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Wirtschaftsspionage: Infineon-Sicherheitschef warnt vor Abhöraktionen

Die Enthüllungen im NSA-Skandal sind für Sicherheitsprofis nur Teil eines globalen Abhör-Kriegs. Sämtliche Auslandsnachrichtendienste bemühten sich um den Zugang zu geheimen Wirtschaftsdaten, sagt Infineons Sicherheitschef dem manager magazin. Deutsche Firmen müssten auf der Hut sein.

NSA-Hauptquartier in Fort Meade: Angst vor Wirtschaftsspionage Zur Großansicht
DPA

NSA-Hauptquartier in Fort Meade: Angst vor Wirtschaftsspionage

Hamburg - Wolf-Rüdiger Moritz, Leiter der globalen Konzernsicherheit beim Chiphersteller Infineon, warnt deutsche Unternehmen vor den Abhöraktionen ausländischer Geheimdienste. "Das stellt eine reale Bedrohung dar", sagt Moritz im Interview mit dem manager magazin. Es sei davon auszugehen, "dass in einigen Fällen gezielte Wirtschaftsspionage betrieben wird". Moritz arbeitete von 1987 bis 1999 beim Bundesnachrichtendienst (BND) in leitender Position im Bereich der Fernmeldeaufklärung.

Die kürzlich publik gewordenen Aktivitäten des US-Auslandsgeheimdienstes NSA sieht Moritz nur als Teil einer weltweiten Offensive. Sämtliche Auslandsnachrichtendienste, die technisch dazu in der Lage seien, bemühten sich um den Zugang zu geheimen Wirtschaftsdaten. Moritz spricht von einem "globalen Wettrüsten" zwischen Unternehmen und Geheimdiensten. "Wer sich nicht verteidigt", so der Infineon-Manager, "wird auf Dauer im Wettbewerb verlieren."

Die deutsche Wirtschaft sieht der Sicherheitsexperte nicht ausreichend vor Spionageakten geschützt. "Leider unterschätzen viele Unternehmen den Ernst der Lage: Sie wissen nicht einmal, dass sie abgehört werden", sagt Moritz. Unternehmen müssten dringend technisch aufrüsten, statt an ihren Sicherheitsbudgets zu sparen: "Das Problem betrifft häufig mittelständische Unternehmen, die wertvolle Patente besitzen, aber nicht über die Mittel oder das Wissen verfügen, sich adäquat zu schützen."

ssu

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1. Stimmt nicht ganz
michelinmännchen 17.07.2013
das betrifft nicht nur den Mittelstand, sondern auch große Unternehmen. Die Mitarbeiter sind z.B. mit der vorgeschriebenen Verschlüsselung (PGP) überfordert und senden die E-Mails dann eben unverschlüsselt. Dann muss man sich nicht wundern, wenn die Chinesen bald ein Auto auf den Markt bringen, das eigentlich ein deutscher Automobilhersteller 3 Monate später präsentieren wollte.
2. Marketing Homepage
brummer07 17.07.2013
Das ist ja ein nettes product placement - denn wie verhindert man das? Am besten mit Chips aus heimischer (und nicht amerikanisch oder pazifischer) Produktion. Ein Glück das wir noch deutsche Hersteller von hardware haben, wie hieß der noch gleich?
3. lol
robin-masters 17.07.2013
Zitat von michelinmännchendas betrifft nicht nur den Mittelstand, sondern auch große Unternehmen. Die Mitarbeiter sind z.B. mit der vorgeschriebenen Verschlüsselung (PGP) überfordert und senden die E-Mails dann eben unverschlüsselt. Dann muss man sich nicht wundern, wenn die Chinesen bald ein Auto auf den Markt bringen, das eigentlich ein deutscher Automobilhersteller 3 Monate später präsentieren wollte.
Der Trick ist die Daten abzufangen bevor sie verschlüsselt werden. Durch die spannenden sicherheitslücken die Microsoft für die NSA offen gehalten hat kann nahezu jedes Windows System am Netz infiltriert werden und dadurch ist es auf einfachste Weise möglich die Tastatur eingaben mit zu loggen. Ausserdem würde mich nicht wundern wenn verschlüsselte Daten besonders interessiert gelesen werden - das Password bekommt man ja leicht durch die oben beschriebene Methode.
4. Und das...
syntax35 17.07.2013
.. von einem Ex-BND Mann. Dann kann man ja sehen wie weit es schon gekommen ist ..
5. Das betrifft leider alle - Wirtschaft und Privatleute
hostie64 17.07.2013
Leider betrifft das Thema alle, aber bei der Schnüffelei in Europa geht es den USA sicher hauptsächlich um wirtschaftliche und politische Vorteile. Ende der 90er Jahre konnte man schon ähnliches lesen. Zum Beispiel in einem Focus-Artikel: „Die Amerikaner fordern von den Deutschen eine Moral, die sie selbst nicht besitzen“, kritisiert Klaus-Dieter Matschke, Chef der Frankfurter Sicherheitsberatung KDM. „100 000 Mitarbeiter der National Security Agency (NSA)“, behauptet der ehemalige Verfassungsschützer, „belauschen weltweit Telefonate und werten Gespräche, Videokonferenzen und Faxsendungen aus.“ Von der NSA erhielten amerikanische Firmen regelmäßig Informationen über streng vertrauliche Projekte ihrer Konkurrenten. . . . Was Insider schon lange wußten, bestätigte US-Präsident Bill Clinton im Sommer vorigen Jahres sogar hochoffiziell. Nach dem Ende des Kalten Krieges hätten seine Spione zwar keine klaren Feinde mehr, aber er brauche sie dringend für eine neue Mission. Die Beschaffung von Wirtschaftsdaten, so der amerikanische Präsident, habe für ihn jetzt „Top-Priorität.“ WIRTSCHAFTSSPIONAGE: Verdächtigungen und Beweise - Wirtschafts-News - FOCUS Online - Nachrichten (http://www.focus.de/finanzen/news/wirtschaftsspionage-verdaechtigungen-und-beweise_aid_161308.html)
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