Verdacht auf Sicherheitslücke Mieter-Selbstauskunft Infoscore nimmt Angebot vom Netz

Harsche Kritik an der Auskunftei Infoscore: Sensible Daten seien dort laut NDR Info nur unzureichend geschützt, praktisch jedermann könne darauf zugreifen. Deshalb nimmt die Online-Mieterselbstauskunft ihr Angebot vorerst vom Netz.

Wohnungen in Frankfurt am Main: Vermieter verlangen oft eine Selbstauskunft
DPA

Wohnungen in Frankfurt am Main: Vermieter verlangen oft eine Selbstauskunft


Baden-Baden - Datenschützer rügen eine "undichte Stelle" bei einer der größten deutschen Auskunfteien: Eine Tochterfirma des Konzerns Bertelsmann steht nach einem Bericht des Radiosenders NDR Info deshalb in der Kritik. Jetzt hat die Infoscore Consumer Data GmbH (ICD) auf den Bericht reagiert - und schaltet ihr Online-Angebot für eine Mieterselbstauskunft bis auf Weiteres ab.

Als Grund nannte Infoscore die Befürchtung, dass Unbefugte auf den Bericht hin womöglich versuchen könnten, sich widerrechtlich Zugriff auf Daten zu verschaffen. Dem Sender zufolge seien bei dem Onlineportal für Mieterselbstauskünfte sensible Angaben von Millionen Verbrauchern in Zahlungsschwierigkeiten nicht ausreichend gegen Missbrauch geschützt.

Auf die Daten könne praktisch jedermann zugreifen, heißt es in dem Bericht. Dazu müsste man nur Name, Geburtsdatum und Anschrift einer Person angeben und pro Auskunft knapp 20 Euro zahlen. Erforderlich sei zudem eine Handynummer - die aber auch eine andere als die der betroffenen Person sein könne. Eine Identifizierung etwa durch die Kopie des Personalausweises werde nicht verlangt. Darauf sei bewusst verzichtet worden, erklärte eine Firmensprecherin. Die zuständige Aufsichtsbehörde habe mitgeteilt, dass dies nach dem Bundesdatenschutzgesetz als unzulässig erachtet werde. Das Unternehmen erklärte: "Bislang ist uns kein einziger Missbrauchsfall bekannt."

Infoscore bietet einen speziellen Service für Mieter an, die einem künftigen Vermieter zeigen wollen, dass ihre Finanzen in Ordnung sind. Darüber hinaus wertet die Firma auch Daten von Menschen mit Zahlungsschwierigkeiten aus, dazu zählen nach eigenen Angaben unter anderem folgende Bonitätsinformationen über Privatpersonen und Firmen: Online abfragbar seien etwa "Negativmerkmale aus öffentlichen Schuldnerverzeichnissen", "laufende und abgeschlossene Inkassovorgänge" der Vertragspartner und "Daten zu (Verbraucher-)Insolvenzverfahren".

bos/dpa

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insgesamt 1 Beitrag
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dislozierter 23.03.2015
1. Stalking
Könnte man nicht prüfen ob da Anti-Stalking Gesetze greifen? Dass durch diese Auskünfte die Lebensqualität des Leidtragenden gemindert wird, ließe sich doch bestimmt nachweisen. Irgendwie muss man dem digitalen Nachstellen doch Kontra bieten. In dem Fall von Infoscore ist es ja wohl offensichtlich, dass man dem Missbrauch Tür und Angel geöffnet hat, nur um mehr Geld mit diesem zweifelhaften Geschäftsmodell zu verdienen.
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