werden. 640 Stellen gehen verloren, weil Siemens die Investitionen für die nächste Produktgeneration von Elektromotoren in seinem tschechischen Werk bündeln will. Weitere 200 Jobs sollen wegen der Wirtschaftskrise wegfallen.
  • Im Partnerwerk in Erlangen, das Elektronik für die Motoren zuliefert, können laut Siemens rund 300 Arbeitsplätze wegen der schlechten Konjunktur nicht ausgelastet werden und werden abgebaut.
  • Im Industrieanlagenbau, der Division Industry Solutions, fielen 850 Stellen an mehreren Standorten in ganz Deutschland weg. Grund hierfür sei der nachhaltige Absatzeinbruch im Maschinenbau.

Der Konzern teilte mit, die Stellenstreichungen möglichst ohne betriebsbedingte Kündigungen umsetzen zu wollen.

Die IG Metall protestierte umgehend. "Angesichts des Rekordergebnisses im ersten Quartal 2010 ist es einfallslos und unnötig, mit wenig stichhaltigen Argumenten die Abwicklung ganzer Geschäftsbereiche mit insgesamt rund 2000 Beschäftigten in Deutschland zu planen", teilte die Gewerkschaft mit.

Ins neue Geschäftsjahr 2009/10 war Siemens zwar mit einem überraschend hohen Gewinnsprung gestartet, doch drückte die anhaltende weltweite Nachfrageschwäche auf Auftragseingang und Umsatz des Konzerns. Vor allem im Industriegeschäft kämpft Siemens mit den Folgen der Wirtschaftskrise, deshalb wurden hier schon länger Stellenstreichungen befürchtet. Auch im Energiesektor brachen die Bestellungen und Umsätze im ersten Quartal im Jahresvergleich ein.

ore/dpa/apn/Reuters

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insgesamt 23 Beiträge
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Spinnenflicker 28.01.2010
1. Schlecker?!
Mmmh ... in Wirklichkeit gehen sie hin und verkaufen ganze Abteilungen an "bessere" Zeitarbeitsagenturen und die Leute werden dann an ihre alte Arbeitsstelle ausgeliehen, für bedeutend weniger Gehalt. Schlecker läßt grüßen.
Wolfghar 28.01.2010
2. Solidarität mit
den künftigen Arbeitslosen könnte jetzt von den Taliban kommen. Die erwarten einen Steuergeldsegen. Wenn ich arbeitslos wäre würde ich jedenfalls eher auf die Taliban setzen als auf unsere Volksvertreter oder die Gewerkschaften. Die Gewerkschaften haben wieder scharf kritisiert. Was für Tiger.
markolito1 28.01.2010
3. Ich wundere mich
Zitat von sysopSiemens verschärft seinen Sparkurs: Knapp 2000 Arbeitsplätze sollen in Deutschland gestrichen werden, vor allem in der Industriesparte. Auf betriebsbedingte Kündigungen soll verzichtet werden - Betriebsräte bekamen die Pläne jetzt präsentiert, Gewerkschafter protestierten umgehend. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,674529,00.html
das überhaupt noch jemand bei Siemens arbeitet den man kündigen kann. Ich habe selbst mal bei Siemens gelernt und gearbeitet. Das war 1993. Schon damals sagte unser Ausbilder, Siemens ist eine Bank mit angeschlossener Elektroabteilung. Wenn Werner von Siemens wüsste was sie mit der von ihm gegründeten Firma machen, würde er sich im Grabe umdrehen. Jetzt wird halt pö a pö die Elektroabt. dicht gemacht. Mal sehen was zum Schluss noch von der ehem. Weltfirma übrig bleibt?
martinius26 28.01.2010
4. Siemens und Leiharbeit
Siemens setzt im verstärkten Maße auf Leiharbeit um sogenannte Spitzen abzufangen, das sind dann Leute die mehr als 2 Jahre als Leiharbeiter am selben Platz tätig sind. Manche Unternehmensteile werden komplett gestrichen und durch Leiharbeiter ersetzt. Siemens ist deshalb kein bißchen besser als Schlecker und konsorten.
happy2009 28.01.2010
5. die armen Manager
Na ja, unter den Gesichtspunkten verstehe ich auch die Gehaltserhöhung um 30% für die Bosse Es ist ja schon eine Unverschämtheit das man mehr arbeiten muss als ursprünglich für eine Halbtagsstelle vorgesehen war. Wie soll man da die ganzen Aufsichtsratsposten und Beraterjobs in anderen Firmen wahrnehmen. Mein Vorschlag wäre das man bei den anderen Jobs das Salär auch um 30% erhöht, schließlich hat man ja mehr Aufwand zu Begründen wieso man mehr arbeiten muss
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