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Inflationsangst: Warum Aktien eine gute Geldanlage sind

Von Christoph Rottwilm

Der Dax steigt, doch Aktionäre wenden sich zu Tausenden von der Börse ab. Wer Geld so defensiv anlegt wie die Mehrheit der Deutschen, könnte einen Fehler machen - erst recht, wenn die Inflation steigt.

Sorgenvoller Blick: Schätzen die Bundesbürger die Risiken der Börse falsch ein? Zur Großansicht
dpa

Sorgenvoller Blick: Schätzen die Bundesbürger die Risiken der Börse falsch ein?

Hamburg - Wer hierzulande an die Börse denkt, der denkt vielfach zuallererst an Kursrückgänge und Verluste. Aktien, so die herrschende Meinung, kommen in einer vernünftigen Vermögensplanung nicht vor. Viel zu riskant.

Lediglich fünf Prozent ihres Geldes legen die Bundesbürger im Schnitt am Aktienmarkt an. Bankprodukte und Versicherungen dagegen, so eine Statistik der Bundesbank, genießen deutlich größeres Vertrauen. Auf sie entfallen fast 70 Prozent des deutschen Privatvermögens.

Ein schiefes Bild, an dem sich auch künftig nicht viel ändern dürfte. Im Gegenteil: Zuletzt wendeten sich erneut reihenweise Anleger von der Börse ab. Gerade erst berichtete das Deutsche Aktieninstitut (DAI), die Zahl der Aktionäre und Aktienfondsbesitzer hierzulande sei seit Mitte 2010 um fast eine halbe Million gesunken.

Insgesamt haben derzeit etwa 8,2 Millionen Bundesbürger direkt oder indirekt Geld in Aktien investiert - lediglich 12,6 Prozent der Bevölkerung. Zum Vergleich: In Ländern wie Großbritannien, Spanien, der Schweiz oder den Niederlanden sowie in den USA ist der Anteil zum Teil mehr als doppelt so hoch.

Über die Gründe für die Abneigung kann nur spekuliert werden. Dass die Deutschen ein ausgeprägtes Sicherheitsbedürfnis haben, ist bekannt. Dass viele von ihnen in ökonomischen Dingen nicht allzu bewandert sind, ebenfalls. Die Folge könnte sein, dass die Risiken dieser Anlageklasse hierzulande grundsätzlich überschätzt werden.

Hinzu kommen harte steuerliche Nachteile der Aktie, wie Experten glauben. Wer beispielsweise eine Unternehmensanleihe erwirbt, zahlt auf die Zinserträge 25 Prozent Abgeltungsteuer. Aktionäre des gleichen Konzerns entrichten auf die Dividende zwar die gleichen 25 Prozent - der Gewinn, aus dem diese Ausschüttung gezahlt wird, wurde jedoch auf Unternehmensebene bereits besteuert. "Das ist eine ungerechte Doppelbesteuerung", meint Franz-Josef Leven vom DAI. "Selbst wer den Zusammenhang nicht kennt, wird bemerken, dass sich dies im Kursniveau niederschlägt."

Zwei Abstürze innerhalb eines Jahrzehnts schrecken ab

Daneben gibt es für die aktuelle Anlegerflucht laut Leven zwei weitere Motive: Zum einen Gewinnmitnahmen - und zum anderen die Absicht, ein unglückliches Engagement mit möglichst geringem Schaden zu beenden. "Der Dax Chart zeigen ist 2010 um 16 Prozent gestiegen", sagt der Fachmann. "2009 betrug das Plus mehr als 20 Prozent. Es liegt auf der Hand, dass viele da erst einmal Kasse machen." Vor allem Anleger, die vor der Krise gekauft haben, dürften laut Leven die Chance zum Rückzug genutzt haben. Schließlich befinden sich viele Kurse aus ihrer Sicht inzwischen ungefähr wieder auf dem Einstiegsniveau.

"Die Aktienverdrossenheit unter den Privatanlegern ist in der Tat sehr hoch", sagt auch Eberhard Weinberger, Vorstand der DJE Kapital AG. "Nach zwei Jahrhundertbörsenabstürzen innerhalb eines Jahrzehnts ist das allerdings nicht verwunderlich."

Die Zurückhaltung der Bundesbürger beim Aktienkauf wäre damit erklärt. Die entscheidende Frage aber ist noch offen: Ist dieses Verhalten auch vernünftig?

Die Antwort der Fachleute ist: nein. "Langfristig bringen Aktien eine durchschnittliche Rendite von bis zu acht Prozent", meint DAI-Fachmann Leven. "Auch die jüngste Wirtschaftskrise ändert daran nichts." Wobei unter "langfristig" in der Tat ein Zeitraum von zehn bis 25 Jahren zu verstehen ist - zur erfolgreichen Anlage gehören Geld und Geduld, heißt es unter Vermögensberatern.

Tatsächlich gab es allen Turbulenzen zum Trotz am deutschen Aktienmarkt nach Berechnungen des DAI seit 1948 nur selten längere Zeiträume mit negativer Performance. Levens Fazit lautet daher: "Die Aktie gehört in fast jedes Portfolio."

Das sehen auch Investmentprofis so. "Aktien sind nach wie vor unverzichtbar", sagt etwa Burkhard Allgeier von der Privatbank Hauck & Aufhäuser. Nach seiner Beobachtung liefern die Papiere auf lange Sicht beispielsweise gegenüber Anleihen einen klaren Mehrertrag.

"Die Aktienanlage sollte fester Bestandteil des langfristigen Vermögensaufbaus sein", meint auch H. Willi Brand, Chef von HWB Capital. "Sie stellt einen klassischen Sachwert dar und ist gut als Inflationsschutz geeignet." Letzteres bekommt derzeit besondere Bedeutung. Denn die Inflationsraten könnten künftig erheblich anziehen.

In Zeiten steigender Inflation haben Sparer, die sich ausschließlich auf Anleihen oder Sparguthaben verlassen, schlechte Karten. Denn die bei diesen Anlageformen vergleichbar geringe Verzinsung kann schnell unter die jährliche Teuerungsrate rutschen: Das bedeutet, der Sparer verliert real Geld. Aktien bieten dagegen zwar auch keinen hundertprozentigen Inflationsschutz, als Unternehmensbeteiligungen können sie aber eher mit einer anziehenden Inflation mithalten.

Gezielte Aktienauswahl immer wichtiger

Wer die Qualität von Aktien als Schutz gegen Inflation nutzen will, muss sehr genau wählen. Fachleuten zufolge entwickeln sich bei starker Geldentwertung vor allem Firmen gut, die in der Lage sind, Kostensteigerungen vergleichsweise problemlos an die Kundschaft weiterzureichen. Lebensmittelhersteller wie Nestlé Chart zeigen können demnach zu den Inflationsprofiteuren zählen, ebenso Goldminen wie Barrick Gold Chart zeigen oder Agrarfirmen wie Archer Daniels Midland (ADM) Chart zeigen.

Auch die allgemein hohe Staatsverschuldung weltweit steigert nach Ansicht von Experten tendenziell die Attraktivität von Aktien beispielsweise gegenüber Staatsanleihen. Sie führt aber auch dazu, dass die gezielte Auswahl der richtigen Werte immer wichtiger wird. DJE-Vorstand Weinberger etwa weist darauf hin, dass die verschiedenen Regionen weltweit in sehr unterschiedlichem Maße mit Schuldenproblemen zu kämpfen haben. Während beispielsweise die Last in den Industrieländern sehr hoch sei, litten die Schwellenländer deutlich weniger darunter. Selbst innerhalb Europas, so Weinberger, tut sich ein Zwiespalt auf: zwischen dem bonitätsmäßig noch relativ soliden Deutschland auf der einen Seite und fast allen anderen EU-Ländern auf der anderen.

"Eine Idealquote für den Aktienanteil im Portfolio zu finden, ist vor dem Hintergrund schwierig", sagt Weinberger. "Am besten macht der Anleger die Anzahl der Aktien im Depot von seinen Risikopräferenzen und von der Anzahl vorhandener Werte mit interessantem Chance/Risikoverhältnis abhängig."

Dabei sollte allerdings nicht herauskommen, dass am Ende ausschließlich Aktien im Depot liegen. Die Experten raten durchweg zur Streuung auch auf andere Anlagen. Der Grund: Der Anleger vermeidet so Klumpenrisiken und verhindert, dass er Papiere aus Geldnot zu einem ungünstigen Zeitpunkt verkaufen muss.

Am einfachsten lässt sich die Depotaufteilung wohl mit einer gängigen Faustregel berechnen: Aktienquote = 100 minus Lebensalter. Aktienanteile von 60, 70 oder gar 80 Prozent, wie sie daraus für jüngere Anleger resultieren, dürften hierzulande allerdings vorläufig die Ausnahme bleiben. Selbst wenn die Betroffenen beim Wort Börse künftig auch mal an die Chancen denken würden.

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1. Warum Aktien keine gute Geldanlage ist !
boam2001, 30.01.2011
Na, ja, lieber ein wenig Geld weg durch eine geringe Inflation, als das ganze Geld weg durch kriminelle und korrupte Investmentbanker. Fragen Sie mal die ehemaligen Anleger bei der Pleitebank Lehman-Brother oder anderer Pleite-Banken. Die wären froh, wenn sie ihr Geld nicht irgendwelchen windigen, kriminellen Banker anvertraut hätten. Man sollte sein Geld nur da anlegen, wovon man auch etwas versteht. Wenn selbst professionelle Banker ihre eigenen Produkte am Ende nicht mehr verstanden haben, dann ist das grob fahrlässig.
2. Zocker unter sich
northcup, 30.01.2011
Zitat von sysopDer Dax*steigt,*doch*Aktionäre wenden sich zu Tausenden*von der Börse ab. Wer Geld so defensiv anlegt wie die Mehrheit der Deutschen, könnte einen Fehler machen -*erst recht, wenn die Inflation steigt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,742341,00.html
Ich lach mich scheckig... SPON ruft die Voelker zurueck an die Troege zu kommen. Das Casino hat eroeffnet - der Relaunch ist vollbracht - aber die Zocker sind unter sich... !? So what ... Der naechste "Big-Bang" wird kommen. Ihr arbeitet feste daran und SPON ist dabei !! Gruss, Klaus
3. Warum wenden sich wohl so viele von der Börse ab?
sorgenlos 30.01.2011
Wenn man wie in Deutschland eine Knebelungssteuer von 25 Prozent + Solidaritätszuschlag auf Aktiengewinne einführt, muss man sich nicht wundern, warum Anleger sich abwenden. Wer die Möglichkeiten dazu hat, bringt sein Geld in die Schweiz oder legt es in Fremdwährungen an. Deutschland und der Euro gehen in Richtung Totalverlust...
4. Und wenn die Aktien nicht gesunken sind, dann ... .
TS_Alien 30.01.2011
Aktien sind keine gute Geldanlage. Und zwar aus prinzipiellen Gründen. Man zahlt an der Börse beträchtlich mehr für eine Aktie als deren Nennwert und erhält dafür relativ wenig Dividende im Jahr - wenn überhaupt. Bleibt der Aktienkurs gleich, dann sind die üblicherweise ausgezahlten Dividenden nicht wirklich hoch im Vergleich zum Börsenwert einer Aktie. Das Risiko ist erheblich höher, immerhin droht ein Totalausfall des eingesetzten Geldvermögens. Ein Aktienkauf rechnet sich nur dann im überschaubaren zeitlichen Rahmen, wenn man jemanden findet, der einem die Aktie für mehr bzw. nicht wesentlich weniger Geld wieder abkauft. Das "Spielchen" mit Aktien geht nur auf und rentiert sich nur bei steigenden Aktienkursen. Das ist zwar kein klassisches Schneeballsystem (der Lawineneffekt fehlt), aber es ist ein Schneeballsystem. Denn die Annahme der immer weiter steigenden Kurse ist genauso sinnfrei wie die Annahme der immer vorhandenen Neueinsteiger im klassischen Schneeballsystem. Natürlich kann man mit Aktien Geld verdienen, das kann man mit Schneeballsystemen auch. Nur irgendwann ist Schluss damit, und die Zeche zahlen die zuletzt oder ziemlich spät Eingestiegenen. Vereinfacht dargestellt: Ich gebe Anteilsscheine meines Vermögens aus über jeweils 5 Euro. Die verkaufe ich dann für 100 Euro. Da kann ich locker eine ordentliche Dividende im Jahr versprechen. Alleine aus dem Verkauf der Anteilsscheine kann ich dies jahrzehntelang bezahlen. Klingt nicht gerade intelligent für die Anleger, dieses System mit Aktien. Oder?
5.
El Ackabar, 30.01.2011
Zitat von sysopDer Dax*steigt,*doch*Aktionäre wenden sich zu Tausenden*von der Börse ab. Wer Geld so defensiv anlegt wie die Mehrheit der Deutschen, könnte einen Fehler machen -*erst recht, wenn die Inflation steigt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,742341,00.html
Ich bin jetzt nicht so der Finanzprofi, aber wenn es heißt: 4-8 Prozent Rendite in 10 bis 25 Jahren, bedeutet das doch wohl: 4-8 Prozent Rendite *nach* 10 bis 25 Jahren (Dividende mal vernachlässigt) und nicht etwa p.a. Oder irre ich mich da? Das heißt, man wenn man demnach die 8 % auf 25 Jahre verteilt, sieht das gleich weit weniger günstig aus.
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