Energiewende In diese Länder fließt der deutsche Strom

Die Energiewende setzt Deutschland bisher im Alleingang um, doch der Strommarkt ist längst europäisch. Die Infografik der Woche zeigt, wo unser Strom herkommt und wohin er geht.


Statista, SPIEGEL ONLINE

Was SPIEGEL ONLINE schon vor Tagen berichtete, ist seit diesem Donnerstag offiziell: Die EEG-Umlage steigt auf ein neues Rekordhoch von 6,35 Cent pro Kilowattstunde im Jahr 2016. Im laufenden Jahr waren es noch 6,17 Cent.

Die Kritik der Wirtschaft kam prompt: Von einem "Kostenmonster" sprach der Gesamtverband der Textil- und Modeindustrie, von einem "gravierenden Wettbewerbsnachteil" der Bundesverband der Deutschen Industrie.

Die EEG-Umlage verursacht Mehrkosten auf der Stromrechnung deutscher Verbraucher. Doch der Strom an sich ist längst international geworden. Deutschland schickt munter Strom über seine Grenzen hinweg, wie die Infografik der Woche von Statista und SPIEGEL ONLINE zeigt.

114 Terawattstunden gingen über die Grenzen

Laut der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen wurden 2014 in Deutschland 625 Terawattstunden (TWh) elektrische Energie produziert. Jeweils ein Viertel davon wurde aus Braunkohle und erneuerbaren Energien gewonnen, die andere Hälfte verteilte sich auf Steinkohle, Kernenergie, Erdgas und andere Energieträger.

Der Strom "Made in Germany" war bei den Nachbarn gefragt: Rund zwölf Prozent der produzierten Menge, das sind 75 Terawattstunden, gingen 2014 ins Ausland. Im selben Jahr wurden 39 Terawattstunden nach Deutschland importiert. Das entspricht rund sieben Prozent des deutschen Stromverbrauchs.

Zahlen des europäischen Netzwerks der Stromnetzbetreiber (entsoe) zeigen die Stromflüsse über europäische Grenzen. Demnach hat Deutschland die meiste Energie von den atomaffinen Franzosen bezogen, von Juli 2014 bis Juni 2015 waren es zwölf Terawattstunden. 6,3 Terawattstunden kamen im gleichen Zeitraum aus Tschechien. Umgekehrt flossen 23,9 Terawattstunden in die Niederlande, 15,5 nach Österreich und 12,6 in die Schweiz.

Allerdings: Die Infografik zeigt den physikalischen Stromfluss über die Grenzen. Um das europäische Stromnetz stabil zu halten, kann dieser vom kommerziellen Stromfluss abweichen. Beispiel: Obwohl Deutschland Energie nach Frankreich verkauft, fließt der Strom physikalisch an der deutsch-französischen Grenze in die andere Richtung.

Geht es nach der Bundesregierung, soll in Zukunft noch mehr Strom über europäische Grenzen fließen. "Mit dem überregionalen Ausgleich von Erzeugung und Nachfrage müssen national weniger Kapazitäten vorgehalten werden", heißt es im Konzept für das Stromnetz, das das Bundeswirtschaftsministerium in diesem Sommer vorgestellt hat. Eine sichere Stromversorgung könne mit einem europäischen Netz billiger gewährleistet werden als mit einem nationalen Alleingang.


Mehr Infografiken der Woche finden Sie auf der Themenseite.

 sep/Andreas Grieß (Statista) mit Material von AFP



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